Prozess in Potsdam Familienvater entführt Vierjährige

13 Stunden entführte Carsten W. die vierjährige Carolina. Die Familie kannte er nicht, es ging ihm offenbar nur um Geld. Die Tatsache, dass er selbst Vater dreier Kinder ist, konnte ihn nicht stoppen.

Von Hans Holzhaider

Er ist 45 Jahre alt, Vater von drei Kindern, er hat Jura studiert und (wenn auch erst nach 30 Semestern) sein erstes juristisches Staatsexamen abgelegt, er ist nicht vorbestraft - aber jetzt steht Carsten W. als Angeklagter vor Gericht. Er hat ein Kind entführt, ein vierjähriges Mädchen.

Selbst Vater von drei Kindern und gebildet: Carsten W. hat ein kleines Mädchen entführt - weil er nach eigenen Worten keinen Ausweg mehr sah.

(Foto: dpa)

Nachdem die Eltern 60.000 Euro Lösegeld bezahlt hatten, setzte er das Kind unversehrt in der Nähe seines Elternhauses ab. Vor dem Potsdamer Landgericht legte Carsten W. jetzt ein umfassendes Geständnis ab. Er habe wegen seiner Schulden und des bevorstehenden Besuchs des Gerichtsvollziehers keinen anderen Ausweg mehr gesehen, erklärte er.

Als Opfer hatte Carsten W. eine ihm völlig unbekannte Familie in Kleinmachnow im Südwesten Berlins ausgespäht: Ein neues Haus, zwei teuere Autos vor der Tür und Kinderspielzeug im Garten gaben den Ausschlag.

Am Morgen des 10. Februar 2011 lauerte er mit einer Sturmhaube maskiert der Mutter auf, als sie die vierjährige Carolina in den Kindergarten bringen wollte. Er bedrohte sie mit einer Gartensichel, nahm das Mädchen auf den Arm und setzte es in ein gemietetes Auto, das er mit gestohlenen Kennzeichen ausgerüstet hatte. Den ganzen Tag über fuhr er mit dem Kind durch die Gegend, beschäftigte es mit seinem iPad, ging mit ihm spazieren und ließ es Mittagsschlaf machen.

Nachdem die Mutter das Lösegeld von einer Autobahnbrücke geworfen hatte, fuhr er das Mädchen wieder nach Hause. Noch am selben Abend wurde er von der Polizei festgenommen.