Skandal um Spaniens König Juan Carlos Viel wird getuschelt, viel erfunden

Im Februar 2006 treffen sich Juan Carlos und Corinna zum ersten Mal auf öffentlichem Parkett, bei einem Besuch des Königs in Deutschland. Es gibt Fotos davon, wie Ministerpräsident Günther Oettinger Juan Carlos auf dem Flughafen in Stuttgart empfängt. Die beiden laufen durch ein Spalier von Polizisten, die blonde Corinna läuft drei Schritte hinter ihnen. Später sitzt sie beim Galadinner mit an der Ehrentafel.

Bei den Laureus-Sport-Awards im Mai des selben Jahres in Barcelona treffen sie sich wieder. Fotos zeigen, dass sie sich auf dem roten Teppich so nah kommen, dass ihr Kleid im Empirestil die königlichen Lackschuhe fast verdeckt. In arabischen Medien ist die Rede davon, dass Corinna zu Sayn-Wittgenstein den König 2006 bei einem Besuch in Saudi-Arabien als "strategische Beraterin" offiziell begleitet habe. Das Königshaus hat das bestritten.

Affären hat es in Europas Palästen schon immer gegeben

Viel wird getuschelt, viel erfunden, um der Geschichte die nötige Schärfe zu verpassen. Dass Juan Carlos dem weiblichen Geschlecht sehr zugeneigt ist, gilt indes als unbestritten. Offenbar gehört er zu der Garde alter Monarchen, die manche Traditionen des Adels pflegen, die nicht mehr ganz zeitgemäß sind. Affären hat es in Europas Palästen schon immer gegeben.

Man muss wirklich nicht zurück zu Madame Pompadour, der Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. In Schweden überraschte vor eine Weile Carl XVI. Gustaf mit seiner Affäre mit der schrägen Sängerin Camilla Henemark. Unvergessen auch Bernhard der Niederlande, der Mann der Königinmutter Juliane, der gar nicht erst versuchte, etwas zu vertuschen. Er bekannte sich zu gleich zwei unehelichen Kindern.

In Spanien brummt nun das Geschäft mit den Nachrichten aus der Grauzone, in der sich Pilar Eyre ziemlich gut auszukennen glaubt. "Wir wissen nicht, wann und wo die Beziehung der deutschen Prinzessin zu Juan Carlos begann", sagt die Königshausexpertin. Hier und da sei die Fußballeuropameisterschaft in Portugal 2004 genannt worden, aber Eyre vermutet, dass es sich auch um eine Verwechslung handeln könne. Seinerzeit habe sich der König für eine junge deutsche Übersetzerin namens Julia interessiert.

Recht auf ein Privatleben fern der allgemeinen Neugierde

Als gesichert gilt, dass Prinzessin Corinna äußerst gerne jagt. Im Gegensatz zu Sofía und genau wie der spanische König, mit dem sie öfter im staatlichen Naturpark La Encomienda de Mudela, 250 Kilometer südlich von Madrid, gesehen worden sein soll. Bei der Jagd in Botswana sollen insgesamt drei Elefanten reserviert worden sein. Wegen des Königsunfalls wurden nur zwei erlegt. Vermutet wird, dass Sayn-Wittgenstein den Elefanten Nummer drei übernehmen sollte.

Der Monarch, so schrieb die Zeitung El País unter Berufung auf offizielle Quellen, meint, dass er ein Recht auf ein Privatleben fern der allgemeinen Neugierde hat. Aber ebendiese "offiziellen Quellen" unterstrichen laut El País auch, dass "der König auf diese Freundschaften nicht verzichten" werde. Dies schließe ausdrücklich "die enge Beziehung ein, die er seit Jahren zur deutschen Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein" unterhalte, einer "Unternehmerin und Safari-Organisatorin". Angeblich soll Corinna zu Sayn-Wittgenstein in El Pardo wohnen, der Gemeinde vor den Toren Madrids, in der auch die Königsresidenz liegt.

Corinna zu Sayn-Wittgenstein äußerst sich persönlich nicht, weist aber Berichte über eine intime Beziehung zu Juan Carlos über ihren Anwalt als unwahr zurück. Das spanische Internetportal La Voz Libre zitiert einen Freund Corinna zu Sayn-Wittgensteins mit den Worten: "Das ganze Theater um sie ist unbegründet, wenn sie ein Mann wäre, würde sich niemand an der Freundschaft zum König stören."