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Viermastbark "Peking":Der legendäre Frachtsegler kehrt heim

Die 'Peking' kehrt nach 88 Jahren nach Hamburg zurück

Begleitet von dutzenden Schiffen wird die Peking in den Hamburger Hafen geschleppt und vor der Elbphilharmonie gewendet.

(Foto: Bodo Marks/dpa)

Jahrzehntelang moderte die Viermastbark "Peking" im Hafen von New York vor sich hin. Jetzt kommt sie frisch restauriert nach Hamburg zurück, um das Wahrzeichen des neuen Deutschen Hafenmuseums zu werden.

Von Peter Burghardt, Hamburg

Im Morgengrauen hat die Peking abgelegt Richtung Hamburg, sie war lange nicht mehr hier gewesen. Fast 90 Jahre. 1911 lief der Großsegler bei Blohm & Voss vom Stapel und fuhr danach zwei Jahrzehnte lang für die Reederei F. Laeisz auf der Elbe, über den Atlantik und den Pazifik bis nach Chile und zurück, Salpeter abholen. 34 Mal um Kap Hoorn, die stürmische Südspitze Südamerikas, ehe Anfang der Dreißigerjahre eine Odyssee begann. Jetzt, an diesem Montag im September 2020, kehrte die legendäre Viermastbark zurück.

Die Sonne ging gerade auf, als vor der Peters-Werft in Wewelsfleth an der Stör die Leinen gelöst wurden, es ging durch das kleine Sperrwerk auf den großen Fluss, Schlepper brachten die Peking elbaufwärts Richtung Twielenfleth bei Stade. Es war fast wie damals vor bald einem Jahrhundert - das Schiff braucht bei seiner Länge von 115 Metern genügend Wasser. Mit der nächsten Flut ging es dann vorbei an Wedel und Blankenese zur Elbphilharmonie und am Abend begleitet von allerlei Booten zum vorläufigen Liegeplatz am alten Hamburger Hafenmuseum.

Wer hätte das gedacht bis vor ein paar Jahren, die Peking galt ja schon als verloren. In ihren besten Zeiten war sie einer der schnellsten Frachtsegler der Welt, ein Flying-P-Liner. Alle Schiffsnamen jener Flotte begannen mit P, übrig geblieben sind nur vier. Die Pommern liegt in Finnland, die Passat in Travemünde, die Padua ist heute das russische Schulschiff Kruzenshtern. Die Pamir sank 1957 in einem Hurrikan. Die Peking überstand alle Stürme, aber 1932 verkaufte Laeisz das Prachtexemplar für 6250 Pfund Sterling nach England, wo es sich in das Internatsschiff Arethusa für Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen verwandelte und zwischendurch im Krieg als HMS Pekin für die Royal Navy im Einsatz war. 1974 ging es für 70 000 Pfund weiter zum South Street Seaport Museum in New York, unweit der Brooklyn Bridge auf dem East River.

Da moderte der Viermaster gut 40 Jahre am Pier 16 vor sich hin und lief Gefahr, verschrottet zu werden. Bis dieses Manöver seinen Lauf nahm. Jahrelang verhandelten die Stiftung Hamburg Maritim und der Verein "Freunde der Peking" mit den Amerikanern, 2015 war Geld in Sicht: Der Bund spendiert Hamburg 120 Millionen Euro für ein neues Deutsches Hafenmuseum, 38 Millionen Euro davon sollen für die Restaurierung der Peking sein.

Der Originalrumpf konnte gerettet werden

Im Juli 2017 brachte ein Dockschiff den maroden Windjammer über das Meer, seither wurde die Peking in der Peters-Werft in den detailgetreuen Zustand von 1928 versetzt. Die Renovierung hielt freudige Momente bereit, wie den, dass im Betonballast gusseiserne Stücke aus der Vergangenheit auftauchten und sich der stählerne Originalrumpf retten ließ - er wurde verstärkt und gestrichen wie früher: der Teil unter Wasser rot, der am Wasser weiß, der über Wasser schwarz . Im Februar 2020 wurden wieder die gelben Masten montiert, 51 Meter hoch ragen sie vom Deck hinauf, um die Takelage kümmerte sich das Hafenmuseum.

Segeln kann die Peking nicht mehr, aber voraussichtlich von 2021 an darf sie besucht werden, eines Tages dann als Attraktion des neuen Hafenmuseums am Kleinen Grasbrook. Daheim im Hamburger Hafen, wo alles begann.

© SZ/lot

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