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Youtube:"Yo, ich feier deine Videos"

500 Youtuber, mehr als 15 000 Besucher, unzählige Selfies: Bei den Videodays in Köln treffen begeisterte Teenies auf ihre Bildschirmhelden - und ratlose Eltern.

Es ist, so nennt es der Veranstalter ganz unbescheiden, "Europas größtes Youtuber-Treffen", und wahrscheinlich stimmt das auch. Mehr als 15 000 Besucher - vor allem Teenies und ihre Eltern - sind gekommen, um dem Schaulaufen der Youtube-Prominenz beizuwohnen. Es gibt zwei Bereiche: Drinnen kreischen Fans ihren Idolen auf der Bühne zu oder stehen für Autogramme an, für Erwachsene ist draußen ein Zelt zum "Analogen Chillen für Eltern" aufgebaut. Dort wirbt auch ein Stand für einen Motorradladen in Limburg, aber die meisten Erwachsenen warten doch lieber am Bierstand auf ihre Kinder. Bleibt die Frage: Wer geht nun auf so eine Messe - und warum?

Christoph Krachten, Videodays-Gründer

"Wenn man es ganz auf den Punkt bringen will, sind die Fans, die herkommen, im Schnitt zwölf Jahre alt und weiblich. Sie sind der Antrieb dieses Ganzen hier, weil sie unglaublich emotional sind. Sie feiern, dass sie ihre Lieblings-Youtuber, die sie sonst nur aus deren Kinderzimmer kennen, auf einer großen Bühne mit bombastischer Deko sehen können. Viele Eltern können mit all dem nichts anfangen. Aber wenn man die Welt der eigenen Kinder nicht kennenlernen möchte, ist man selbst schuld."

Oskar, 15, Youtuber

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Begehrter Youtuber: Oskar, 15.

(Foto: OH)

Ist seit vier Jahren auf der Video-Plattform zu sehen und hat mehr als 330 000 Abonnenten. In seinem Video-Blog, kurz "Vlog", veröffentlicht er alle ein bis zwei Tage Videos, in denen er die Zuschauer an seinem Leben teilhaben lässt.

"Zuschauer treffen ist immer nice. Leider ist nicht genug Zeit, um mit allen länger zu reden. Meistens geht es nur so: ,Yo, ich feier deine Videos', ich bedanke mich, wir machen ein Foto und sagen Auf Wiedersehen. Erwachsene verstehen oft nicht, was ich mache. Dann erkläre ich es, aber viele verstehen es trotzdem nicht, die wundern sich: Wen genau interessiert das Leben eines 15-Jährigen? Scheinbar aber schon ein paar hunderttausend Leute. Es wäre cool, wenn ich später auch beruflich Youtuber sein könnte, weil man megaviele Leute damit erreicht. Aber es ist auch eine super unsichere Einnahmequelle, darum wäre es mir sehr wichtig, immer ein zweites Standbein zu haben."

Tobias, Youtuber-Vater

"Ich bin dankbar, dass ich über meinen Sohn Oskar in die Sache mit reingewachsen bin. Ich sag' immer: Ich bin einer der wenigen 50-Jährigen, die sich in dem Bereich auskennen. Ich kann aber Eltern gut verstehen, die das für ihre Kinder nicht wollen: Das Internet ist eine ganz schöne Mördergrube. Wir fanden es bei Oskar gut, weil wir eine kreative Familie sind und er einen künstlerischen Anspruch hat. Dass er Fans hat, finde ich nicht merkwürdig, ich verstehe, wie das funktioniert. Er ist ja auch selbst mal Fan gewesen, und ich auch. Bei mir ist es dann vielleicht Sting, und für manche 13-jährige Mädels ist es im Moment eben mein Sohn."

Marleen Reinhard, 12, Besucherin aus Bonn

"Ich habe gerade meine Lieblings-Youtuberin Milena Sophie getroffen. Ich hab' ihr erzählt, dass ich ihren Hund süß finde, und dass ich neulich im Urlaub extra in der Bäckerei war, wo sie immer einkaufen geht. Ich hab' da aber nur den Verkäufer getroffen. Milena hat ein Foto von mir gemacht, das will sie ihm jetzt schicken und fragen, ob er sich an mich erinnert."

MrTrashpack, 27, Youtuber

Heißt eigentlich Philipp Betz und ist unter seinem Pseudonym mit 760 000 Abonnenten einer der bekanntesten deutschen Youtuber. Sein Format "Wuzzup?!" ist eine Nachrichtensendung über Trends, Klatsch und Tratsch der Youtube-Welt. Er gehörte 2010 zu den Mitgründern der Videodays.

"Für Youtube-Maßstäbe bin ich wahrscheinlich altmodisch, aber mit meinen 27 Jahren bin ich aus einer Generation, in der es das einfach noch nicht gab. Mir geht es auch immer noch darum, etwas zu erschaffen und mit Gleichgesinnten eine gute Zeit zu haben. Deshalb finde ich den Starhype um Youtuber etwas übertrieben."

