Papst Franziskus Wer I. sagt, muss auch II. sagen

Papst Franziskus der wievielte? Das fragten sich alle nach der Verkündung, Jorge Mario Bergoglio sei der neue Papst und heiße Franziskus. Tatsächlich ist er der erste Papst mit diesem Namen. Warum er trotzdem nicht Franziskus I. heißt.

Von Martin Anetzberger

Jean-Louis Tauran war es, der nach dem Aufsteigen des weißen Rauches am Mittwochabend auf die Benediktionsloggia des Petersdoms trat. Der Kardinalprotodiakon sprach auf Latein zu den Tausenden, die unten standen. Er sagte: "Habemus Papam" (Wir haben einen Papst), und die Menschen auf dem Petersplatz jubelten. Aber sie jubelten nur kurz. Denn das wussten sie schon seit mehr als einer Stunde. Sie interessierte vielmehr, wen die 115 Kardinäle im Konklave zum Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt hatten. Und: Welchen Namen der neue Pontifex tragen würde.

Wenige Sekunden später sagte Tauran, dass Kardinal Jorge Mario Bergoglio der neue Papst sei und: "Er hat sich den Namen Franziskus gegeben." Dann drehte er sich um und verschwand. Wie? Das sollte es gewesen sein? Einfach nur Franziskus? Der wievielte denn? Acht Jahre zuvor hatte der damalige Kardinalprotodiakon, Jorge Arturo Medina Estévez, bei der Verkündung des Papstnamens die Zahl 16 als Attribut genannt - an dem Tag, als aus Kardinal Joseph Ratzinger Benedikt XVI. wurde.

Neuer Papst gewählt

So jubelt Rom

Diesmal nannte Tauran keine Zahl, die 1,2 Milliarden Katholiken wurden einfach im Unklaren darüber gelassen, wie genau ihr neuer Oberhirte jetzt heißen würde. Doch es war keine böse Absicht Taurans und auch kein Insider-Quiz für die Gläubigen, um herauszufinden, ob es denn auf dem Petersplatz irgendjemanden gäbe, der die Namen der mehr als 300 Päpste im Kopf hätte.

Bergoglio ist tatsächlich das erste Oberhaupt der katholischen Kirche, das sich den Namen Franziskus gegeben hat - angelehnt an Franz von Assisi, der den im Jahr 1210 von Papst Innonzenz III. anerkannten Orden der Franziskaner gegründet hatte.

Medien schreiben "Franziskus I."

Der Vatikan wusste das natürlich und verkündete den Papstnamen auf seiner Webseite absolut korrekt: "Habemus Papam Franciscum" prangte da von Mittwochabend an. Viele Medien ließen sich jedoch von der vertrauten Zählweise nicht abbringen und schrieben - wenn auch nur vorübergehend - von "Papst Franziskus I.", genau wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Doch wer I. sagt, muss auch II. sagen, zumindest irgendwann. Damit aus Franziskus Franziskus I. wird, muss sich einer seiner Nachfolger ebenfalls Franziskus nennen.

Das allerdings kann sehr lange dauern. Die Namen Lando, Romanus oder Formosus warten zum Beispiel schon seit mehreren Jahrhunderten darauf, ein zweites Mal aufgegriffen zu werden.

Jetzt ist erst einmal der erste Franziskus Papst, Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien. Franziskus eben.