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Promis der Woche:"Mein Hintern wurde angegrabscht von älteren, mächtigen Männern"

Der Skandal um Harvey Weinstein erschüttert die Filmbranche. Die wichtigsten Äußerungen von Ben Affleck, Rose McGowan, James Van der Beek und Kollegen in den "Promis der Woche".

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Harvey Weinstein

Quelle: AP

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Wer geht mit wem, wer ist mit Alkohol am Steuer erwischt worden und welcher britische Thronfolger hat jetzt wieder ein Stück Hochzeitstorte verkauft? Fragen, die wir sonst an dieser Stelle beantworten, rückten diese Woche in den Hintergrund. Zu groß und folgenreich waren die Enthüllungen der New York Times zu Harvey Weinstein. Der US-Produzent soll seine Machtposition genutzt haben, um Dutzende Frauen sexuell zu belästigen - mittlerweile gibt es auch Vergewaltigungsvorwürfe gegen den 65-Jährigen.

Zahlreiche prominente Opfer haben sich in dieser Woche zu Wort gemeldet - und viele Hollywood-Größen, Firmenchefs und Politiker haben sich mit ihnen solidarisiert. Viele haben Weinstein und seiner Firma ihre Karrieren oder zumindest eine Menge Spendengelder zu verdanken. Jetzt offenbart sich Stück für Stück das sexistische System, das die Filmfabrik in Kalifornien durchwirkt.

Um was geht es und wer hat sich wie zu Wort gemeldet? Ein Überblick über die wichtigsten Äußerungen:

Rose McGowan

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Im Bericht der New York Times vom 5. Oktober warfen acht Frauen Weinstein sexuelle Belästigung vor, unter ihnen Schauspielerin Rose McGowan. Die 44-Jährige wurde im Lauf der Woche zu einer Art Leitfigur der Bewegung, die sich gegen Weinstein formiert hat - und gegen sexistisches Verhalten in der Branche allgemein.

Am Donnerstag sagte McGowan, Weinstein habe sie mehr als belästigt und sprach von Vergewaltigung. Sie ist nicht die Einzige, die ihm das vorwirft. Die New Yorker Polizei geht Medienberichten zufolge einem entsprechenden Fall aus dem Jahr 2004 nach.

McGowans Anschuldigungen richten sich nicht nur an Weinstein, sondern an all jene, denen seine Ausfälle seit Jahren bekannt waren - und die nichts dagegen unternahmen.

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Ihrem Schauspiel-Kollegen Ben Affleck etwa wirft McGowan vor, gewusst zu haben, was Weinstein ihr antat. Affleck hatte Anfang der Woche folgende Zeilen getwittert: "Ich bin traurig und wütend, dass der Mann, mit dem ich zusammenarbeitete, seine Machtstellung nutzte, um viele Frauen über Jahrzehnte einzuschüchtern, sexuell zu belästigen und zu manipulieren." McGowan reagierte empört auf das Erstaunen, das ihrer Aussage nach geheuchelt war.

Für Affleck war die Sache damit noch nicht beendet. Unter seinem Tweet schilderte ein Twitter-Nutzer, der Schauspieler habe während einer MTV-Show im Jahr 2003 seiner Kollegin Hilarie Burton an die Brust gegriffen. "Das haben wohl alle vergessen", hieß es in dem Beitrag. "Habe ich nicht", antwortete Burton. Affleck entschuldigte sich daraufhin für den Vorfall: "Ich habe mich Frau Burton gegenüber unangemessen verhalten und möchte mich aufrichtig entschuldigen".

Die Schauspielerin wandte sich daraufhin an ihre Kolleginnen, die sich nun gegen Weinstein stark machen: "Mädels, ich bin sehr beeindruckt von euch, Ihr seid mutig. Ich musste ihn [Affleck, Anm. d. Red.] damals anlachen, damit ich nicht anfange zu weinen."

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Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow sind wohl die prominentesten Frauen, die ihre negativen Erfahrungen mit Harvey Weinstein öffentlich gemacht haben. Paltrow bezeichnete das Phänomen gegenüber der New York Times als "Casting-Couch-Missbrauch". Viele der Betroffenen seien jung gewesen und hätten am Anfang ihrer Karrieren gestanden - während Weinstein sich bereits erfolgreich in der Filmbranche etabliert hatte. Sie selbst sei 22 Jahre alt gewesen, als der Produzent sie in einer Hotelsuite bat, ihm im Schlafzimmer eine Massage zu geben. "Diese Art, Frauen zu behandeln, endet nun", sagte die Schauspielerin Gwyneth Paltrow im Gespräch mit der New York Times.

