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Tamir Rice:Keine Anklage gegen Polizisten, der Zwölfjährigen erschoss

Binnen zwei Sekunden schoss der Polizist auf Tamir Rice.

(Foto: AP)
  • Gegen den Polizisten, der den zwölfjährigen Tamir Rice erschoss, wird keine Anklage erhoben.
  • Der Staatsanwalt bezeichnete den Tod des Jungen als "entsetzlich, unglücklich und bedauernswert". Die Tötung sei jedoch keine Straftat.
  • Die Familie von Rice sagte in einer Mitteilung, dass sie die Entscheidung bedauert, davon aber nicht überrascht wurde.

Der weiße Polizist, der im November 2014 ein zwölfjähriges Kind in Cleveland erschoss, muss sich keinem Strafprozess stellen. Zu diesem Urteil kam eine aus Schöffen bestehende Grand Jury.

Der Mann hatte die Spielzeugpistole von Tamir Rice fälschlicherweise für eine echte Waffe gehalten. Der Staatsanwalt nannte den Tod des Jungen eine "absolute Tragödie", die "entsetzlich, unglücklich und bedauernswert" sei. Die Tötung sei juristisch gesehen jedoch keine Straftat, es handle sich vielmehr um eine Verkettung unglücklicher Umstände; menschliches Versagen, Fehler und Fehlkommunikation durch alle Beteiligten.

"Typ mit Pistole"

Es sei "unbestreitbar, dass Tamir eine Waffe aus der Hüfte" gezogen habe als sich das Polizeiauto näherte. Das hätte eine Analyse des Videos einer Sicherheitskamera ergeben. Auf jenem Video ist zu sehen, dass der Polizist die Schüsse auf den Jungen unmittelbar nach dem Eintreffen abgibt, innerhalb von nur zwei Sekunden. Die Familie von Tamir Rice hatte ebenfalls Experten beauftragt, das Video zu analysieren. Diese widersprachen der Auffassung, dass die Schüsse "begründet" waren. Der Polizist gab an, Tamir Rice als Bedrohung für sein Leib und Leben wahrgenommen zu haben.

Die Polizei hatte im November 2014 per Anruf den Hinweis auf einen "Typen mit Pistole" erhalten, der mit ihr fremde Menschen anvisierte und sie dadurch erschrecke. Der Anrufer erwähnte zweimal, dass die Waffe "wahrscheinlich" unecht sei und ebenfalls, dass es sich bei dem "Typen" wohl um einen Jugendlichen handle.

Wichtige Informationen nicht weitergeleitet

Diese Informationen erreichten die beiden Polizisten jedoch offenbar nicht. Sie fuhren Richtung Tatort mit der Ansage, dass ein "Code 1" vorliege, die höchste Stufe der Dringlichkeit. Die Polizisten gingen davon aus, es mit einem 20-jährigen Mann zu tun zu haben. Das ergibt eine Audio-Aufnahme, mit der sich die Polizisten nach dem Abfeuern der zwei Schüsse an die Zentrale wandten. In diesem Gespräch wurde zu keinem Zeitpunkt erwähnt, dass die Waffe abgefeuert und der Junge getötet wurde.

Die Mutter von Tamir Rice meldete sich nach Veröffentlichung der Entscheidung mit einem Statement zu Wort. Dort betonte sie, dass sie die Entscheidung "bedauert" - davon aber nicht überrascht wurde. "Staatsanwalt McGinty hat den Fall bewusst sabotiert und nie für meinen Sohn argumentiert. Er ist aufgetreten, als ob er der Verteidiger der Polizisten ist", sagte sie. Die Anwälte der Familie Rice forderten das US-Justizministerium auf, eine eigene Untersuchung zum Tod des Jungen einzuleiten.

Experten-Gutachten wurden kritisiert

Ein Richter hatte im Juni dieses Jahres die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden beteiligten Polizisten empfohlen. Doch das Büro von Staatsanwalt McGinty beauftragte Experten, deren im Oktober vorgelegte Gutachten den Polizeischützen entlasten. Ein Beamter der Bundespolizei FBI im Ruhestand und ein Staatsanwalt aus Denver befanden übereinstimmend, dass der Beamte "angemessen" gehandelt habe.

Doch die Objektivität beider Experten wurden in Zweifel gezogen. Einer Person wurde vom Justizministerium attestiert, Polizisten gegenüber zu großzügig zu sein. Die zweite Person hingegen hatte bereits öffentlich zu erklären versucht, warum die Polizisten unschuldig sein könnten.

Der Fall hatte national und international für Aufsehen gesorgt. In den vergangenen Jahren hat es wiederholt Fälle gegeben, in denen schwarze Männer von weißen Polizisten erschossen wurden, ohne dass für Außenstehende eine konkrete Bedrohung der Beamten erkennbar war.

Gary Younge, der ehemalige US-Korrespondent des Guardian, twitterte: "Entscheidungen wie diese zeigen nicht, warum ich das Land verlassen habe. Sie zeigen jedoch, warum ich als schwarzer Vater meine Entscheidung nicht bereue", twitterte Younge. Charles Blow, Kolumnist der New York Times fasste seine Frustration über die Entscheidung in einer Reihe von Tweets zusammen. Die ersten Worte: " Ich kann einfach nicht mehr."

Mit Material von AFP.