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Staatenloser Landstrich in Nordafrika:Königreich für eine Siebenjährige

Papas Prinzessin: Der Amerikaner Jeremiah Heaton hat eine Flagge auf einem Stück Wüste zwischen Sudan und Ägypten gehisst und erklärt, das Land gehöre seiner siebenjährigen Tochter. Ein Gespräch über Völkerrecht und die Liebe zum eigenen Kind.

Die Erde ist voller Gebiete, auf die zwei Staaten ihre Flagge pflanzen wollen. Wie erfrischend, dass es das Gegenteil auch gibt. Grenzgebiete, die beide Staaten von sich weisen, Landstriche, die frei sind wie der Wind: Terra nullius heißt das im Völkerrechtslatein, und auf der Weltkarte findet man es tatsächlich noch, wenn auch mit der Lupe. Zwischen dem Sudan und Ägypten zum Beispiel gibt es den 2000-Quadratkilometer-Wüstenfleck Bir Tawil. Weder Ägypter noch Sudanesen wollen ihn haben, weil sie darum streiten, was die richtige Grenzziehung zwischen ihnen ist, schnurgerade oder organisch geschwungen. Ein Amerikaner, Jeremiah Heaton, hat hier nun eine Flagge gepflanzt und erklärt, dies sei fortan das Reich seiner 7-jährigen Tochter, der Prinzessin Emily. Ein Anruf bei ihm in Abingdon, Virginia.

Mister Heaton, wie spreche ich Sie am besten an? Majestät? Sie haben gerade das "Königreich Nordsudan" ausgerufen. Unblutig.

Jeremiah Heaton: Nennen Sie mich Jeremiah.

Wie kam es dazu?

Meine Tochter Emily hat mich vor einem Jahr, als sie sechs war, einmal nachdenklich angeschaut und gefragt, ob sie eine echte Prinzessin werden könnte. Da habe ich Ja gesagt. Kind, du kannst alles werden. Im Internet habe ich recherchiert, wo es noch Niemandsland gibt, auf dem man ein Königreich gründen kann. In der Antarktis ist das schwierig, aber auf dem staatenlosen Landstrich Bir Tawil in der nubischen Wüste, da ging es.

Sie sind also hingereist und haben in der Wüste eine Flagge gepflanzt?

Ja, zu Emilys siebtem Geburtstag. Das ist ja nicht viel anders als die Methode, nach der auch die USA und viele andere Staaten gegründet wurden. Der Unterschied ist nur, dass jene Eroberungen aus Machthunger geschahen, meine geschah aus Liebe zu meiner Tochter.

Jeremiah Heaton

Jeremiah Heaton mit der Flagge seines Königreichs Nordsudan, die seine Kinder gestaltet haben, sagt er. "Jeder Stern steht für ein Familienmitglied."

(Foto: Jeremiah Heaton)

Der völkerrechtliche Status des Gebiets ist zwar ungeklärt, aber faktisch wird es von Ägypten verwaltet. Haben Sie schon eine Reaktion aus Kairo erhalten?

Wissen Sie, es ist Ramadan. Ich habe eine E-Mail an die ägyptische Botschaft in Washington geschickt, in der Hoffnung, dass sie vielleicht jemand liest, der christlich ist und trotz des Ramadan arbeitet. Aber ich warte noch auf eine Antwort, ob sie unseren Staat politisch anerkennen. Der Ramadan geht noch bis Ende dieses Monats.

Vielleicht ist die ägyptische Regierung gerade beschäftigt mit der Vermittlung im Gaza-Konflikt.

Ich hoffe auch noch auf die Unterstützung der Afrikanischen Union. Ich bin bislang nur nicht dazu gekommen, nach Washington zu fahren und mich bei den ganzen Botschaften vorzustellen. Was ich möchte, ist ja kein Kolonialismus. Kolonialismus ist, wenn eine Nation eine andere erobert, um sie auszubeuten. Ich bin keine Nation.

Sondern ein Vater.

Richtig! Ich sehe es so: Ich bin in das Fundbüro der Welt gegangen und habe etwas gefunden, das meiner Tochter Freude bringt.

Und was ist mit den Menschen, die dort leben?

In diesem Teil der nubischen Wüste lebt niemand. Ab und zu wandern Beduinen hindurch.

Haben Sie sich ihnen vorgestellt, als Sie dort Ihr Königreich ausriefen?

Ja, ich habe ein paar Männern Hallo gesagt, dazu hatte ich ein bisschen Arabisch gelernt. Sie waren extrem freundlich und großzügig. Das ist überhaupt ein sehr friedfertiges Land, ganz anders als es leider oft dargestellt wird. Und die Leute haben ja auch Kinder, die sie lieben.

Waren die Männer glücklich, als Sie ihnen erklärten, dass sie sich von nun an in einer Monarchie befänden?

Ich weiß nicht, ob mein Arabisch gereicht hat. Ich habe ihnen Fotos von Emily gezeigt, da haben wir uns gut verstanden.

Wie reagieren denn Emilys Freunde?

In ihrer Schule sprechen natürlich alle darüber. Aber bei uns zu Hause benutzen wir den Adelstitel eher locker. Wenn wir Emily "Prinzessin" rufen, dann zum Beispiel so: Prinzessin, räumst du bitte die Waschmaschine aus.

Eine moderne Monarchie!

Wissen Sie, der einzige Grund, weshalb wir uns überhaupt für eine Monarchie entschieden haben, ist, damit sie Prinzessin sein kann. Wenn sich bald Leute in unserem Land ansiedeln, worauf wir hoffen, dann werden wir es allerdings in eine konstitutionelle Monarchie umwandeln.

© SZ vom 17.07.2014/soli

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