30 Jahre Die Grünen:Unrealistisch denken - trotzdem recht behalten

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Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit und Otto Schily traten der Partei erst später bei. Ehrgeizige Grünen-Politiker konnten sich mit dem Rotationsprinzip nie anfreunden. Und dass sie ihre Macht mit Frauen teilen sollten, schmeckte Leuten wie Fischer und Schily erst recht nicht. Das Rotationsprinzip wurde immer weniger konsequent praktiziert. Nur gegen die Frauen können die grünen Machos bis heute nichts machen.

Mit den Wölfen heulen

Noch in den siebziger Jahren hatte der hessische Ministerpräsident Holger Börner gesagt, Umweltschutz sei unwichtig. Die Grünen nahm der SPD-Politiker alter Schule nicht ernst und fand, die ungehobelten Kerle müsse man mit der Dachlatte Mores lehren.

Die Ironie der Geschichte wollte es, dass 1985 ausgerechnet unter Holger Börner erstmals ein Grüner zum Landesminister bestellt wurde: Joschka Fischer übernahm das hessische Umweltministerium.

Damit hatten die "Realos" über "Fundis" wie Petra Kelly und Jutta Ditfurth obsiegt, die der Meinung waren, dass eine alternative Partei nicht als kleiner Koalitionspartner in eine Regierung eintreten dürfe: Dann werde man mit den Wölfen heulen müssen.

Dass man unrealistisch denken und doch recht behalten kann, zeigte sich 1999, als die rot-grüne Bundesregierung - ohne Rücksicht auf das Völkerrecht - beschloss, Serbien militärisch anzugreifen. Außenminister Joschka Fischer verstieg sich zu der deplatzierten und höchst peinlichen Behauptung, Slobodan Milosevics Regierung veranstalte einen zweiten Holocaust.

Spätestens seit jenen Tagen sind die Grünen eine Partei wie andere auch. Heute fragt sich, mit wem sie künftig koalieren werden. Guido Westerwelle dürfte der Kanzlerin ziemlich auf die Nerven gehen. Es ist denkbar, dass sie sich bald lieber mit der Partei der linken Besserverdienenden als mit der FDP verständigt.

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