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Unwetter:Bereits mehrere Tote durch Hurrikan "Irma"

  • In der Nacht ist Hurrikan Irma in der Karibik auf Land getroffen. Der Sturm erreichte gegen ein Uhr die Karibikinsel Barbuda.
  • Von dort zog der Hurrikan weiter zu den Inseln Saint-Barthélemy und Saint-Martin, wo er schwere Schäden anrichtete.
  • Irma ist der stärkste Sturm, der jemals über dem Atlantik registriert wurde.
  • Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die betroffenen Gebiete.

Es ist der stärkste Sturm, der jemals über dem Atlantik registriert wurde: Irma, mit der höchsten Hurrikanstufe fünf eingeordnet, ist mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 255 Kilometer pro Stunde auf mehrere Inseln in der Karibik getroffen. Mindestens sieben Personen kamen ums Leben, es gibt viele Verletzte.

Um kurz vor ein Uhr morgens zog der Hurrikan über die Insel Barbuda, meldeten Wetterstationen des US-Hurrikanzentrums der Wetterbehörde NOAA. Dort kam den Behörden zufolge ein Baby ums Leben. Etwa 90 Prozent aller Häuser auf der Insel mit etwa 1800 Einwohnern seien zerstört worden. Barbuda sei nun "kaum bewohnbar". Der Premierminister von Antigua und Barbuda, Gaston Browne, plädierte dafür, sie zu evakuieren, sollte der nachrückende Hurrikan Jose ebenfalls Kurs auf Barbuda nehmen.

Von Barbuda bewegte sich der Hurrikan Irma weiter zu den Inseln Saint-Barthélemy und Saint-Martin, wo er nach Angaben der Pariser Regierung schwere Schäden anrichtete. Die Inseln gehören zu Frankreich und den Niederlanden. Im französischen Teil der Karibikinsel Saint-Martin kamen mindestens vier Menschen ums Leben, mindestens 50 wurden verletzt. Im niederländischen Teil gab es ein Todesopfer. Den Behörden zufolge ist die Bilanz noch nicht endgültig. "Es ist eine große Katastrophe. 95 Prozent der Insel sind zerstört", sagte Daniel Gibbs, Präsident des Territorialrats von Saint-Martin, dem Radiosender RCI.

Etwa anderthalb Stunden verweilte das Auge des als "potenziell katastrophal" eingestuften Sturms über Saint-Barthélemy und Saint-Martin. Der französische Wetterdienst berichtet von heftigen Springfluten. Ganze Küstengebiete seien überschwemmt. Der Sturm habe Dächer von zahlreichen Häusern fortgerissen, der Strom sei zum Teil ausgefallen. Trotz der höchsten Alarmstufe hatten sich etwa 7000 Menschen bis zuletzt geweigert, sich in Sicherheit zu begeben.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte seine Staatsbürger darauf eingestellt, die materiellen Schäden auf den Inseln könnten "erheblich" ausfallen. Er kündigte an, bald in die Überseegebiete reisen zu wollen und rief zudem zu einem verstärkten Kampf gegen den Klimawandel auf: "Von solchen Katastrophen sind Menschen betroffen, die ohnehin in sehr schwierigen Bedingungen leben." Sowohl Frankreich als auch die Niederlande haben Hilfsgüter und Rettungskräfte losgeschickt.

Trügerische Ruhe im Auge des Sturms

Warnungen gab es auch für die Inseln Saba, Sint Eustatius, die Britischen Jungferninseln und die US-Jungferninseln. Insgesamt leben in diesen Gebieten mehr als eine halbe Million Menschen.

In seinem weiteren Verlauf könnte der Sturm noch deutlich mehr Menschen in der Dominikanischen Republik, auf Kuba, Haiti und den Bahamas bedrohen. Hier leben 25 Millionen Bürger. Mehrere Inseln und Küstenregionen wurden bereits evakuiert. Urlauber müssten mit starkem Regen und Wind rechnen, in der Folge könne es zu Überschwemmungen und Erdrutschen kommen, warnte das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für mehrere Karibikstaaten.

In Haiti, das im Oktober vergangenen Jahres vom Hurrikan Matthew schwer getroffen wurde, sei die Bevölkerung noch wenig informiert, meldet die Nachrichtenagentur AFP. Stabile Notunterkünfte gebe es dort so gut wie keine. Etwa 1000 Menschen kamen dort 2016 ums Leben.

In den USA wurden Touristen aufgefordert, die Südwestspitze Floridas einschließlich der Inselkette Florida Keys zu verlassen. Dort könnte Irma am Wochenende aufs Festland treffen. In Miami Beach bereiteten sich die Menschen mit Hamsterkäufen auf den herannahenden Sturm vor. In einem Supermarkt standen ganze Regalreihen leer.

USA bereiten sich auf Irma vor - und fürchten bereits Hurrikan José

US-Präsident Donald Trump rief für Florida, Puerto Rico und die Amerikanischen Jungferninseln den Notstand aus. Die Erklärung erlaubt dem US-Heimatschutzministerium und der Bundesbehörde Fema, mit der Koordinierung der Katastrophenhilfe zu beginnen. Der internationale Flughafen von Key West plant, den Betrieb einzustellen. Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, sagte dem Sender ABC, der Sturm könnte der schlimmste werden, dem der Staat je ausgesetzt gewesen sei.

Unterdessen warnt das US-Hurrikanzentrum bereits vor einem weiteren Wettersystem, das sich direkt hinter Irma befindet: Der Tropensturm José könne sich zu einem Hurrikan entwickeln und am Wochenende die von Irma betroffenen Inseln erreichen. Die Windgeschwindigkeiten des Hurrikans erhöhten sich bereits auf fast 95 Kilometer pro Stunde.

Wer bereits für die kommenden Tagen einen Flug in die betroffenen Gebiete gebucht hat, kann diese bei den Reiseveranstaltern in der Regel kostenlos stornieren oder umbuchen.

© SZ.de/dpa/AP/lot/ick/stein/bemo/vbol/eca

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