bedeckt München 21°

Suizid von Dschaber al-Bakr:De Maizière fordert "schnelle und umfassende Aufklärung"

So reagieren Politiker auf den Suizid des Terrorverdächtigen al-Bakr in der JVA Leipzig.

Der terrorverdächtige Syrer Dschaber al-Bakr hat sich das Leben genommen. In seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Leipzig wurde der 22-Jährige am Mittwoch tot aufgefunden, nachdem er Sonntagnacht als Terrorverdächtiger verhaftet worden war.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte im ZDF-"Morgenmagazin": "Das, was da gestern Nacht passiert ist, verlangt nun wirklich nach schneller und umfassender Aufklärung der örtlichen Justizbehörden." Der Tod des Syrers erschwere natürlich die Ermittlungen nach den möglichen sonstigen Beteiligten und Hintermännern der Anschlagspläne, fügte de Maizière hinzu. Gleichzeitig warnte der Bundesinnenminister vor Spekulationen. Seiner Ansicht nach solle nun der Generalbundesanwalt zu dem Fall ermitteln können. Eine "Durchstecherei von einzelnen Aussagen" sei da nicht hilfreich.

Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz hat den Fall als "Fiasko für die sächsische Justiz" bezeichnet. Dass eine so wichtige Informationsquelle und ein so wichtiger Zeuge "sich erhängen konnte, wirft auf jeden Fall ein sehr, sehr schwieriges Licht auf die Justiz in Sachsen", sagte er dem Deutschlandfunk am Donnerstagmorgen. Wie de Maizière warnte er vor Spekulationen: Zunächst müsse die sächsische Justiz zu Wort kommen.

Andere Politiker reagierten fassungslos auf die Todesnachricht. "Wie konnte das geschehen?", fragte der Grünen-Politiker Volker Beck auf Twitter.

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) fragt: "Was ist da los?!)

Ähnlich äußerte sich der SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs: "Was ist denn schon wieder in Sachsen los? Irre."

Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen kommentierte, er sei "sprachlos".

Grünen-Haushaltspolitiker Tobias Lindner fragte: "Wie kann jemand, der angeblich unter ständiger Beobachtung stehen soll, erhängt aufgefunden werden?"

Katja Meier, die für die Grünen im Sächsischen Landtag sitzt, kommentierte: "Wenn ein unter Dauerbeobachtung stehender Terrorist offenbar Suizid begeht, dann läuft in sächs. JVA gewaltig was schief."

Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, verlangte im Sender SWR Info rasche Aufklärung. Man dürfe sich nicht viel Zeit lassen, die Bevölkerung zu informieren. Mit Blick auf Kritik, dass al-Bakr trotz Suizidgefahr offensichtlich nicht unter ständiger Beobachtung stand, sagte Wendt, es sei erst einmal zu klären, was man unter ständiger Beobachtung verstehe: "Da steht natürlich nicht ein Beamter neben dem Bett und passt auf jeden Handgriff auf. Das würde in der Tat gegen die Menschenwürde verstoßen."

Al-Bakr war Anfang 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Am Samstag fand die Polizei in seiner Wohnung große Mengen Sprengstoff, am Tag darauf setzten drei Syrer ihn fest, nachdem sie dem Flüchtigen einen Schlafplatz angeboten hatten.

Dschaber al-Bakr Al-Bakrs Anwalt: Suizidgefahr war offensichtlich

Terrorverdacht in Chemnitz

Al-Bakrs Anwalt: Suizidgefahr war offensichtlich

Bevor er sich das Leben nahm, trat der Terrorverdächtige in den Hungerstreik. Außerdem habe al-Bakr in seiner Zelle randaliert, sagt sein Anwalt.   Von Benedikt Peters