Auch Angelina Jolie war erst Anfang 20, als Weinstein sie in ihrem Hotelzimmer bedrängt haben soll. "Ich habe in meiner Jugend schlechte Erfahrungen mit Weinstein gemacht. Als Folge habe ich es abgelehnt, jemals wieder mit ihm zusammenzuarbeiten und habe andere Schauspielerinnen gewarnt", mit diesen Worten zitiert die New York Times die Schauspielerin. "Dieses Verhalten gegen Frauen in jedem Bereich und in jedem Land ist nicht akzeptabel", schrieb Jolie in einer E-Mail an die Tageszeitung.

James Van Der Beek

Quelle: picture alliance/AP Photo

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Die Äußerungen von James Van Der Beek zum Fall Weinstein machen deutlich, dass der US-Produzent kein Einzelfall ist - und dass auch junge Männer in Hollywood von sexuellen Übergriffen betroffen sind. "Mein Hintern wurde angegrabscht von älteren, mächtigen Männern. Sie haben mich in unangemessene, sexuelle Konversationen gedrängt, als ich wesentlich jünger war", twitterte der Schauspieler.

Wie McGowan spricht er von "Machtdynamiken", die sich anfühlen, als wären sie niemals zu überwinden. Deshalb verstehe er die Scham und die Hilfslosigkeit, die viele Frauen verspürten und die sie so lange schweigen ließen.

Heidi Klum arrives at the 2016 American Music Awards in Los Angeles

Quelle: Danny Moloshok/Reuters

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Der Skandal um Weinstein ist auch für Heidi Klum nur ein Symbol für ein wesentlich größeres Problem. Klum moderiert seit Jahren die Castingshow Project Runway, die von Weinsteins ehemaliger Firma produziert wird - jener Firma, die ihn nun wegen der zahlreichen Vorwürfe feuerte. "Ich wünschte, die grausamen Geschichten, die ich über Harvey Weinstein lese, seien eine seltene Erscheinung in unserer Gesellschaft. Aber das stimmt einfach nicht. Wir sollten nicht so naiv sein zu denken, dass solch ein Verhalten nur in Hollywood passiert", sagte Klum dem People-Magazin. Es handle sich nur um ein Beispiel dafür, wie schlecht Frauen weltweit noch immer behandelt würden. "Es wäre sicher schwer, eine Frau zu finden - mich eingeschlossen -, die sich noch nie eingeschüchtert oder bedroht gefühlt hat von einem Mann, der seine Macht, Position oder körperliche Statur ausnutzt."

Ryan Gosling

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Was Van der Beek und Klum aussprechen, wird für noch mehr Größen der Filmbranche zur wichtigsten Erkenntnis aus dem Weinstein-Skandal: "Er steht symbolisch für ein systematisches Problem. Männer sollten zu den Frauen halten und gemeinsam dafür kämpfen, bis die Leute Rechenschaft ablegen und es zu Veränderungen kommt", sagte etwa Ryan Gosling. Auch Gosling arbeitete mit Weinstein zusammen, will aber nicht bemerkt haben, dass dieser Schauspielerinnen belästigte.

97943714

Quelle: AFP

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Er sei ein "Dinosaurier", der in einer Zeit aufgewachsen sei, in der Verhaltensregeln und Arbeitsumfeld anders gewesen seien, versuchte Weinstein seine Taten in einer Erklärung an die New York Times zu rechtfertigen. In dieser Zeit ist auch die 87-jährige Schauspielerin Tippi Hedren bekannt geworden, unter anderem in Filmen des Regisseurs Alfred Hitchcock. Den beschuldigte Hedren bereits vor Jahren, sie sexuell belästigt zu haben. Die Übergriffe hätten ihr Leben runiniert - und Hitchcock sei nicht der erste gewesen.

"Ich war immer wieder mit sexueller Belästigung konfrontiert, während meiner Model- und meiner Filmkarriere", sagte Hedren jetzt. Sie beobachte die Berichterstattung zu Weinstein. "Das ist nichts neues, und es ist auch nicht auf die Filmindustrie begrenzt", zitiert sie der britische Telegraph.

Harvey Weinstein und Georgina Chapman

Quelle: dpa

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Georgina Chapman, die seit 2004 mit Weinstein liiert und seit 2007 mit ihm verheiratet ist, zog wenige Tage nach dem Bekanntwerden der ersten Vorwürfe Konsequenzen. Die 41-Jährige, Mitgründerin des international erfolgreichen Modelabels Marchesa, trennte sich von ihrem Ehemann. In einer öffentlichen Stellungnahme erklärte sie, sie wolle sich um die zwei gemeinsamen Kinder kümmern und bat um die Achtung ihrer Privatsphäre.

© SZ.de/AP/vbol/feko/olkl
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