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Weißes Haus:Warum Macrons Baum verschwinden musste

Zum Staatsbesuch bei Donald Trump hatte der französische Präsident eine Eiche mitgebracht. Für die Verbundenheit. Drei Tage später ist der Baum schon wieder weg.

An Männern, die Bäume pflanzen, kommt man derzeit kaum vorbei. Im Vorgarten des Nachbarn oder auf der politischen Weltbühne - der Frühling scheint die Hobbygärtner von Asien bis Amerika zu beflügeln. Vom historischen Gipfeltreffen der beiden Koreas blieb eine Kiefer für den Frieden in der Demilitarisierten Zone zwischen den beiden Staaten zurück, vom nicht ganz so historischen, dafür angeblich sehr herzlichen Aufeinandertreffen von Emmanuel Macron und Donald Trump in Washington eine Eiche. Beziehungsweise ein gelber Fleck an eben jener Stelle, wo die noch blätterlose Eiche einst stand. Aber von vorne.

Trump im überlangen Mantel, seine Ehefrau Melania in High Heels, genau wie die französische Präsidentengattin Brigitte Macron, dazu ihr Mann im Anzug - nicht gerade Kleidung, die man normalerweise zum Gärtnern trägt. Dennoch gingen die Bilder des Eichen pflanzenden Quartetts vergangene Woche um die Welt. Nun stellte sich heraus: Die Eiche ist aus dem Garten des Weißen Hauses verschwunden. Dabei sollte der Baum, dessen Setzling Macron aus einem französischen Wald mitgebracht hatte, in dem im Ersten Weltkrieg Tausende US-Soldaten im Kampf gegen die Deutschen gefallen waren oder verwundet wurden, die beiden Länder verbinden. Hatte Macron getwittert.

A yellow spot is seen where the tree planted by French President Emmanuel Macron and U.S. President Donald Trump

Die Eiche ist nicht mehr da, nur ein gelber Fleck im Rasen blieb von ihrer inszenierten Verpflanzung.

(Foto: REUTERS)

Nun eignet sich die Eiche für so eine Verbindung ganz hervorragend. Sie wächst vorzugsweise auf der Nordhalbkugel, wird 40 Meter hoch und gilt als Symbol der Stabilität - sie wird ja schließlich bis zu 800 Jahre alt. Die Frankreich und die USA verbindende Traubeneiche vor dem Weißen Haus aber, ist (zumindest bislang) nur drei Tage alt geworden. Fotos von Pressefotografen belegen: Da, wo das präsidiale Quartett geschaufelt und gepflanzt hatte, steht kein Baum mehr. Nur ein gelber Fleck im akkurat gestutzten Rasen lässt vermuten, dass hier ein Staatsakt passiert sein könnte.

Und wo ist der Baum? Wieder ausgebuddelt und auf dem Kompost, nachdem Macron vor dem US-Kongress mit der Außenpolitik Trumps abgerechnet und danach auch noch dessen politischen Gegner getroffen hat? Einem Feuersturm und Trumps Wut erlegen, wie der es im vergangenen Jahr auch Nordkorea angedroht hatte? Oder einfach nur verkümmert, weil man Eichen besser im Herbst pflanzt, wo sie im feuchteren Boden schneller tiefe Wurzeln schlagen können?

Nichts dergleichen. Für den präsidialen Baum gelten schlicht und ergreifend die gleichen Regeln, wie für alles Organische, das in die Vereinigten Staaten importiert wird: Es muss erst mal in Quarantäne. Ausländische Pflanzen, die für den Anbau bestimmt sind, brauchen ein Pflanzengesundheitszeugnis, ehe sie in die USA gebracht werden, schreibt der US-Zoll- und Grenzschutz auf seiner Webseite.

"Donald Trump hat Frankreich einen besonderen Gefallen erwiesen", sagte ein Regierungssprecher Macrons der Nachrichtenagentur Reuters. Nur durch das Einwirken des US-Präsidenten habe der Baum am Tag des Besuches eingesetzt werden können - und nicht erst nach der monatelangen Quarantäne. "Der Baum wird schon bald wieder im Garten des Weißen Hauses eingesetzt", sagte der Sprecher weiter. "Machen Sie sich keine Sorgen, es geht ihm sehr gut."