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Naturkatastrophe:Hurrikan "Maria" wütet in der Karibik

Ein durch Hurrikan "Maria" zerstörtes Haus auf der Karibikinsel Martinique.

(Foto: AFP)
  • Nachdem Hurrikan Irma in der Karibik und in Florida Verwüstungen angerichtet hatte, folgt nun Hurrikan Maria.
  • Mit der höchsten Kategorie 5 traf er in der Nacht auf Dienstag auf der Insel Dominica ein, wo er große Zerstörung anrichtete.
  • Auf der Nachbarinsel Guadeloupe kam ein Mensch ums Leben.

Die Erinnerungen an Hurrikan Irma und dessen zerstörerische Kraft sind noch frisch in den Köpfen der Menschen, nun droht die nächste Verwüstung auf Saint John. Sie warten auf den Hurrikan Maria. Manche laufen auch davor weg. "Ich bin immer noch schockiert, dass ich gehe", sagt Teri Hogg, 43, als sie das Boot nach Puerto Rico besteigt. "Das ist mein Zuhause und ich liebe es." Aber Irma sei "die beängstigendste Sache" in ihrem Leben gewesen. Und noch immer gebe es nicht genug Wasser und Essen auf der Insel, sagt Hogg der Zeitung USA Today. "Wir müssen hier weg."

Wie sie denken offenbar viele der 4500 Bewohner von Saint John, der kleinsten und abgeschiedensten der Hauptinseln der Amerikanischen Jungferninseln. Etwa die Hälfte soll bereits abgereist sein. Ein Video der USA Today zeigt, wie sich Menschen zum Abschied umarmen und einige von ihnen ein Boot besteigen. Unter ihnen viele Mütter mit Babys, Hunde, ältere Menschen.

Mehr als 40 Mal hat der Katamaran ihres Reiseveranstalters, der normalerweise Schnorcheltrips für Touristen anbietet, die Insel in der vergangenen Woche angefahren, sagt Jayanne McLaughli von East Island Excursions. Ihr Telefon klingele pausenlos. Inzwischen geht nur noch der Anrufbeantworter dran: "Wegen des Hurrikans Maria ist das Büro geschlossen", heißt es.

Maria ist in diesem Jahr bereits der vierte starke Hurrikan über dem Atlantik. Erst vor zwei Wochen hatte Irma in der Karibik und in Florida gewütet, mehr als 80 Menschen kamen ums Leben. Und jetzt also Maria. In der Nacht auf Dienstag hat der Sturm bereits schwere Schäden auf der Insel Dominica angerichtet. "Bei fast allen Menschen, mit denen ich gesprochen habe oder anderweitig Kontakt hatte, hat der Wind die Hausdächer weggerissen", schreibt Ministerpräsident Roosevelt Skerrit auf Facebook. Auch das Dach seines Hauses sei von den starken Winden fortgerissen worden, das Innere überschwemmt, klagte Skerrit. Auf der Nachbarinsel Guadeloupe sei ein Mensch durch einen umstürzenden Baum ums Leben gekommen, meldeten die Behörden.

Nachdem der Sturm über die im Osten der Karibik gelegene Insel hinweggefegt war und sich zunächst abgeschwächt hatte, stufte das nationale Hurrikan-Zentrum der USA Maria inzwischen wieder auf die höchste Kategorie 5 ein. Diese Stufe erreichen Hurrikans, wenn die Windgeschwindigkeit mehr als 249 Kilometer pro Stunde beträgt. Maria bewegt sich nun auf Puerto Rico und die Jungfern-Inseln zu, wo der Sturm am frühen Mittwochmorgen erwartet wird.

"Es ist eine ziemlich ausweglose Situation gerade"

Der Gouverneur von Puerto Rico, Ricardo Rossello, forderte die Bewohner auf, Schutz zu suchen und sich vorzubereiten. Auch auf der Jungferninsel Saint Croix appellierte Gouverneur Kenneth Mapp an die Menschen, eine der drei Schutzunterkünfte aufzusuchen. Der Wirbelsturm werde voraussichtlich acht Stunden lang über die Insel fegen und von massiven Regenfällen begleitet sein.

Vor zwei Wochen war Saint Croix Irmas Schlagkraft weitgehend entkommen. Anders als die beiden nördlich gelegenen Inseln Saint Thomas und Saint John. Ein Video von USA Today zeigt zerstörte Häuser und umgefallene Bäume, Autos liegen auf dem Dach, ganze Straßenzüge auf Saint John sind verwüstet. Die Klinik der Insel verlor Teile des Dachs und ist kaum mehr nutzbar.

"Es ist eine ziemlich ausweglose Situation gerade", erzählt Julianne Drake, die ein Haus auf Saint John hat, der Nachrichtenseite wtop. Die Insel sei Tage nach Irma noch immer ohne Strom und Wasser. "Etwa die Hälfte der Häuser wurde zerstört", sagt sie. "Die meisten Geschäfte mussten schließen, die Menschen können nicht mehr arbeiten." Und dann seien da noch die vor sich hin rottenden Tierkadaver, die zu einer Gesundheitsgefährdung werden könnten. Drake ist inzwischen in die USA geflüchtet und macht sich vor allem Sorgen um die anderen Inselbewohner. Um die, die auf Saint John geblieben sind. Und nun auf Maria warten.

© SZ/dpa/AFP/afis/olkl/dd/cat
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