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Nordrhein-Westfalen:Schlag gegen die Clan-Kriminalität

Razzia gegen Clankriminalität

Polizisten durchsuchen eine Villa in Leverkusen.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Es geht um bandenmäßigen Betrug und Geldwäsche: In mehreren Städten in NRW sind 600 Polizisten gegen kriminelle Clans vorgegangen. In Leverkusen war sogar ein Polizeipanzer im Einsatz.

Rund 600 Polizisten sind in Nordrhein-Westfalen gegen kriminelle Clans vorgegangen. In Leverkusen war ein Polizeipanzer im Einsatz, um den Beamten Zugang zu einer Villa zu verschaffen. Dort seien ein Hauptbeschuldigter (46), seine Frau (42) und seine beiden Söhne (24/28) verhaftet worden, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag.

Bei dem 46-Jährigen handele es sich um "einen der absoluten Top-Leute der Clan-Kriminalität in NRW", sagte Reul. "Wir haben ihn nicht nur festgenommen, sondern ihm auch sein Zuhause weggenommen. Das ist heute ein Schlag gegen die erste Liga der Clan-Kriminalität." Die Villa werde nun im Grundbuch dem Staat übertragen und die Familie ausgetragen. Es bestehe der Verdacht, dass das Haus mit Geld aus Straftaten finanziert worden sei, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Es sei ein großartiger Tag im Kampf gegen die Clan-Kriminalität, sagte der Minister. "Mit jedem Einsatz dringen wir tiefer in den kriminellen Sumpf und in die Schattenwelt der Clans ein." Die Einsätze in Leverkusen, Duisburg und Düsseldorf stünden im Zusammenhang mit Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaften in Düsseldorf und Duisburg. In Düsseldorf werde wegen bandenmäßigen Betrugs, Sozialbetrugs und Geldwäsche ermittelt, in Duisburg wegen eines Steuerverfahrens.

Insgesamt seien 31 Objekte durchsucht worden. Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei Düsseldorf sowie vom Landeskriminalamt waren Beamte im Rheinland, Bergischen Land, am Niederrhein und im Ruhrgebiet im Einsatz. Es wurden Häuser, Wohnungen, Büros und Geschäfte durchsucht.

Hinter der Aktion stand die Zentralstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS). "Erneut darf ich der ZeOS zu einem aktuellen Erfolg im Kampf gegen Clankriminalität gratulieren. Wieder einmal hat es sich bewährt, eine schlagkräftige Truppe aus erfahrenen Staatsanwältinnen und Staatsanwälten zu formen, die in der Lage ist, auch komplexe Strukturen aufzubrechen und Punkt für Punkt nachhaltige Strafverfolgung zu betreiben", sagte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Den intensiven Ermittlungen der ZeOS sei es zu verdanken, dass nicht nur Haftbefehle gegen vier Personen aus dem Clan-Milieu vollstreckt werden konnten, sondern auch große Mengen Bargeld, mehrere Schusswaffen sowie eine Immobilie beschlagnahmt wurden.

Nach Informationen der Bild-Zeitung handelt es sich bei dem 46-Jährigen um ein führendes Mitglied des Al-Zein-Clans. Ende Januar hatte der langjährige Berliner Clan-Chef, bekannt als "Pate von Berlin", Deutschland verlassen, bevor er von den Behörden abgeschoben werden sollte. NRW-Innenminister Reul hatte kriminellen türkisch-arabischstämmigen Großfamilien den Kampf angesagt. Das Phänomen sei "größer und gefährlicher" als bislang bekannt, hatte Reul im August 2020 gesagt.

© SZ/dpa/lot
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