Nach Tod von schwarzem Teenager in USA Journalisten bei Protesten festgenommen

Schwerbewaffnete Polizisten gehen in Ferguson gegen die Demonstranten vor.

(Foto: REUTERS)

Michael Brown wurde von der Polizei in Ferguson unter ungeklärten Umständen erschossen. Nun gehen Sicherheitskräfte hart gegen Demonstranten vor, die gegen seinen Tod auf die Straße gehen. Zwei Journalisten werden vorübergehend festgenommen.

  • In der vierten Nacht in Folge kommt es nach dem Tod des unbewaffneten schwarzen Teenagers Michael Brown in der US-Kleinstadt Ferguson zu Ausschreitungen. Die Polizei geht mit Tränengas und Rauchbomben gegen die Protestierenden vor.
  • Zwei Journalisten, die über die Demonstrationen berichten, werden kurzzeitig festgenommen.
  • Die Hackergruppe Anonymous veröffentlicht einen Mitschnitt des Polizeifunks aus der Nacht, in der Brown starb.

Polizei geht hart gegen Demonstranten vor

Schwer bewaffnet, in dicken Schutzwesten und Tarnanzügen, tritt die Polizei von Ferguson den vierten Abend in Folge Hunderten Demonstranten entgegen. Am Mittwochabend setzten die Sicherheitskräfte Tränengas und Rauchbomben ein, um die Demonstration auseinanderzutreiben. Augenzeugen berichten von Gummigeschossen, die auf die Protestierenden gefeuert wurden. Nach Polizeiangaben warfen Aktivisten Molotowcocktails und versuchten, Beamte anzuzünden. In einer Geste des Protests hielten einige Demonstranten die Arme über den Kopf und skandierten "Hände hoch! Nicht schießen!", wie der Sender Fox News berichtet.

Ein 19-Jähriger, der bei Protesten in der vorangegangenen Nacht von Polizisten angeschossen wurde, schwebt in einem Krankenhaus in Lebensgefahr.

Empörung über Festnahme von Journalisten

Zwei Journalisten, die über die Proteste berichteten, wurden am Mittwochabend vorübergehend festgenommen. Die Reporter von Washington Post und Huffington Post wurden wenig später aber wieder freigelassen. Wesley Lowery, der für die Washington Post schreibt, berichtet in eindrücklichen Worten über seine Festnahme.

Seinen Schilderungen zufolge hielten sich sein Kollege Ryan Reilly und er in einem McDonald's auf, wo sie arbeiteten und ihre Mobiltelefone luden. Plötzlich erschienen Polizisten in dem Fastfood-Lokal, die die beiden Journalisten nach einer kurzen Diskussion ohne erkennbaren Grund fesselten und abführten. Lowery schreibt: "'Meine Hände sind auf meinem Rücken', sagte ich. 'Ich leiste keinen Widerstand. Ich leiste keinen Widerstand.' An dem Punkt sagte ein Beamter: 'Sie leisten Widerstand. Hören Sie auf damit.' Da hatte ich am meisten Angst - mehr Angst als vor Tränengas und Gummigeschossen."

Ein leitender Redakeur des Blattes, Martin D. Baron, verlieh seiner Empörung über das Vorgehen der Polizei Ausdruck: "Das Verhalten war völlig unbegründet und ein Angriff auf die Berichterstattungsfreiheit der Presse."

Auslöser der Proteste: der Tod von Michael Brown

Am Samstagabend wurde der schwarze, unbewaffnete 18-jährige Michael Brown unter ungeklärten Umständen von einem Polizisten erschossen. Nach Polizeiangaben handelte der Beamte aus Notwehr, da ihn der Jugendliche attackiert und nach seiner Waffe gegriffen hatte. Ein Zeuge berichtete hingegen, der Polizist habe ihn und Brown angesprochen und sich ihnen dann mit vorgehaltener Waffe genähert. Brown habe sich mit erhobenen Händen umgedreht und sei von mehreren Schüssen niedergestreckt worden. Der Tod des Teenagers hat heftige Proteste ausgelöst, die an den Fall Trayvon Martin erinnern.

Anonymous veröffentlicht Aufzeichnung von Polizeifunk

Personen, die zum Hacker-Netzwerk Anonymous gehören, haben einen ausführlichen Mitschnitt des Polizeifunks aus der Nacht veröffentlicht, in der Michael Brown erschossen wurde. Darin ist zu hören, wie Polizisten über den Zwischenfall diskutieren - viel zusätzliche Klarheit verschaffen die Tonaufnahmen jedoch nicht.

Allerdings stammt die Aufzeichnung aus dem einige Kilometer entfernten St. Louis, nicht von der Polizei in Ferguson. Diese hält sich mit Informationen bislang zurück. Sie hat bisher weder Funksprüche noch den Namen des Beamten veröffentlicht, der Brown erschossen hat. Die Aktivisten werfen der Polizei vor, den umstrittenen Fall verschleiern zu wollen. Die Polizei von St. Louis hat zur Veröffentlichung des Clips Ermittlungen eingeleitet.

Linktipp:

Mit der Kampagne #IfTheyGunnedMeDown werben Afroamerikaner um Bewusstsein für rassistische Stereotype in den Medien.