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Bundestagswahl:Weidel will erneut als Spitzenkandidatin der AfD antreten

Die Fraktionsvorsitzende erklärt in einer Fernsehsendung, dass sie sich mit Parteichef Chrupalla gemeinsam bewerben will. Noch bis zum Mittag dürfen sich Zweierteams der Partei melden.

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel will ihre Partei als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen. Sie wolle sich gemeinsam mit dem Parteivorsitzenden Tino Chrupalla als Spitzenteam bewerben, sagte Weidel in der Nacht zum Mittwoch in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Beide werden dem äußerst rechten Lager der Partei zugerechnet.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass auch der pensionierte Luftwaffen-General Joachim Wundrak, 65, und die Bundestagsabgeordnete Joana Cotar, 48, die AfD gerne als Spitzenteam in den Bundestagswahlkampf führen würden. "Mir ist an einer Lösung gelegen, die die AfD in ihrer Breite abbildet, mit der sich die Basis der AfD und unsere Wähler identifizieren können", teilte Cotar mit. Chrupalla habe ihr Angebot, gemeinsam ein Team zu bilden, zuvor abgelehnt, fügte sie hinzu.

Die AfD hatte nach längeren Debatten entschieden, die Mitglieder über das Spitzenduo abstimmen zu lassen. Zweierteams, die gemeinsam antreten wollen, müssen sich bis Mittwoch zwölf Uhr melden.

In Baden-Württemberg, wo Weidel Landesvorsitzende ist, steht die Aufstellung der Kandidaten für die Bundestagswahl am 26. September noch aus. Auf die Frage, worauf er sich im Wahlkampf konzentrieren wolle, sagte Chrupalla, der auf Platz eins der sächsischen Landesliste steht: "Gerade durch Corona treten die großen Probleme unseres Landes zu Tage. Der Mittelstand und die Mittelschicht erodieren. Gerade Familien geraten in soziale Notlagen, weil Wohnraum in den Städten unbezahlbar wird." Die Unterscheidung zwischen systemrelevant und nicht systemrelevant in der Corona-Krise spalte die Gesellschaft noch tiefer.

Wundrak und Cotar werden eher Außenseiter-Chancen eingeräumt, da sie öffentlich und auch in der Partei noch nicht sehr bekannt sind. Anders als Weidel und Chrupalla werden sie dem parteiintern als gemäßigt geltenden Lager des Co-Parteivorsitzenden Jörg Meuthen zugerechnet. Die niedersächsische AfD hatte Wundrak im Dezember zu ihrem Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt. Seine Parteimitgliedschaft hatte der bislang ranghöchste frühere Soldat in der AfD erst nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr öffentlich gemacht. Cotar ist digitalpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion und Nummer zwei der hessischen Landesliste für die Bundestagswahl.

Chrupalla genießt die Unterstützung der Rechtsaußen-Strömung um den thüringischen Landeschef Björn Höcke, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistische Bestrebung eingestuft wird. An einem Treffen des inzwischen formal aufgelösten "Flügels" nahm er nach eigener Aussage nur als Gast teil. Weidel hatte sich früher für einen Ausschluss von Höcke aus der AfD eingesetzt, ihren Kurs später aber geändert. Weidel und Alexander Gauland hatten 2017 das Spitzenteam der AfD für die Bundestagswahl gebildet. Die Partei zog damals mit 12,6 Prozent der Stimmen erstmals in den Bundestag ein. Weidels interner Ruf hat unter einer Spendenaffäre und Kritik an ihrer Fraktionsführung im Bundestag gelitten.

© SZ/dpa/aner/jsa
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