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Papst in Kuba:Benedikt XVI. trifft Raúl Castro

Benedikt XVI. ist in Havanna mit Präsident Raúl Castro zusammengekommen. Dabei soll über die humanitäre Lage in Kuba gesprochen worden sein, nicht aber über die Situation einzelner politischer Gefangener. Heute soll der Papst den "Máximo Lider" Fidel Castro treffen und eine große Abschlussmesse halten.

Papst Benedikt XVI. ist am zweiten Tag seiner Kuba-Reise mit dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro zu einem Gespräch zusammengekommen. In kurzen Videos war zu sehen, wie Castro den Papst am Dienstag im Präsidentenpalast in Havanna empfing und nach dem knapp einstündigen Treffen hinter verschlossenen Türen wieder verabschiedete.

Bei dem Treffen im Palast der Revolution sei auch über die humanitäre Lage in Kuba gesprochen worden, nicht aber über konkrete Fälle politischer Gefangener, berichtete Papst-Sprecher Federico Lombardi. Der Papst habe angeregt, den Karfreitag auch in Kuba zum Feiertag zu machen.

An diesem Mittwoch soll der Papst auch mit dem früheren kubanischen Staatschef Fidel Castro zusammentreffen. Der Bruder des jetzigen Präsidenten Raúl bestätigte das Treffen. Er werde Benedikt mit Freude empfangen, so wie er auch dessen Vorgänger Johannes Paul II. empfangen habe, schrieb Castro in einer kurzen Erklärung, die am späten Dienstagabend auf der Website der kubanischen Regierung veröffentlicht wurde.

Papst Benedikt XVI. ermahnte das sozialistische Kuba eindringlich zu einer Erneuerung der Gesellschaft und zu einer Öffnung. So rief er bei einer Messe in Santiago de Cuba die Katholiken Kubas dazu auf, "mit den Waffen des Friedens, der Vergebung und des Verständnisses für den Aufbau einer offenen und erneuerten Gesellschaft, einer besseren, menschenwürdigeren Welt zu kämpfen".

Präsident Raúl Castro bekräftigte dagegen das Recht Kubas, seinen eigenen Weg zu gehen. Eine Messe in Havanna ist an diesem Mittwoch Höhe- und Schlusspunkt des päpstlichen Kuba-Besuches.

Politische Reform - nicht vorgesehen

Zu der von Benedikt geforderten "Erneuerung" sagte der für wirtschaftliche Aktualisierungen zuständige Vizepräsident Marino Murrillo vor der internationalen Presse in Havanna: "Eine politische Reform wird es in Kuba nicht geben." Die Wirtschaftsreformen dienten vor allem dazu, das sozialistische Modell zu festigen, erklärte er.

Der Besuch des Papstes fällt in eine Zeit wachsender politischer Spannungen in dem sozialistischen Staat. Präsident Castro hat zwar wirtschaftliche Reformen begonnen. Aber die Forderung, auch aus Kreisen der Kirche, nach weitergehenden Reformen lehnt er ab. Proteste lässt er - gerade auch vor Benedikts Besuch - unterdrücken.

Der Papst hatte bereits auf dem Flug von Rom nach Mexiko auf die Lage in Kuba Bezug genommen. "Die Ideologien des Marxismus, wie sie konzipiert wurden, entsprechen nicht mehr der Realität", hatte er gesagt. Die Kirche wolle dabei mithelfen, mit der notwendigen Geduld an neuen gesellschaftlichen Modellen für die Zukunft zu arbeiten.

Kubas Außenminister Bruno Rodríguez relativierte die Papstkritik mit den Worten, die Regierung respektiere alle Meinungen und sei zu einem "nützlichen" Austausch bereit. Den Oppositionellen aber drohte er: "Diejenigen, die den apostolischen Besuch stören wollen, werden scheitern." Der Papst werde auf ein patriotisches Volk treffen, das stolz auf seine Unabhängigkeit und seine Demokratie sei.

Nach Oppositionsangaben waren am Sonntag Dutzende von Dissidenten vorübergehend festgenommen worden. Die international bekannte Bloggerin Yoani Sánchez kritisierte dies als "ideologische Säuberung", um die Teilnahme von Aktivisten und Dissidenten an den päpstlichen Veranstaltungen und Messen zu verhindern. "Die Messen werden nicht vor der Vielfalt des kubanischen Volkes gefeiert, weil die politische Polizei vielen den Zugang verhindert", schrieb sie.

© Süddeutsche.de/AFP/dapd/dpa/gal/kat
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