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Vulkanausbruch auf Island:Hamburger Flughafen wegen Aschewolke gesperrt

Die riesige Aschewolke aus dem isländischen Eyjafjalla-Vulkan legt den europäischen Flugverkehr lahm. Auch Hamburg und andere norddeutsche Flughäfen sind betroffen.

Nordeuropa muss am Boden bleiben: Nach Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Irland und Großbritannien machen auch deutsche Airports dicht. Der Hamburger Flughafen sind wegen der gigantischen Aschewolke gesperrt worden, die der isländische Eyjafjalla-Vulkan ausgespuckt hat. Nach der kurzzeitigen Sperrung ist der Luftraum über Berlin wieder geöffnet. Auch die Flughäfen Hannover und Bremen waren zwischenzeitlich gesperrt.

Auch wenn sie wieder geöffnet wurden, können die Flughäfen von Berlin, Bremen und Hannover jederzeit wieder geschlossen werden: "Der Wetterdienst wertet minütlich aus, wann die Wolke ankommt, die Sperrungen können sich deshalb von einem Moment zum nächsten ändern", sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) der Süddeutschen Zeitung.

In Hamburg werde der Betrieb vor acht Uhr morgens auf keinen Fall wieder starten, sagte eine Sprecherin des Flughafens.

Passagiere, die von Berlin aus fliegen wollen, wurden gebeten, sich im Internet zu informieren und bei ihren Fluggesellschaften nachzufragen. Tagsüber waren auf den Flughäfen München, Frankfurt, Düsseldorf und Köln-Bonn bereits zahlreiche Flüge ausgefallen.

Auch der interkontinentale Luftverkehr ist betroffen. Wegen der Aschewolke wird am Freitag nur jeder zweite Transatlantikflug stattfinden können, sagte eine Sprecherin der europäischen Flugsicherung Eurocontrol in Brüssel.

Hunderte Isländer evakuiert

Der Eyjafjalla ist unterdessen unvermindert aktiv. Der Gletschervulkan im Süden Islands stößt weiter mit unverminderter Stärke Lavaasche und Rauch in die Atmosphäre.

Wegen der Gefahr einer neuen Flutwelle im Gebiet des Vulkans werden Hunderte von Anwohnern evakuiert. Das teilten Mitarbeiter des isländischen Katastrophenschutzes mit. Wie das Außenministerium in Reykjavik mitteilte, schätzen heimische Experten das Risiko anhaltender Aktivitäten über die nächsten Tage als hoch ein.

Britische Forscher sind mit einem Spezialflugzeug zu der 200 Kilometer mal 100 Kilometer großen Vulkanwolke über Europa aufgebrochen, um Proben der Asche zu nehmen. Der Flug sei sehr gefährlich, berichteten die Wissenschaftler des britischen Natural Environment Research Councils, einer öffentlich finanzierten Forschungsagentur. Unter anderem soll die Geschwindigkeit, mit der sich die Wolke ausbreitet, und ihre Richtung bestimmt werden.

Die DFS und der Deutsche Wetterdienst rechnen damit, dass die Aschewolke in der Nacht Deutschland überquert. Am Freitag sei noch mit vielen Verspätungen zu rechnen.

Der Deutsche Wetterdienst erwartet, dass die Wolke bis 20 Uhr Köln erreicht, gegen 2 Uhr Koblenz und gegen 8 Uhr Mannheim, sagte Meteorologin Christina Speicher. Am Freitag werde dann in Norddeutschland ein tiefroter Sonnenuntergang zu sehen sein, da die Partikel das Licht brechen und reflektieren.

"Das ist wie Hagel"

Unterdessen wies der EU-Verkehrskommissar Siim Kallas darauf hin, dass wegen der Wolke in EU-Staaten gestrandete Fluggäste Anspruch auf Entschädigung haben. Fluggesellschaften müssten ihren Passagieren soweit erforderlich Erfrischungen, Mahlzeiten und Unterkunft zur Verfügung stellen und ihnen die Wahl zwischen Flugpreiserstattung und einer Umleitung zum Bestimmungsort lassen. "In einem außerordentlichen Fall wie diesem bekommen Passagiere aber nicht zusätzliche finanzielle Entschädigung wie es der Fall wäre, wenn die Verspätungen oder Ausfälle auf die Fluggesellschaft zurückzuführen wären", sagte Kallas.

Für Flugzeuge sind Wolken aus Vulkanasche sehr gefährlich. Die feine Asche kann den Triebwerken schaden, die High-Tech-Sonden der modernen Bordelektronik verstopfen und die Frontscheibe eines Flugzeuges so zerkratzen, dass die Piloten aus der Kanzel keine Sicht mehr haben.

Ein Flug durch den Lavastaub sei "extrem gefährlich", erklärte auch der österreichische Airline-Chef und Ex-Autorennfahrer Niki Lauda: "Das ist wie Hagel - auf eine andere Art."

Für Menschen ist die Asche jedoch eher unbedenklich: "Die Asche ist nur dann für unsere Gesundheit gefährlich, wenn wir wirklich sehr hohe Konzentrationen erhalten würden. Das ist aber hier überhaupt nicht zu erwarten", sagte der Würzburger Geophysiker Bernd Zimanowski. "Da ist nix radioaktiv oder giftig. Das ist nicht toxisch."

Aus den vergangenen 20 Jahren sind 80 Vorfälle belegt, bei denen Flugzeuge durch Vulkanasche beeinträchtigt wurden. Zwei Flugzeuge des Typs Boeing 747 mit jeweils fast 500 Menschen an Bord wären dabei nach Angaben von Experten fast abgestürzt, 20 weitere Flugzeuge erlitten Schäden mit Reparaturkosten von Hunderten Millionen Euro.

Frontscheibe von Vulkanasche sandgestrahlt

1982 machte das Phänomen erstmals Schlagzeilen beim "Vorfall von Jakarta": Eine Maschine der British Airways flog auf dem Weg von London nach Auckland in Neuseeland in 11.000 Meter Höhe in eine Aschewolke des Vulkans Galunggang. Alle vier Triebwerke fielen aus, der Jet segelte zum Entsetzen der Passagiere Richtung Erdboden. Erst in 4100 Meter Flughöhe gelang es der Besatzung, die Motoren wieder zu starten - das Flugzeug musste in Jakarta notlanden. Weil die Asche die Frontscheibe förmlich sandgestrahlt hatte, flogen die Piloten ohne Sicht.

1989 trudelte eine 747 der niederländischen Fluglinie KLM auf dem Flug nach Anchorage im US-Bundesstaat Alaska fünf lange Minuten mit 231 Passagieren an Bord ohnmächtig nach unten: Sie war in eine Aschewolke des Redoubt-Vulkans geraten, der zehn Stunden zuvor in 177 Kilometer Entfernung ausgebrochen war. Nach dem Neustart der Maschinen konnte das Flugzeug sicher in Anchorage landen. Die Reparaturkosten beliefen sich auf knapp 60 Millionen Euro.

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