USA Obama, Kokain und ein schwuler Professor

Die New York Post sieht die Musterehe zwischen Obama und seiner Frau Michelle "in Gefahr", seit den Enthüllungen hänge der Haussegen schief.

(Foto: dpa)
  • Der Pulitzer-Preisträger David Garrow hat eine neue Biografie über Barack Obama vorgelegt.
  • Darin geht es um Drogen und eine enge Beziehung des Ex-Präsidenten zu einem schwulen Professor.
  • Doch das Buch beschreibt auch, wie früh Obama anfing, seinen Traum vom Weißen Haus zu verfolgen.
Von Sacha Batthyany

Es gibt wahrlich keinen Mangel an Büchern über Barack Obamas Leben. So schrieb etwa der Journalist David Maraniss im Jahr 2010 eine umfassende Biografie des 44. Präsidenten der USA. David Remnick, Chefredakteur des Wochenmagazins The New Yorker, erklärte in "The Bridge", was der erste afroamerikanische Präsident für das Land bedeutet. Und Obama selbst schrieb unter dem englischen Titel "Dreams of my Father" ausführlich über seine Familie, seine Kindheit und seinen Aufstieg.

Diese Woche erscheinen nun weitere 1472 Seiten über Obama, vorwiegend über seine Studienjahre und seine ersten Erfahrungen als Lokalpolitiker in Illinois. Der Pulitzer-Preisträger David Garrow soll neun Jahre am Buch "Rising Star - The Making of Barack Obama" gearbeitet haben, das bereits vor der Veröffentlichung in den USA Wirbel verursachte. Denn Garrow beschäftigt sich auch mit Obamas Liebesleben, zitiert aus damaligen Briefen, erwähnt Obamas Kokainkonsum und eine Freundschaft zu einem homosexuellen Professor in Los Angeles, die "über den Hörsaal hinausreichte".

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In einem Brief an eine Freundin soll Obama erwähnt haben, er hätte eine Affäre mit dem Professor in Erwägung gezogen. "Ich habe mich gefragt, ob ich mir ein Leben als Homosexueller vorstellen könnte", wird Obama in Garrows Buch zitiert.

Kein Wunder also, hat sich Amerikas Boulevardpresse auf das "Skandal- und Sexbuch" gestürzt, wie es bereits genannt wird. Die New York Post sieht die Musterehe zwischen Barack Obama und seiner Frau Michelle "in Gefahr", seit den Enthüllungen hänge der Haussegen schief.

Doch das Buch ist mehr als eine Sammlung von verkaufsfördernden Bettgeschichten über die Sturm-und-Drang-Periode des ehemaligen Präsidenten. Garrow porträtiert den Studenten Obama als jungen Mann, der schon früh daran glaubte, für etwas Größeres bestimmt zu sein - und der jede seiner Entscheidungen im Leben der Vision unterordnete, der erste farbige Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Für Obama war das Weiße Haus mehr als ein Traum, so Garrow. Es war sein Ziel.

Ein erstes Opfer von Obamas politischen Ambitionen wurde die niederländisch-japanische Studentin Sheila Miyoshi Jager, mit der Obama Mitte der Achtzigerjahre zusammenlebte. 1986 soll er um ihre Hand angehalten haben, doch Jagers Eltern seien dagegen gewesen. Ein Jahr später nur habe sich Obama verändert, so wird Jager im Buch zitiert, er sei ehrgeiziger geworden, habe sich immer stärker in den Schwarzenvierteln Chicagos engagiert. "Ich erinnere mich, dass er 1987 bereits das Ziel vor Augen hatte, Präsident zu werden", sagt Jager im Buch. Laut einem damaligen Freund soll Obama befürchtet haben, sein Ansehen als Politiker könnte mit einer weißen Frau an seiner Seite leiden. Nur ein Jahr später verließ Obama Chicago, um an der Eliteuniversität Harvard Jura zu studieren, wo er dann auch seine heutige Frau Michelle Robinson kennenlernte.

Garrows Buch fällt in eine Zeit, in der Obama selbst mit seiner Geschichte beschäftigt ist und um sein politisches Erbe bangt. Er hat gerade in seiner Heimatstadt Chicago die Baupläne für seine Präsidentenbibliothek vorgestellt und will in einem Buch, einem weiteren, die wichtigsten Lehren aus seinen acht Jahren im Weißen Haus niederschreiben. Obama musste in den vergangenen hundert Tagen mitansehen, wie sein Nachfolger viele seiner politischen Errungenschaften rückgängig machte. Zuletzt etwa hat Trump die Abschaffung von Obamas Gesundheitsreform eingeläutet.

In einem seiner raren Auftritte forderte Obama von den Politikern mehr Mut, sich für Kranke und Arme einzusetzen. Zum vermeintlichen Skandalbuch von David Garrow äußerte er sich nicht, dankte aber im Scherz seiner Frau, dass sie jetzt, da er nicht mehr Präsident sei und sie keine Pflicht mehr verspüre, noch immer an seiner Seite stehe.

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