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Tierschutzbericht:Bundesregierung will Stubenarrest für unkastrierte Katzen

Katze am Fenster

Hauskatzen droht Kastration oder Stubenarrest

(Foto: dpa)
  • CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat den Tierschutzbericht für das Jahr 2015 vorgelegt.
  • Darin geht er auf eine Ermächtigung für die Landesregierungen ein, die eine Kastrationspflicht für Haus- und Hofkatzen mit Freigang erlaubt. Eine Durchführung könnte für Katzenbesitzer bedeuten: Kastrieren oder drinnen lassen.

Stubentiger, Obacht! Es könne "erforderlich sein, den unkontrollierten freien Auslauf fortpflanzungsfähiger Haus- und Hofkatzen für einen bestimmten Zeitraum zu beschränken oder zu verbieten". Das steht im neuen Tierschutzbericht der Bundesregierung. Heißt im Klartext: Unkastrierte Katzen sollen drinnen bleiben - oder müssen kastriert werden.

In Deutschland nähmen Kolonien herrenloser, verwilderter Katzen zu, heißt es weiter in dem Bericht, der am Mittwoch vorgelegt wurde. Das Problem sei regional unterschiedlich groß. Die einzelnen Bundesländer müssen daher entscheiden, ob sie den Stubenarrest verhängen wollen oder nicht. In das Tierschutzgesetz wurde dafür schon 2013 eine Ermächtigung für die Landesregierungen eingefügt. Wenn sie davon Gebrauch machten, entspräche die Regelung "de facto einer Kastrationspflicht für Haus- und Hofkatzen mit Freigang".

NRW beschließt: eine halbe Million für Kastration

Nordrhein-Westfalen hat bereits entschieden und kommt offenbar zu dem Schluss, dass das Land besonders stark betroffen ist. Die Mittel für die Kastration freilaufender Katzen sollen auf 536 000 Euro verdoppelt werden - so steht es im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr.

Was zunächst absurd klingt, hat durchaus seine Berechtigung: In NRW beispielsweise verursachten Straßenkatzen im vergangenen Jahr Schäden in Flora und Fauna von etwa einer halben Million Euro - die Summe, also, die jetzt für die Bekämpfung des Problems aufgewendet werden soll. Im Mai dieses Jahres wurde dort außerdem ein Katzentötungsverbot erlassen. Trotzdem seien im vergangenen Jahr 1400 Katzen getötet worden, sagt der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Martin-Sebastian Abel. Dies sei keine Lösung. Für das Verbot gelten Ausnahmeregelungen - etwa zum Schutz von Vögeln.

In ganz Deutschland leben und streunen Millionen herrenlose Katzen. Sie richten nicht nur Schäden an und vermehren sich munter weiter, sondern leiden auch selbst: Die domestizierten Tiere werden ohne medizinische Versorgung wie zum Beispiel Impfungen leicht krank - und die Krankheiten breiten sich in freier Wildbahn umso schneller aus.

© SZ.de/dpa/tamo/jana/rus
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