Katholische Kirche Papst bezeichnet Homosexualität als "Mode"

Papst Franziskus spricht sich immer wieder gegen die Diskriminierung Homosexueller aus - doch konkrete Handlungen lassen auf sich warten.

(Foto: Alessandra Tarantino/dpa)
  • Papst Franziskus spricht sich in einem Interview gegen homosexuelle Priester aus.
  • Kandidaten für religiöse Orden und Priesterseminare müssten stärker auf ihre sexuellen Neigungen überprüft werden, so das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Papst Franziskus zeigt sich besorgt über Homosexuelle in der katholischen Kirche. "In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche", sagte er in einem Interview, das am Montag in einem Buch auf Spanisch veröffentlicht werden soll.

Als Beispiel schilderte der Papst ein Gespräch mit einem Ordensgeistlichen, der bei einer Visitation in seiner Gemeinschaft auf homosexuelle Studenten und Ordensmitglieder getroffen sei. "'Letztlich, sagte er, ist das nicht so schlimm. Es ist nur ein Ausdruck von Zuneigung.' - Das ist ein Irrtum", so Franziskus. "Im Ordens- und Priesterleben gibt es keinen Platz für eine solche Art von Zuneigung", führte der Papst aus.

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Zugleich räumte er Versäumnisse im Umgang mit Homosexualität in der Priesterausbildung ein. Dass es in der katholischen Kirche homosexuelle Priester und Ordensleute gebe, sehe er mit Sorge, "weil man damit an einem bestimmten Punkt vielleicht nicht gut umgegangen ist", heißt es in dem Interviewband des spanischen Theologen Fernando Prado mit dem Titel "Die Kraft der Berufung". Der Text wurde am Freitag vorab veröffentlicht.

Gläubige hatten sich mehr von Franziskus erhofft

Das Oberhaupt der katholischen Kirche spricht darin von einer "sehr ernsten Angelegenheit." Menschen mit "dieser tiefverwurzelten Tendenz" sollten seiner Meinung nach nicht in Seminaren oder zu religiösen Orden zugelassen werden. Es sei ein "Fehler", zu glauben, dass Schwule in der priesterlichen Ausbildung "nicht so schlimm" seien und Homosexualität nur eine Form der Zuneigung sei. "Im geweihten Leben und im priesterlichen Leben hat diese Art von Zuneigung keinen Platz."

Franziskus drängte in dem Interview darauf, dass Priesteramts- und Ordensanwärteres strenger auf homosexuelle Neigungen geprüft werden, sonst gebe es später Probleme. Homosexuelle Geistliche müssten ebenso wie heterosexuelle konsequent enthaltsam leben. "Es ist besser, dass sie das Priesteramt oder das Ordensleben aufgeben, als ein Doppelleben zu führen", wird der Papst in dem Text zitiert.

Die katholische Kirche lehnt das Ausleben von Homosexualität ab. Franziskus hat sich zwar immer wieder gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben ausgesprochen. Allerdings wurden homosexuelle Gläubige enttäuscht, die darauf hofften, dass Franziskus konkret einen anderen Weg in der katholischen Lehre einschlagen würde. Auch bei der Jugendsynode im Oktober wurde klar, dass es beim Thema Homosexualität vorerst keine grundlegenden Änderungen geben wird.

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