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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Klopsiger Kakapo siegt

Sinbad the male Kakapo Strigops habroptilus curiously peering from the bushes during the day Cod
(Foto: imago images / Nature Picture Li)

Wie der dickste und seltsamste Papagei der Welt sich gegen einen Flugkünstler und einen Vielvögelvogel durchsetzt - und so beweist, dass auch ein irgendwie zu gutmütiges Wesen ein Sieger ist.

Von Titus Arnu

Er kann nicht fliegen, wiegt bis vier Kilogramm und mieft nach Moos: Der Kakapo gilt als dickster und seltsamster Papagei der Welt. In der Sprache der Maori bedeutet Kakapo "Nacht-Papagei". Der in Neuseeland lebende Bodenbrüter versteckt sich tagsüber im Gebüsch, nachts pickt er Körner und Früchte, klettert auf Bäume und gleitet wie ein übergewichtiger Fallschirmspringer auf den Boden zurück. Gegen Raubtiere kennt der grün gefiederte Kakapo nur eine Verteidigungsstrategie: Er tut so, als wäre er ein Busch.

So blöd sind Katzen, Marder und Ratten aber nicht, sie können einen klopsigen Vogel von einem Busch unterscheiden, weshalb der Kakapo vom Aussterben bedroht ist. 1994 gab es nur noch 47 Exemplare, inzwischen sind es wieder 213. Gerade wurde das "mächtige Mooshuhn", wie der Kakapo auch genannt wird, in Neuseeland zum Vogel des Jahres gewählt, zum zweiten Mal nach 2008. Die Nachricht macht Mut: Auch ein leicht übergewichtiges, ungewollt komisches und irgendwie zu gutmütiges Wesen kann ein Sieger sein.

Der Kakapo ist ein Sympathieträger, obwohl sein Geruch "an das Innere eines Klarinettenkoffers erinnert", wie die Sprecherin des Wettbewerbs sagt. Unter den Kandidaten waren Flugkünstler wie der Albatros und Sexprotze wie der winzige Hihi (deutsch: Stichvogel). Der hyperaktive Vielvögelvogel, der polyamorös lebt, lag lange gut im Rennen. Dann kam heraus, dass ein Sexspielzeug-Laden 1500 Fake-Stimmen abgegeben hatte. Wahlbetrug! Der Kakapo trug den Sieg davon. Haha, Hihi! Wie bei der US-Wahl gilt: Der Lauteste ist eben nicht immer der Beliebteste.

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© SZ/afis

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