Egon Bahr:Das Leben eines politischen Visionärs

Mit der Formel "Wandel durch Annäherung" prägte Egon Bahr eine Ära.

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Willy-Brandt-Preis für Egon Bahr

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Mit der Formel "Wandel durch Annäherung" prägte er eine Ära: Der SPD-Politiker Egon Bahr vertrat während des Kalten Krieges als Vertrauter von Bundeskanzler Willy Brandt eine Politik der Abrüstung und der deutsch-deutschen Annäherung. Nun ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Am 18. März 1922 in Treffurt an der Werra in Thüringen geboren, verbrachte Egon Bahr seine Jugend unter nationalsozialistischer Herrschaft. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Soldat in der Wehrmacht. Nach 1945 arbeitete der gelernte Industriekaufmann zunächst als Reporter bei unterschiedlichen Zeitungen. Mit seinem Eintritt in die SPD 1956 begann sein politisches Wirken.

Egon Bahr wird 90

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Ab 1960 prägte Egon Bahr die Ost- und Deutschlandpolitik der Bonner Republik. Als Sprecher des damaligen Berliner Bürgermeisters Willy Brandt erlebte Bahr 1961 den Bau der Mauer. Bereits zwei Jahre später bemühte er sich um eine aktive Annäherung an die DDR, was zu diesem Zeitpunkt hochumstritten war. Als Brandt Außenminister und später Bundeskanzler wurde, bekleidete Bahr zunächst das Amt des Sonderbotschafters und 1969 das des Staatssekretärs. In dieser Funktion begleitete er Brandt, als dieser 1970 im Moskauer Kreml das deutsch-sowjetische Gewaltverzichtabkommen unterzeichnete (Bild: Brandt vorne links, Bahr dahinter, zweiter von links).

Egon Bahr wird 90

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Bahr war jahrzehntelang der politische Gefährte Willy Brandts. Er begleitete Brandt zu Gesprächen mit Staatsvertretern - wie hier 1971 mit Leonid Breschnew (rechts), dem damaligen Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Mit seiner Wahl ins Bonner Parlament 1972 wurde Bahr Bundesminister für besondere Aufgaben und somit zum ständigen Berater des Bundeskanzlers in allen Fragen der Ost- und Deutschlandpolitik. Die Politiker waren auch privat eng befreundet.

Unterzeichnung des Grundlagenvertrags in Ost-Berlin, 1972

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1972 wuchs Bahrs Hoffnung auf "gutnachbarliche Beziehungen" im geteilten Deutschland. Das Bild zeigt Bahr als Staatssekretär der BRD (links) und den Verhandlungsführer der DDR, Michael Kohl, bei der Unterzeichnung des Grundlagenvertrags zwischen BRD und DDR in Ost-Berlin. Der damalige US-Sicherheitsberater und spätere Außenminister der USA, Henry Kissinger, sowie die oppositionelle Union beäugten Bahrs vermeintliche Nähe zur Sowjetunion misstrauisch. Die Nachrichtenmagazine Spiegel und Focus warfen ihm wiederholt vor, er habe während der Ära Brandt den sowjetischen Geheimdienst und die SED mit Informationen versorgt. Bahr ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und hielt unbeirrt an seiner Verhandlungs- und Friedenspolitik fest. 2005 sagte er in einem Interview mit der FAZ: "Dass es zu einer Wiedervereinigung kommt, da war ich sicher. Ich habe diese Überzeugung nie verloren."

Egon Bahr gestorben

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Nachdem Brandt 1974 wegen der Guillaume-Affäre zurückgetreten war, berief dessen Nachfolger Helmut Schmidt Bahr in das Amt des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zwei Jahre später wurde Bahr SPD-Bundesgeschäftsführer.

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Bahr war 22 Jahre lang mit Dorothea Grob verheiratet - gemeinsam haben sie zwei Kinder. 2011 heiratete er erneut - seine langjährige Lebensgefährtin Adelheid Bonnemann-Böhner. Privat interessierte sich der Politiker besonders für Musik und Malerei.

Egon Bahr wird 90

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Einsatz für den Frieden: Von 1984 bis 1994 war Bahr Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. 1990 zeichnete die Universität Hamburg ihn dafür mit einer Ehrenprofessur aus. Nach dem Fall der Mauer kümmerte Bahr sich weiter um den Einigungsprozess. Auch nach seinem Abschied aus den meisten Ämtern blieb er mit seinen Einschätzungen zur Weltlage in den Medien präsent. Das Bild zeigt Bahr 2007 im Willy-Brandt-Haus, beim SPD-Empfang zu seinem 85. Geburtstag.

80. GEBURTSTAG VON EGON BAHR

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1997 unterzeichnete Bahr mit anderen Politikern und Intellektuellen die "Erfurter Erklärung", mit der er sich für einen politischen Wechsel und die Ablösung der Regierung Kohl einsetzte. Ein Jahr zuvor hatte er seine Memoiren "Zu meiner Zeit" veröffentlicht. Die Fachkritik beurteilte seine Darstellung als persönlich, uneitel und selbstkritisch. An seinem 80. Geburtstag erhielt er für seinen politischen Einsatz für die Entspannungspolitik unter Brandt die Ehrenbürgerwürde Berlins. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links) verfolgt die Geburtstagsfeier gemeinsam mit Bahr.

Fototermin anlaesslich des 90. Geburtstages von Egon Bahr

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Sigmar Gabriel gratuliert Bahr im März 2012 mit einem Blumenstrauß zum 90. Geburtstag. Bis ins hohe Alter engagierte sich Bahr in der Deutschland- und Europapolitik. Um die Jahrtausendwende erschienen mehrere Publikationen, in denen Bahr unter anderem ein stärkeres deutsches Nationalbewusstsein und "die Selbstbehauptung Europas gegenüber den USA" forderte.

SPD-Parteitag

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Egon Bahr im Dezember 2011 im Gespräch mit dem damaligen Ministerpräsidenten Brandenburgs, Matthias Platzeck, wie Bahr SPD-Politiker. In seinem 2012 erschienenen Buch "Ostwärts und nichts vergessen" berichtet Bahr nicht nur über die von ihm maßgeblich mitgeprägte Politik der "Kooperation statt Konfrontation", sondern auch über seinen Weg mit der SPD. Daraus erwächst sein Ratschlag an die jüngere Generation: "Sie sollten mehr Mut zu Neuem, Revolutionärem, Systemänderungen und weltumfassender Sicht haben. Die heutigen Mittel dazu hatte meine Generation nicht, als sie jung war."

Social Democrats Hold Annual Federal Party Congress

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Egon Bahr prägte die Ostpolitik zur Zeit des Eisernen Vorhangs wie kaum ein anderer. Mit seinem Tod verliert Deutschland einen großen Politiker.

© Süddeutsche.de/fhu/pamu
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