bedeckt München

Rheinland-Pfalz:Amokfahrer von Trier fuhr mit 81 km/h durch die Fußgängerzone

Nach der Amokfahrt in Trier

Menschen gedenken bei einer Schweigeminute der Opfer der Amokfahrt von Trier.

(Foto: Harald Tittel/dpa)

Das ergibt eine Auswertung der Polizei, die noch weitere Details zu der Tat in Trier veröffentlichte. Die Zahl der Verletzten hat sich auf 24 erhöht.

Nach der Amokfahrt in Trier mit fünf Toten ist das Motiv für die Tat weiterhin unklar. Der Tatverdächtige habe bei den bisherigen Vernehmungen keine klaren Angaben dazu gemacht, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Freitag in Mainz bei einer Sondersitzung des Landtagsinnenausschusses. Ein politischer oder religiöser Hintergrund sei nach bisherigen Ermittlungen auszuschließen. Bei der Vernehmung habe der 51-Jährige "widersprüchliche und teilweise nicht nachvollziehbare Angaben" gemacht. Relevante Vorerkenntnisse zu dem Beschuldigten hätten den Behörden nicht vorgelegen.

Der Tatverdächtige war nach bisherigen Erkenntnissen mit einem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gefahren. Dabei soll er mit durchschnittlich 81 Stundenkilometern unterwegs gewesen sein. Das habe eine Wegzeitberechnung anhand von sichergestellten Videos für diesen Teil der Strecke ergeben, sagte ein Sprecher der Polizei. Das schließe nicht aus, dass der Mann an anderer Stelle noch schneller gewesen sei. Innenminister Lewentz zufolge hatte er bei der Fahrt gezielt Menschen überfahren. Unter den Opfern ist auch ein Kleinkind. Der Mann, der zur Tatzeit betrunken war, sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem mehrfacher Mord vorgeworfen.

Die Zahl der Verletzten erhöhte sich unterdessen auf 24. "Es haben sich nachträglich noch Leute gemeldet", sagte der Polizeisprecher. Dabei handele es sich um Menschen, die nach der Tat nicht in einem Krankenhaus waren und erst später zum Arzt gegangen seien. Die Zahl der Schwerverletzten sei bei sechs geblieben. Zuletzt war von 18 Verletzten die Rede gewesen.

"Er sah den Einsatzkräften grinsend entgegen"

Nach der Amokfahrt habe der mutmaßliche Täter nach Angaben der Polizei das Auto abgestellt und eine Zigarette geraucht. Beamte hätten den 51-Jährigen stehend am Heck des Wagens angetroffen, berichtete der Polizeivizepräsident von Trier, Franz-Dieter Ankner. "Dort sah er den Einsatzkräften grinsend entgegen." Die Beamten hätten ihn dann überwältigt und festgenommen.

In dem Auto habe die Polizei scharfe Munition gefunden. Es sei aber bislang keine passende Waffe entdeckt worden, sagte Ankner. Weil sich Kartons im Wagen befanden, seien Sprengstoffexperten eingeschaltet worden, die dann aber Entwarnung gegeben hätten. Es gebe weiter keine Hinweise auf Mittäter oder Unterstützer für die Tat.

Nach Ankners Worten gilt der in Trier geborene 51-Jährige als Einzelgänger. Er sei kinderlos und ledig. Der Deutsche sei nach den bisherigen Erkenntnissen arbeitslos und zuletzt auch ohne festen Wohnsitz gewesen. Er habe offenbar in dem Wagen übernachtet. Es habe keine Einträge in polizeiliche Register oder die des Staatsschutzes gegeben. Der Geländewagen, der für die Tat benutzt wurde, sei dem Mann von einem Bekannten aus Gefälligkeit überlassen worden.

Innenminister Lewentz regte in der Sitzung eine bundesweite Arbeitsgruppe zur Früherkennung solcher Gefahren an. Es gehe darum, Anhaltspunkte für eine Planung und Vorbereitung von Amokfahrten und Anschlägen früher wahrzunehmen. "Ich habe diese Thematik zur Erörterung der Innenministerkonferenz nächste Woche eingebracht." Lewentz erinnerte an vergleichbare Gewalttaten in Münster, Bottrop und Volkmarsen. Gleichzeitig sei "ein absoluter Schutz vor irrational handelnden Einzeltätern leider nicht möglich. So schwer es einem Innenminister fällt, so etwas sagen zu müssen."

© SZ/dpa/mkoh/afis
Zur SZ-Startseite
Trier trauert am Mittwoch 02.12.2020) in der FussgâÄ°ngerzone um die Opfer der Amokfahrt vom Vortag. Nach der Amokfahrt in

MeinungKriminalität
:Das quälende Warum

Verwirrter Einzeltäter, psychisch krank: So heißt es häufig nach Gewaltverbrechen wie dem von Trier. Als wäre das eine Information von Wert. Dabei gibt eine etwaige Diagnose nur selten eine Antwort auf das Warum.

Kommentar von Barbara Vorsamer

Lesen Sie mehr zum Thema