Vorwurf der Zeugenbeeinflussung:Staatsanwälte ermitteln wieder gegen Berlusconi

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Silvio Berlusconi im Oktober 2013 im Senat.

(Foto: AFP)

Hat Italiens früherer Regierungschef Beweise gefälscht und Zeugen bestochen, um den "Rubygate"-Prozess zu beeinflussen? Die italienische Justiz hat deswegen Ermittlungen gegen Berlusconi aufgenommen. Und gegen etliche andere Verdächtige, darunter auch einige junge Frauen.

Die italienische Justiz hat Ermittlungen gegen Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi sowie dutzende weitere Verdächtige wegen Zeugenbeeinflussung im sogenannten Rubygate-Prozess eingeleitet. Betroffen sind Anwälte des ehemaligen Ministerpräsidenten sowie mehrere junge Frauen, teilte der Staatsanwalt von Mailand, Edmondo Bruti Liberati, mit. Die Untersuchung zielt demnach auf insgesamt 45 Verdächtige.

Ein Gericht in Mailand hatte Berlusconi in dem ursprünglichen Prozess Ende Juni wegen Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauchs in erster Instanz zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Berlusconi 2010 in seiner Villa bei Mailand Orgien veranstaltete und dabei auch die damals 17-jährige Karima El Mahrough alias Ruby Rubacuore (Ruby Herzensbrecherin) für Sex bezahlte.

In der im November veröffentlichten Urteilsbegründung warf das Mailänder Gericht Berlusconi dann auch vor, in dem Verfahren "systematisch" Beweise gefälscht und Zeugen bestochen zu haben, darunter Ruby selbst.

Die Marokkanerin zeigte während zweier Prozesse, zu denen sie als Zeugin geladen war, erstaunliche Erinnerungslücken. So konnte sie dem Staatsanwalt bei einer Verhandlung im Mai 2013 nicht die Frage beantworten, ob sie in einer bestimmten März-Nacht 2010 allein oder mit anderen jungen Frauen in der Berlusconi-Villa übernachtet hatte. Frühere Aussagen in Verhören bezeichnete sie als "Dummheiten". Sie könne es sich nicht erklären, warum sie Wahres und Falsches in ihren Aussagen vermengt habe.

Italiens Ex-Ministerpräsident und die junge Frau hatten stets bestritten, Sex miteinander gehabt zu haben.

© Süddeutsche.de/AFP/feko/leja
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