Montag, 10. Oktober
Um 15:35 Uhr wird Dschaber al-Bakr von einem Spezialeinsatzkommando in die Justizvollzugsanstalt in der Leipziger Leinestraße gebracht. In dem Gefängnis sind ausschließlich Männer untergebracht, es gibt 397 Haftplätze, 49 Plätze im offenen Vollzug sowie ein angeschlossenes Krankenhaus mit 70 Betten.
Die Anstaltsleitung ist informiert, dass von al-Bakr eine Gefahr für andere ausgeht - und dass möglicherweise Suizidgefahr besteht. Der Ermittlungsrichter hat entsprechende Hinweise gegeben, nachdem al-Bakr in ersten Gesprächen die Absicht geäußert hatte, die Nahrungsaufnahme verweigern zu wollen.
Nach der Ankunft wird geprüft, welche Sicherungsmaßnahmen für al-Bakr notwendig sind, es kommt zu einem ersten Gespräch, das sich aber schwierig gestaltet, da kein Dolmetscher anwesend ist.
Al-Bakr bekommt die Anstaltskleidung ausgehändigt: Unterwäsche, Jogginghose - und das T-Shirt, an dem er sich zwei Tage später erhängen wird.
Dann wird er von Mitarbeitern der JVA belehrt. Tiefergehend sei das nicht möglich gewesen, sagt Anstaltsleiter Jacob, aufgrund der Verständigungsschwierigkeiten. Der Häftling habe aber ruhig und sachlich gewirkt. Hinweise auf "emotionale Ausfälle" habe es nicht gegeben.
Der stellvertretende Anstaltsleiter entscheidet, dass al-Bakr in seiner Zelle alle 15 Minuten kontrolliert werden soll. Es ist das kürzestmögliche Intervall für einen Häftling, bei dem keine akute Suizidgefahr besteht. Bei einer Kontrolle wird die Zellentür geöffnet und die Wachleute blicken durch das Zwischengitter in den Haftraum.
Al-Bakr wird in Zelle 144 gebracht. Weil von ihm eine Gefahr für andere ausgehen könnte, wird er allein untergebracht - und sein Haftraum hat zusätzlich zur Tür ein Zwischengitter, das es ihm erschweren soll, das Personal anzugreifen.