Plage in Israel:Katzen raus!

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Zwei Millionen Katzen sollen auf Israels Straßen herumstreunen. Der Landwirtschaftsminister will die Tiere ins Ausland deportieren.

Von Peter Münch

"Seid fruchtbar und mehret euch", heißt es im 1. Buch Mose, und diese Devise wird in Israel bis heute hochgehalten. Doch neben dem Kinderreichtum hat das Gebot dem Land auch einen beträchtlichen Katzenreichtum beschert.

Die meisten streunen durch die Straßen, zwei Millionen angeblich. Man sieht sie überall, man riecht sie überall - und um ihrer Herr zu werden, hat Israels Landwirtschaftsminister Uri Ariel sich mit einem extravaganten Plan hervorgetan: der Deportation der Katzen ins Ausland.

Tierschützer drohen mit dem Obersten Gerichtshof

Natürlich will er nur das Beste für sie, der Minister von der nationalreligiösen Siedlerpartei Jüdisches Heim sucht nach Alternativen zur Sterilisation, weil die ihnen ihr gottgegebenes Recht auf Mehrung nimmt. Doch bevor Ariel ein Zweitland für die Katzen suchen konnte, hat sich ein Sturm aus Wut und Spott erhoben. Tierschützer drohten mit dem Gang zum Obersten Gerichtshof - weniger wegen des Heimatverlusts der Katzen, sondern wegen der drohenden Hungersnot, wenn ohne Sterilisation immer mehr Tiere umherstreunen.

Alternativen zur Sterilisation

Also ist der Minister nun zurückgerudert: keine Deportation mehr - aber zur Sterilisation will Ariel auch nicht zurückkehren. Die dafür im Etat des Ministeriums vorgesehenen rund eine Million Euro sollen stattdessen in die Forschung fließen, um Alternativen zu entwickeln. Die Katzen also haben erst mal Ruhe.

Der Minister hätte sich einiges an Ärger ersparen können, wenn er bei Mose einfach weitergelesen hätte. Dort steht direkt nach dem Fruchtbarkeitsgebot geschrieben: "Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden."

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