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Prozesse - Dortmund:Prozess: Angeklagter bestreitet Mordkomplott gegen Lehrer

Deutschland
Prozessakten liegen auf dem Tisch eines Richters. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Dortmund (dpa/lnw) - Nervös und angespannt wirkte Lehrer Wolfgang Wittchow, als er am Dienstagmorgen ins Dortmunder Landgericht kam. Im Mai 2019 sollen drei Jugendliche - zwei von ihnen waren seine Schüler - den Plan gefasst haben, ihn mit Hämmern zu erschlagen. Noch vor Beginn des Prozesses vor der Jugendstrafkammer sagte Wittchow: "Zumindest für den Haupttäter wünsche ich mir eine Strafe, die sich in Jahren und nicht nur in Monaten bemisst." Resozialisierung könne ja auch im Gefängnis stattfinden.

Jener Tag im Mai hat offensichtlich tiefe Spuren auf der Psyche des Deutsch- und Chemielehrers hinterlassen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die heute 17, 18 und 19 Jahre Angeklagten vorhatten, Wittchow in einen Hinterhalt zu locken, indem sie einen medizinischen Notfall auf einem abgelegenen Teil des Lehrerparkplatzes der Gesamtschule simulierten. Dabei sollen sie gehofft haben, dass sich der Lehrer zu dem am Boden liegenden Jugendlichen hinab beugt. Dann, so heißt es, wollten sie ihn mit Hämmern von hinten erschlagen. Die Anklage gegen die drei deutschen Staatsbürger lautet auf Mordversuch.

Wolfgang Wittchow wurde aber offenbar gleich skeptisch. Statt in die Falle zu gehen, soll er sich dafür entschieden haben, einen Rettungswagen zu alarmieren. Zu einem Angriff kam es dann nicht.

Schon am ersten Verhandlungstag hat einer der drei Angeklagten diese Vorwürfe zurückgewiesen. Die Verhandlung findet zwar komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Thomas Jungkamp, Sprecher des Dortmunder Landgerichts, gab anschließend ein kurze Information. Danach hat der Angeklagte "jede Tötungsabsicht bestritten", so Jungkamp. Und auch die übrigen Angaben zum Ablauf des Tages hätten nur teilweise mit den Angaben in der Anklageschrift übereingestimmt. Für die Richter stehe deshalb fest, dass nun eine umfangreiche Beweisaufnahme bis ins kleinste Detail erforderlich sei. Welcher der drei Angeklagten die Vorwürfe zurückwies, nannte der Sprecher nicht.

Den Ausschluss der Öffentlichkeit hatte das Gericht zuvor mit dem jugendlichen Alter der Angeklagten begründet. Zwar gebe es ein berechtigtes hohes öffentliches Interesse, sagte der Vorsitzende Ulf Pennig. Doch der Schutz der Jugendlichen vor einer drohenden Stigmatisierung wiege noch schwerer. "Sie sollen sich möglichst ungestört zu rechtstreuen Erwachsenen entwickeln können", so Pennig. Das Jugendstrafrecht habe im Wesentlichen erzieherischen Charakter.

Den Charakter des Hauptangeklagten hält Lehrer Wittchow indes für "schwach und gestört". Gerade deshalb plädierte er für eine Strafe, die der heute 17-Jährige zu spüren bekomme. Der Lehrer tritt auch als Nebenkläger auf. Für den Prozess hat das Gericht zunächst acht Verhandlungstage bis Ende April vorgesehen. Das Jugendstrafrecht sieht eine Höchststrafe von zehn Jahren Jugendhaft vor.

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