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Texas:Lizenz zum Töten eines seltenen Nashorns versteigert

An endangered east African black rhino and her young one walk in Tanzania's Serengeti park in this file photo

Zum Abschuss freigegeben: ein Spitzmaulnashorn in Namibia. (Das Archivbild zeigt ein Tier mit seinem Jungen im Serengeti-Nationalpark in Tansania.)

(Foto: REUTERS)

Umstrittene Auktion: Für 350.000 US-Dollar erwirbt ein unbekannter Jäger in Texas das Recht, in Namibia ein Exemplar der stark gefährdeten Spitzmaulnashörner zu töten. Tierschützer empört vor allem die Begründung für die Versteigerung.

Das Spitzmaulnashorn zählt zu den stark bedrohten Tierarten dieser Welt. Fünf der acht anerkannten Unterarten sollen bereits ausgestorben sein - laut Weltnaturschutzunion IUCN, die die Rote Liste gefährdeter Tierarten veröffentlicht, gab es Ende 2010 noch 4880 Exemplare der Gattung Diceros bicornis.

Auch deshalb ist die Empörung von Tierschützern über eine Auktion des Dallas Safari Clubs im US-Bundesstaat Texas so groß. Dort haben die Verantwortlichen am Samstag eine Jagdlizenz zur Tötung eines Spitzmaulnashorns für 350.000 US-Dollar (etwa 257.000 Euro) versteigert. Der Höchstbietende darf nun im südafrikanischen Staat Namibia eines der seltenen Tiere abschießen. Zwar versichert der Veranstalter, der Erlös würde in Maßnahmen zum Schutz der bedrohten Tierart investiert - doch den Zorn der Naturschützer mindert das nicht.

Im Gegenteil. Die Versteigerung musste unter enormen Sicherheitsmaßnahmen stattfinden. Etwa 40 Demonstranten protestierten lautstark gegen die Auktion. Zudem gibt es Morddrohungen gegen die Mitglieder des Jagdvereins. "Da ist ziemlich verrücktes Zeug darunter", sagte der Direktor des Klubs, Ben Carter. In einigen E-Mails sei ihm gedroht worden, für jedes getötete Nashorn werde ein Mitglied seines Vereins getötet.

Carter verteidigte das Vorgehen des Dallas Safari Clubs. Der eigentliche Gewinner der Auktion sei nämlich das Spitzmaulnashorn selbst. Denn das abzuschießende Tier sei alt, männlich und deshalb zum Abschuss freigegeben, weil es aggressiv sei und eine Drohung für seine jüngeren Artgenossen darstelle. Das Töten eines Tieres sei in diesem Fall ein Beispiel von aktivem Lebensraum-Management.

Tierschützer halten dagegen und bezeichneten die Begründung als "pervers" und einen "schlechten Witz". Jeffrey Flocken vom International Fund for Animal Welfare (Ifaw) sagte: "Diese Auktion zeigt, dass ein Amerikaner bereit ist, jeden Preis dafür zu zahlen, ein Nashorn zu erlegen." Aus dem Töten eines bedrohten Tieres werde ein Spektakel gemacht. Mehrere zehntausend Tierfreunde haben im Internet Online-Petitionen gegen das Vorhaben unterschrieben (zum Beispiel hier).

In den 1960er Jahren gab es in Afrika noch etwa 70.000 Spitzmaulnashörner. Doch Wilderer brachten die Gattung an den Rand der Ausrottung. Sie haben es vor allem auf die Hörner der Tiere abgesehen, die in der traditionellen chinesischen Medizin gefragt sind und denen eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt wird. Von den knapp 5000 Exemplaren, die es derzeit weltweit noch geben soll, leben nach Angaben des Safari Clubs knapp die Hälfte in Namibia.

Dort vergibt die Regierung jedes Jahr fünf Jagdlizenzen für Spitzmaulnashörner. Die Lizenz, die nun in den USA versteigert wurde, war jedoch die erste, die außerhalb Namibias unter den Hammer kam.

Den Eintrag zum Spitzmaulnashorn in der Roten Liste gefährdeter Tierarten finden Sie hier.

© Süddeutsche.de/AFP/tob/bero
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