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50 Jahre Unabhängigkeit von Singapur:Bürgerrechte sind eingeschränkt

Es ist ein Modell des Aufschwungs, das kapitalistischen Prinzipien folgt, ohne dabei den westlichen Freiheitsidealen zu folgen. Bürgerrechte wie Presse- und Demonstrationsfreiheit sind eingeschränkt, der Staat duldet Kritik nur in Grenzen. Das wurde kürzlich wieder sichtbar, als die Justiz einem 16-jährigen Blogger den Prozess machte und zu einer vierwöchigen Gefängnisstrafe verurteilte, weil er sich unter anderem abfällig über das Christentum geäußert hatte. Religiöse Gefühle zu verletzten, wird in Singapur strikt geahndet. Auch verhöhnte Amos Yee den Staatsgründer Lee Kuan Yew kurz nach dessen Tod und provozierte damit breiten Ärger in der Bevölkerung. Für den 16-Jährigen ging niemand auf die Straße: Solche Demonstrationen sind verboten und würden vermutlich umgehend aufgelöst.

Gleichwohl zeigt der Fall, dass sich in der jüngeren Generation Singapurs vielleicht mehr rebellischer Drang und Unzufriedenheit aufstaut, als offen erkennbar ist. Manche fragen sich, ob Amos Yee ein Einzelfall ist oder doch auf eine breitere unterdrückte Aufmüpfigkeit in der Jugend hinweist.

Das goldene Jubiläum ist nicht nur der Moment, in dem die Nation zurückblickt. Es hat auch eine breite, vom Staat gelenkte Nabelschau angestoßen, in der heute zumindest etwas mehr Kritik zugelassen wird als früher. Sofern sie nicht auf religiöse oder ethnische Zugehörigkeit abzielt. Alles dreht sich um die Frage: Wie muss sich Singapur wandeln, um die Errungenschaften der fünf vergangene Jahrzehnte für die Zukunft zu sichern?

In der strebsamen Welt Singapurs werden zu wenige Kinder geboren

Der Stadtstaat ist nicht ohne Probleme. In der strebsamen Welt Singapurs werden zu wenige Kinder geboren, die Gesellschaft wird älter und muss Wege finden, damit fertig zu werden. Der starke Zustrom von Ausländern hat zu Abwehrreflexen in der Bevölkerung geführt, der Staat drosselt seither den Zuzug von außen. Doch Singapur ist gleichzeitig angewiesen auf Offenheit und internationale Vernetzung, um sich als Wirtschaftsmetropole zu behaupten und weiterzuentwickeln.

Die regierende Peoples Action Party (PAP) beherrscht die Politik seit mehr als 50 Jahren, sie strebt bei den kommenden Wahlen einen erneuten Sieg an. Die Opposition ist zwar stärker geworden, doch gewann die PAP 2011 noch immer 81 von 87 Sitzen. Ihr nützt das Mehrheitswahlrecht, das an das britische System angelehnt ist. Die Wahlen müssen vor Januar 2017 abgehalten werden - wenn sie noch in diesem Jahr angesetzt werden, könnte die PAP von der nationalen Euphorie profitieren, die durch die Feierlichkeiten zum 9. August entfacht wurde.

© SZ/jobr
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