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Dilara Yilmaz, 18, Besucherin aus Münster

"Einmal habe ich auch schon ein Video auf Youtube hochgeladen, aber danach habe ich es wieder runtergenommen, weil es nicht gut genug war. Ich würde gerne professionelle Clips machen, aber dafür muss ich für eine bessere Kamera sparen. Außerdem will ich erst mal Abi machen."

Malte Jarius, 12, Besucher aus Nieukerk

"Ich bin hier, um den Youtuber Paluten zu sehen, der macht so Let's-Play-Videos von Minecraft und so. Das Foto mit ihm würde ich aber nicht im Internet posten, sondern nur meinen Freunden zeigen."

Kai-Uwe Jarius, 45

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Neugieriger Vater: Kai-Uwe Jarius.

(Foto: Karoline Meta Beisel)

Maltes Vater "Was mein Sohn Malte hier macht, ist eine Welt, die ich gerne kennenlernen würde. Ich habe gelesen, dass das Verhältnis zwischen Youtubern und Fans hier genauso ist wie früher bei den Beatles oder den Rolling Stones. Das fand ich interessant: Die kannten die Erwachsenen am Anfang ja auch nicht."

Datteltäter, Youtuber-Gruppe

Unter "Datteltäter" veröffentlichen Fiete Aleksander, Younes Al-Amayra, Marcel Sonneck und Farah Bouamar Videos, die sich satirisch mit dem Islam auseinandersetzen. Seit 2016 gehören sie zu Funk, dem jungen Netzwerk von ARD und ZDF. In diesem Jahr haben sie den Grimme Online Award gewonnen, bei Youtube haben sie knapp 55 000 Abonnenten.

"Viele Fans von uns haben wir hier noch nicht getroffen: Das Aufgebot von Popsternchen aus dem Youtube-Himmel ist ziemlich groß, darum sind die Besucher etwas jünger als die, die unseren Kanal sonst ansehen. In Deutschland ist es schwieriger als in den USA, mit anspruchsvollem Content eine große Reichweite aufzubauen. Mit unserer muslimischen Satire sind wir zwar auch ein Teil des großen Angebots, das es bei Youtube gibt - aber doch eher in der Nische."

Phil Laude, 27, Moderator

War Mitglied des bei Youtube beliebten Comedytrios Y-Titty und ist einer der Moderatoren der Videodays. Bei der Bühnenshow spielt er ein Lied:

"Man kann's nicht mehr verschweigen, diese Welt wird immer dümmer. Donald Trump, RTL und jetzt Fidget Spinner. Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Welt untergeht, doch Kids schauen lieber zu, wie sich ein Plastikkreisel dreht. Das liegt an Youtube und an Instagram. Früher gab's das nicht, wir waren besser dran: Wir haben Tamagotchis gefüttert, auf dem Schulhof Pokémonkarten gedealt. Und ja, ich gebe zu, ich hab' mit den Polly Pockets meiner Schwester gespielt. Und die Kids von heute sind die Eltern von morgen, hören auf mit den Spielen, fangen an mit den Sorgen. Und es fühlt sich an, als würde es immer schlimmer und schlimmer, dabei drehen wir uns im Kreis wie ein Fidget Spinner."

Dinah Weber, Mutter zweier Fans

"Wir sind aus Wenns in Tirol hergefahren. Ich warte hier draußen auf meine 14-jährige Tochter und meinen zwölfjährigen Sohn. Die Karten haben 59,90 Euro pro Stück gekostet - da sind aber zwei Meet & Greets mit dabei. Die Kinder treffen Concrafter und Lukas Rieger, aber ich glaube, das ist gar kein Youtuber in dem Sinne, sondern eher ein Sänger."

Katrin Liebsch, 20, Besucherin aus Nürnberg

"Deutsche Youtuber finde ich zu 90 Prozent langweilig, die meisten Sachen, die ich gucke, sind englisch oder amerikanisch. Aber Melina Sophie ist richtig cool."

Lara, 12, Besucherin aus Soest

Hat gerade ein Foto mit den 16-jährigen Zwillingen Finja und Svea gemacht, die vor allem bei dem Musikdienst Musical.ly bekannt sind.

"Wenn ich Zuhause bin, drucke ich das Foto groß aus und hänge es in meinem Zimmer an die Wand. Finja und Svea sind meine Inspiration, weil die einen immer aufmuntern können."

Dirk, Youtuber-Vater

"Anfangs habe ich das, was meine Töchter Finja und Svea machen, als Spielerei abgetan, ich hätte nie gedacht, dass das so Fahrt aufnimmt. Aber ich find's geil. Morgen sollen sie fürs Fernsehen Jeans testen."

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