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Trockenperiode im Westen der USA:"Ernsthafte Dürre - spart Wasser!"

In Kalifornien werden die Menschen sogar auf der Autobahn daran erinnert, dass sie Wasser sparen sollen.

(Foto: AP)
  • Im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien geht das Wasser aus: Städte, Behörden und Bürger sollen nun 25 Prozent des Verbrauchs einsparen.
  • Gouverneur Jerry Brown will Mitte April einen detaillierten Plan vorlegen. Er soll vor allem die urbanen Regionen im Silicon Valley und im Großraum Los Angeles betreffen.
  • Schon jetzt ist klar: Wer nicht auf die Aufforderung reagiert, dem drohen harte Strafen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Selbst beim Autofahren sollen die Menschen an die Dürre denken

Es gibt auf dem Highway 110 in Los Angeles diese altertümlichen Anzeigetafeln mit den orangenen Lämpchen, die dem Fahrer prognostizieren, wie lange die Fahrt nach Downtown noch dauert. Bisweilen wird auch an die Anschnallpflicht ("Click it - or Ticket!") oder das SMS-Verbot (Don't text and drive!") erinnert, immer wieder ist die Aufforderung zu lesen, offensichtlich betrunkene Verkehrsteilnehmer der Polizei zu melden. Seit einigen Tagen steht jedoch auf beinahe allen Tafeln: "Ernsthafte Dürre - spart Wasser!"

Die Menschen in Kalifornien sollen selbst beim Autofahren daran denken, dass der amerikanische Bundesstaat gerade die wohl schlimmste Dürre in der Geschichte erlebt, die Notwendigkeit des Wassersparens soll im kollektiven Bewusstsein verankert werden. In Fernsehwerbungen wird den Menschen erklärt, dass das Wasser nicht aus dem Hahn oder dem Schlauch kommt, sondern aus den Reservoirs im Norden und Osten. Nur: Diese Vorräte sind aufgebraucht, weil es seit Jahren nicht mehr regnet oder schneit - es könnte durchaus passieren, dass bald kein Wasser mehr aus dem Hahn oder dem Schlauch kommt. Auch hier die eindeutige Botschaft: Spart Wasser!

Erneut wird ein Trockenheitsrekord gemessen

Das berühmte Lied von Albert Hammond, "It Never Rains in Southern California", das stimmt tatsächlich; auch in diesem Winter wurde ein neuer Trockenheitsrekord gemessen - der alte stammt aus dem Jahr zuvor. Die Lage ist dramatisch, Gouverneur Jerry Brown hat bereits im vergangenen Jahr den Notstand ausgerufen und die Bewohner dazu aufgefordert, den Wasserverbrauch um 20 Prozent zu senken. Freiwillig. Das ist natürlich gar nicht so einfach in einem Land, das sich auch über Verschwendung und Überfluss definiert.

Wer damals von Süden aus in Richtung Innenstadt fuhr, der sah nicht nur Anzeigetafeln, sondern auch einen Golfplatz mit saftigem Rasen - und eine Bewässerungsanlage, die kräftig Wasser verteilte. In Restaurants wurde auch weiterhin, das gehört zum gastronomischen Selbstverständnis, jedem Gast ein Glas Wasser hingestellt. Die Menschen wuschen ihre Autos, gossen ihre Pflanzen und bespritzten ihre Einfahrten und Bürgersteige. Die Einsparungen durch freiwillige Einschränkung betrugen im Jahr 2014 nicht einmal neun Prozent.

Vor allem Los Angeles und das Silicon Valley sind betroffen

Nun hat Brown während seiner vierten und letzten Amtszeit als Gouverneur drastischere Maßnahmen ergriffen. Er würde ja gerne in die Geschichte eingehen als der Politiker, der Kalifornien eine schnelle Bahnverbindung zwischen Los Angeles und San Francisco ermöglicht hat oder als Pionier erneuerbarer Energien - doch keinesfalls als der, unter dessen Führung der Bundesstaat ausgetrocknet ist. Er hat also angeordnet, dass Städte und Gemeinden ihren Wasserverbrauch um 25 Prozent reduzieren müssen.

Die Speicher im San Pablo Reservoir bei El Sobrante sind nur noch halb voll.

(Foto: AP)

"Die Welt hat sich verändert, also müssen wir uns auch verändern", sagt Brown: "Die Vorstellung, dass da jeder einen netten kleinen Rasen vor der Haustür hat, den er jeden Tag bewässern darf, ist eine Sache der Vergangenheit." Einen detaillierten Plan wolle er Mitte April vorstellen, er soll vor allem die urbanen Regionen im Silicon Valley und im Großraum Los Angeles betreffen. Diese beiden Bezirke muss man sich vorstellen wie zwei riesige Schwämme, die selbst kaum über natürliche Wasserreservate verfügen, jedoch immer größer und durstiger werden und damit die Reservoirs leersaugen.

Seit der Ankündigung wird nun debattiert, wie der Bundesstaat seine Bewohner dazu verpflichten kann, Wasser zu sparen. Natürlich, das hat Brown bereits angekündigt, kann der Konsum von staatlichen Einrichtungen wie Universitäten eingeschränkt werden. Dazu sollen Grasflächen von mehr als 1100 Fußballfeldern durch dürreresistente Pflanzen ersetzt werden. Öffentliche Parks sollen künftig mit Kunstrasen ausgestattet werden. Das ist nicht unbedingt schön, spart aber Wasser.

1977 und 1990 wurden gar Gefängnisstrafen verhängt

"Jeder muss etwas tun", sagt Brown: "Und jeder kann etwas tun." Diese Aufforderung richtet sich an den Rockstar, der in den Hollywood Hills auch weiterhin seinen überdimensionalen Garten bewässern will und diesen Rasen stolz in Reality Shows zeigt. An die Mitglieder von Golfclubs, die unbedingt auf prächtigem Grün spielen wollen. Und an jeden, der weiter seinen Rasen gießt, weil das schöner aussieht. Kann man die womöglich ins Gefängnis schicken? Das passierte in den Jahren 1977 oder 1990, als schon einmal das Wasser knapp wurde und Verschwender mit hohen Geldstrafen belegt oder einem Monat hinter Gittern bestraft wurden - oder ihnen zur Warnung einfach mal das Wasser abgedreht wurde.

Californians Turn To Artificial Lawns During Major Drought

Die Menschen in Kalifornien sollen auf echtes Gras verzichten und in ihren Gärten lieber Kunstrasen verlegen.

(Foto: AFP)

"Solche Maßnahmen könnte es durchaus wieder geben, wenn die Lage noch schlimmer wird", sagt Doug Carlson von der kalifornischen Wasserbehörde. Zunächst aber will es Brown mit finanziellen Anreizen versuchen: Wer sein Haus mit einem wassersparenden System ausstattet, der soll Rabatte bekommen - wer jedoch viel Wasser benötigt, der soll über eine Änderung des Tarifsystems eine Menge Geld dafür bezahlen müssen. Brown hat bemerkt: Dieses Land funktioniert nicht über Vernunft, es funktioniert über Geld.

Natürlich gäbe es auch einen einfacheren Weg, mit der Dürre umzugehen: Wenn man es einfach regnen lassen könnte. Der Rat der amerikanisch-islamischen Beziehungen in Kalifornien hat deshalb angekündigt, in den Moscheen Salatul Istisqa aufzuführen - den traditionellen Regentanz. Allerdings haben sie das auch schon vor einem Jahr getan. Ohne Erfolg.

© sz.de/mest

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