Schweigegeld für Stormy Daniels:Trump hat seinem Anwalt die 130000 Dollar zurückerstattet

  • Neue Entwicklungen im Fall Stormy Daniels: Trumps Anwalt Rudolph Giuliani sagt, der US-Präsident habe seinem Anwalt Michael Cohen die 130 000 Dollar Schweigegeld zurückgezahlt.
  • Bisher hatte Trump stets behauptet, von der Zahlung an den Pornostar nichts gewusst zu haben.
  • Hat Trump also doch etwas gewusst? Oder zahlte er das Geld zurück, ohne über den Grund der Zahlung informiert gewesen zu sein?

Von Thorsten Denkler, New York

Rudy Giuliani hat sich einen interessanten Ort ausgesucht, um die Bombe platzen zu lassen. Der frühere Bürgermeister von New York City ist jetzt Mitglied in Trumps Anwalt-Team. Am späten Mittwochabend war er in der Talk-Sendung des konservativen Trump-Freundes Sean Hannity zu Gast. Dessen gleichnamige Sendung läuft auf Trumps Lieblingssender Fox News. Giulani sagte später, er habe den Auftritt mit Trump abgesprochen. Wenn nicht, dann muss der US-Präsident vor Schreck vom Sofa gefallen sein.

In der Sendung erzählte Giuliani, Trump habe - soweit Giuliani das übersehen könne - seinem persönlichen Anwalt Michael Cohen jene 130 000 Dollar zurückerstattet, die Cohen als Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels gezahlt hatte. Giuliani sagte, das Geld sei "durch eine Anwaltskanzlei geflossen, und Trump hat es zurückgezahlt".

Daniels sagt, sie habe 2006 eine Affäre mit Trump gehabt. Kurz nach der Geburt von Barron, dem gemeinsamen Sohn von Trump und seiner jetzigen Frau Melania. Kurz vor der Wahl 2016 wollte Daniels damit an die Öffentlichkeit gehen. Trumps Anwalt Cohen bekam Wind davon und vereinbarte mit ihr das Schweigegeld-Abkommen. So berichtet es Daniels.

Cohen gibt zwar zu, das Geld Ende Oktober 2016 gezahlt zu haben, schweigt aber bisher zu den Gründen. Nur so viel: Er habe es aus eigener Tasche bezahlt. Und Trump habe nichts davon gewusst. Auf eine Frage an Trump an Bord der Air Force One, ob er etwas von dem Geld oder überhaupt etwas von der ganzen Sache gewusst habe, sagte dieser kürzlich deutlich vernehmbar: "Nein." Und zu allem Weiteren müssten die Journalisten bitte Michael Cohen fragen.

Giuliani erklärte jetzt in der Sendung von Hannity, beides stimme irgendwie. Trump habe Cohen das Geld zwar zurückerstattet. Aber dennoch nichts gewusst. Trump habe "soweit ich weiß von den Details nichts gewusst", sagt Giuliani. "Er wusste aber ganz generell von dem Arrangement, dass Michael sich um Dinge wie diese kümmern würde, so wie ich mich um Dinge kümmere für meine Klienten."

Was wohl bedeuten soll, dass Cohen eine Art Freibrief von Trump gehabt haben soll, alles Nötige zu tun, um Trumps Namen zu schützen. Aber Trump nicht wissen wolle und solle, was damit genau verbunden ist. Wenn es Geld kostet, dann zahlt Trump. Und fragt nicht weiter nach. Was sind schon 130 000 Dollar?

Giulianis Vorstoß dürfte der Versuch sein, etwas von dem abzufedern, was demnächst sehr wahrscheinlich ohnehin ans Tageslicht kommt. Das FBI hat nämlich Anfang April die Büros und Privaträume von Cohen in New York durchsucht. Und eine ganze Reihe von Akten und Festplatten beschlagnahmt.

Der Verdacht der FBI-Ermittler: Cohen könnte sich mit der Zahlung an Daniels strafbar gemacht haben. Wenn er das Geld gezahlt hat, um Trumps Präsidentschaftskampagne zu schützen, dann könnten die 130 000 Dollar eine illegale Wahlkampffinanzierung gewesen sein. Wenn das FBI das nachweisen kann, dann hat es Cohen am Haken.

War die Zahlung an Stormy Daniels illegal?

Seit der Durchsuchung haben die Anwälte von Cohen und Trump darauf gedrungen, dass zuerst sie die Unterlagen sichten dürfen. Um jene Dokumente herauszufiltern, die ihrer Ansicht nach unter dem besonderen Schutz des Anwalt-Klienten-Verhältnisses stehen.

Mit mäßigem Erfolg. Eine Sonderbeauftrage wird jetzt die Daten sichten und herausfiltern, was das FBI nicht für die Ermittlungen verwenden darf. Das Verfahren bedeutet aber auch, dass Trump und Cohen nicht mehr sicher sein können, was von den Akteninhalten womöglich an die Öffentlichkeit dringt und wann.

Cohen verteidigt sich bisher damit, dass weder die Trump Organization, in der die Geschäfte der Familie Trump gebündelt sind, noch Trumps Kampagne etwas mit der Transaktion zu tun gehabt hätten. Und beide hätten ihm kein Geld erstattet. Trump selbst erwähnte er in dem Zusammenhang nicht.

Wenn aber Trump selbst ihm das Geld erstattet hat, dann wirft das zumindest die Frage auf, ob die Person Donald Trump von der Trump-Kampagne irgendwie zu trennen ist? Der Anwalt von Stormy Daniels, Michael Avenatti, sagt dazu: "Nach dem was Herr Giuliani sagt, sind Herr Trump und Herr Cohen Komplizen in einer Straftat." Und weiter: "Jetzt ist es Zeit, Gerechtigkeit walten zu lassen."

Dass Trump entgegen seinen früheren Beteuerungen doch etwas von Cohens Deal mit Daniels gewusst haben könnte, machte er vergangenen Freitag eher versehentlich deutlich. Eine halbe Stunde war er in seiner Lieblingssendung "Fox and Friends" per Telefon zugeschaltet. Er redete und echauffierte sich ohne Punkt und Komma. Die drei Moderatoren hatten große Mühe, überhaupt die eine oder andere Frage zu platzieren. Besonders regte sich Trump über die FBI-Durchsuchung in den Räumen seines Anwalts Cohen auf. Alles eine große Hexenjagd.

Dann aber sagte er auf die Frage, welche Rolle Cohen für ihn spiele, dass Cohen ihn "in dem verrückten Stormy-Deal" vertreten habe.

Und warum ist Sean Hannity so ein wunderbarer Gesprächspartner in der Sache? Nun, wie sich vor Gericht herausstellte, hat Cohen drei Klienten als Anwalt. Trump, die Trump Organization. Und Sean Hannity. Alles also eine große Familie irgendwie. Und niemand hat von etwas gewusst. Im Fall Hannity scheint das sogar zu stimmen. Als Giuliani den entscheidenden Satz sagte, antwortete Hannity ehrlich überrascht: "Oh, ich wusste nicht, dass er das getan hat." Ein Hauch von Enttäuschung lag da in seiner Stimme.

Nach der Sendung sagte Giuliani, er habe die Enthüllung mit Trump abgestimmt. Sie entkräfte den Vorwurf der illegalen Wahlkampffinanzierung. "Wir haben genug Unterlagen, um das zu beweisen."

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