Missbrauchsvorwürfe Möglicherweise belastendes Video gegen R. Kelly aufgetaucht

Gegen den Sänger R. Kelly wird erneut ermittelt.

(Foto: M. Spencer Green/AP)
  • US-Staatsanwaltschaften ermitteln gegen den Musiker R. Kelly wegen sexuellem Missbrauch, Missbrauch Minderjähriger und Besitz und Anfertigung von Kinderpornografie.
  • Nun soll ein Video aufgetaucht sein, auf dem R. Kelly angeblich Sex mit einer Minderjährigen hat.
  • Entstanden sein soll das Video in den späten 90er-Jahren im Bundesstaat Illinois.

Seit Wochen versuchen Aktivisten weltweit Auftritte des US-amerikanischen Sängers R. Kelly zu verhindern. Ein Auftritt des Künstlers in Sindelfingen ist bereits abgesagt worden, in Australien haben sich Politiker für ein Einreiseverbot ausgesprochen. Kelly steht abermals in der Kritik, Frauen sexuell ausgebeutet und mit Minderjährigen Sex gehabt sowie Kinderpornografie besessen und angefertigt zu haben. Zu den bestehenden, ihm vorgeworfenen Fällen, ist nun ein weiterer hinzugekommen.

Der Prominenten-Anwalt Michael Avenatti soll der Staatsanwaltschaft in Chicago am Donnerstag eine VHS-Kassette übergeben haben. Auf dem Band zu sehen sei R. Kelly bei sexuellen Handlungen mit einer Minderjährigen. Das sagte Avenatti dem Sender CNN, der den Inhalt des Videos bestätigte. Der Washington Post sagte Avenatti, das Video sei eine "Bombe" die Strafermittlern zu einem Durchbruch verhelfen könnte. Es handele sich um Beweismaterial, das "seit 20 Jahren gebraucht würde."

Promis R. Kelly muss draußen bleiben
Missbrauchsvorwürfe

R. Kelly muss draußen bleiben

Ein Konzert des unter Missbrauchsverdacht stehenden Sängers in Sindelfingen wird abgesagt und nach Neu-Ulm verlegt. Die Proteste gehen weiter - sie sollen Kelly wirtschaftlich treffen.   Von Jürgen Schmieder

Anwalt Avenatti war einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, nachdem er die Pornodarstellerin Stormy Daniels in einem Rechtsstreit um eine Affäre mit US-Präsident Donald Trump vertreten hatte.

R. Kelly war vor zehn Jahren von dem Vorwurf freigesprochen worden, ein Video mit kinderpornografischen Inhalten produziert zu haben, weil das mutmaßliche Opfer nicht gegen ihn aussagen wollte und ihr Alter beim Erstellen des Videos deshalb nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte. Mit vielen seiner mutmaßlichen Opfer hat sich Kelly außergerichtlich geeinigt - was bei unzähligen Kritikern wiederum den Verdacht nährt, dass da einer seinen Reichtum nutzt, um sich freizukaufen.

Bei dem nun durch Avenatti an die Öffentlichkeit gebrachten Video soll es sich um ein neues Video handeln. Die 45 Minuten dauernde Aufnahme soll zwei Szenen zeigen, eine in einem Wohnzimmer, die andere in einem Schlafzimmer. Laut CNN ist ein Mann, "der R. Kelly zu sein scheint, dabei zu sehen, wie er Sex mit einem Mädchen hat". Der Sänger selbst und die mutmaßlich Minderjährige sollen zu hören sein, wie sie darüber sprechen, dass das Mädchen erst 14 Jahre alt ist. Auch zeige das Video Kelly, wie er auf das Mädchen uriniert. Entstanden sein soll das Video in den späten 90er-Jahren im Bundesstaat Illinois.

Die Staatsanwaltschaften in Georgia und Illinois hatten bereits vor dem Video, das Avenatti nun an übergeben hat, Ermittlungen gegen R. Kelly aufgenommen. Angeblich soll sich seit längerem schon die Bundesbehörde FBI eingeschaltet haben, weil der Musiker für Geschlechtsverkehr Minderjährige über Bundesstaats-Grenzen hinweg chauffiert haben soll. Bislang haben sich die Behörden bedeckt gehalten. Zu dem neuen Video wollte die Staatsanwaltschaft sich ebenfalls nicht äußern. Der Grund für Aktivisten und Staatsanwaltschaft gegen R. Kelly vorzugehen, ist die im Januar erschienene Dokumentarserie "Surviving R. Kelly". Darin sind die seit Jahrzehnten gegen Kelly bestehenden Vorwürfe von zahlreichen Frauen erneut erhoben worden. Der Musiker hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen.

Bislang hat Michael Avenatti nicht preisgegeben, wie er in Besitz des Videos gelangt ist. Auf Twitter schrieb er, "mehrere Klienten" zu vertreten. Ob er die auf dem Video mit R. Kelly zu sehende Person vertrete, sagte er nicht, auch nicht, ob diese bereit sei, mit den Behörden zu kooperieren.

Fernsehen Verfilmte Paralleljustiz

Docutainment-Formate

Verfilmte Paralleljustiz

"Leaving Neverland", "Surviving R.Kelly", "The Jinx": Dokumentarfilme zeigen nicht mehr nur, was ist - sie klagen an, ideologisieren, dämonisieren. Und sie sorgen für ernsthafte Konsequenzen.   Von Jürgen Schmieder