Videomaterial aus Cleveland Polizist erschoss Zwölfjährigen binnen zwei Sekunden

  • Der Polizist, der in den USA einen schwarzen Zwölfjährigen erschossen hat, schoss binnen Sekunden nach der Ankunft am Ort des Geschehens. Das zeigen Videoaufnahmen von Überwachungskameras.
  • Ein Passant rief die Polizei, weil der Junge eine täuschend echt aussehende Waffe dabei hatte.
  • Der Vorfall erinnert an den erschossenen Michael Brown aus Ferguson, der noch immer für Proteste in mehreren US-Städten sorgt.

Video zeigt: Polizei schoss unmittelbar nach Eintreffen

Am 23. November erschossen Polizisten in der US-Stadt Cleveland (Ohio) einen Zwölfjährigen, der eine Softairwaffe bei sich hatte - nun wurden Videoaufnahmen des Vorfalls veröffentlicht. Sie zeigen: Die herbeigerufenen Beamten gaben innerhalb von wenigen Sekunden die Schüsse auf den Jungen ab. CNN und die New York Times berichten, die Zeitspanne zwischen der Ankunft der Polizisten und den Schüssen sei gerade einmal zwei Sekunden.

Auf den Bildern von einer Überwachungskamera ist der zwölfjährige Tamir Rice zu sehen, wie er auf einem Gehweg läuft und mit der Waffenattrappe spielt. An einer Stelle zielt Rice auf jemanden, dann setzt er sich in einen kleinen Pavillon. Sekunden später kommt ein Polizeiwagen angerast und stoppt direkt neben dem Pavillon. Zwei Beamte steigen aus, während sich Rice dem Fahrzeug nähert und offenbar an seinem Gürtel herumspielt. Einer der Polizisten schießt dann unmittelbar nach dem Verlassen des Autos auf den schwarzen Jungen. Es handelt sich dabei um einen 26-jährigen Weißen, der erst seit März bei der Polizei ist.

Notruf weist auf mögliche Attrappe hin

Nach dem Vorfall hatte die Polizei angegeben, dass die Waffe täuschend echt aussah. Den Angaben der Beamten zufolge wurde der Zwölfjährige in der kurzen Zeit mehrmals aufgefordert, die Hände zu heben. Die Behörden veröffentlichten auch den Notruf eines besorgten Anwohners, der den Einsatz ausgelöst hatte. "Da ist ein Typ mit einer Pistole", sagt der Anrufer. "Sie ist wahrscheinlich unecht, aber er zielt auf jeden." Der Anrufer verweist auch darauf, dass es sich offenbar um ein Kind handelt. Den Beamten, die dann zum Einsatzort geschickt wurden, wurden diese Angaben aber offenbar nicht übermittelt.

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Eltern rufen zur Ruhe auf

Die Behörden von Cleveland veröffentlichten die Aufnahmen in Absprache mit Rices Eltern. Die Familie veröffentlichte eine Erklärung. "Das Video zeigt eine Sache sehr klar: Die Polizisten hatten sehr schnell gehandelt", heißt es darin. "Wir sind überzeugt, dass der Tod unseres Sohnes hätte verhindert werden können." Sie riefen die Bewohner jedoch auf, ruhig zu bleiben.

Proteste in Cleveland und Ferguson

Der Vorfall hatte Proteste in Cleveland ausgelöst - er erinnert an den Tod des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson in Missouri. Der schwarze Teenager wurde ebenfalls von einem weißen Polizisten erschossen. Nachdem bekannt wurde, dass sich der Schütze nicht verantworten muss, war es erneut zu Unruhen in Ferguson und im ganzen Land gekommen. Die Proteste flauten inzwischen merklich ab. Nach Angaben von US-Medien kam es in Ferguson und Los Angeles lediglich zu kleineren Zwischenfällen.

Finger am Abzug

Die Polizei in den USA schießt häufiger als früher. Und die afroamerikanische Bevölkerung muss dafür den Preis zahlen. Junge Schwarze wie Michael Brown werden schneller verdächtigt - und öfter getötet. Von David Hesse mehr ...

Im an Ferguson angrenzenden St. Louis versuchten Mitglieder einer etwa 200 Personen umfassenden Demonstrantengruppe ins Rathaus zu gelangen. Polizisten setzten Medienberichten zufolge Pfefferspray gegen sie ein. Auf Bundesebene wird laut US-Justizminister Eric Holder wegen des Todes des 18-jährigen Michael Brown sowie wegen des Verhaltens der Polizei bei den folgenden Unruhen noch ermittelt.