Horn von Afrika:Waffenstillstand in Äthiopien

Flüchtlinge in Äthiopien

Mehrere Millionen Menschen hat der Konflikt um Tigray in die Flucht getrieben und zu Hunger verurteilt.

(Foto: BAZ RATNER/REUTERS)

Der tödlichste Krieg der Welt ist vorerst beendet, Millionen Menschen sollen wieder Zugang zu Lebensmittelhilfen bekommen. Viele Details der Einigung sind aber noch unklar.

Von Bernd Dörries, Kapstadt

Fast auf den Tag zwei Jahre nach Beginn des Bürgerkrieges in Äthiopien haben sich die Konfliktparteien am Mittwochabend auf einen Waffenstillstand geeinigt. Millionen Menschen in der umkämpften Region Tigray im Norden des Landes sollen wieder Lebensmittelhilfen der Vereinten Nationen bekommen. Die UN hatten dem äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed immer wieder vorgeworfen, im Bürgerkrieg "Hunger als Waffe" zu benutzen. Der Konflikt gilt als derzeit schwerster Krieg weltweit, bis zu einer halben Millionen Menschen könnten nach Schätzungen ums Leben gekommen sein, mehrere Millionen sind auf der Flucht und leiden Hunger.

Der frühere nigerianische Präsident und Sonderbotschafter der Afrikanischen, Union Olusegun Obasanjo, sprach von einem großen Tag für Äthiopien und den ganzen Kontinent. "Wir haben gezeigt, dass es afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme gibt." Eine Woche lang hatten Vertreter beider Seiten in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria verhandelt, gleichzeitig ging der Krieg mit unverminderter Härte weiter.

Aus der kurzen Aktion wurde ein zweijähriger Krieg

Der Krieg im Vielvölkerstaat begann im November 2020 mit dem Angriff der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) auf eine Kaserne der äthiopischen Bundesarmee. Ministerpräsident Abiy Ahmed schlug zurück. Der Konflikt hatte sich monatelang angekündigt, nachdem die Volksgruppe der Tigray fast drei Jahrzehnte lang fast alle wichtigen Positionen in Politik und Wirtschaft unter sich aufgeteilt hatte, obwohl sie nur sechs Prozent der Menschen in dem Vielvölkerstaat stellt.

Nach jahrelangen Protesten kam 2018 mit Abiy Ahmed erstmals ein Vertreter des größten Volkes der Oromo an die Macht. Die Tigray fühlten sich an den Rand gedrängt und sabotierten die Zentralregierung unter Abiy, während dieser einen militärischen Feldzug gegen die Tigray plante - obwohl er gerade erst den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Im November 2020 sprach er lediglich von einer kurzen "Aktion" zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung. Sie dauerte nun zwei Jahre.

"Dies ist nicht das Ende des Friedensprozesses, sondern der Anfang"

"Unsere Kinder gehen nicht zur Schule, unsere Krankenhäuser sind zerstört, Hunderttausende sind ums Leben gekommen. Ich hoffe, dass beide Seiten sich an das Abkommen halten", sagte ein Vertreter der Tigray. Die Afrikanische Union will die Umsetzung des Friedensprozesses überwachen, dazu soll auch die Wiederherstellung von Elektrizität, Internet und des Bankwesens gehören in der Region Tigray gehören, die seit vielen Monaten von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Nach Angaben der AU soll demnächst auch mit der Entwaffnung der Konfliktparteien begonnen werden. Details dazu blieben vorerst unklar. Auf äthiopischem Staatsgebiet befinden sich auch Hunderttausende Soldaten aus dem Nachbarland Eritrea, das bei den Verhandlungen nicht beteiligt war. Zahlreiche Gebietsansprüche in der Region Tigray waren bisher nicht Teil der Gespräche. "Dies ist nicht das Ende des Friedensprozesses, sondern der Anfang", sagte AU-Verhandler Obasanjo.

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