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Papst-Besuch auf den Philippinen:Der Papatruck

Pope visits Philippines

Der Papst bekommt seinen eigenen Jeepney. In strahlendem Weiß.

(Foto: dpa)
  • Bei seinem Besuch auf den Philippinen wird Papst Franziskus mit einem traditionellen Jeepney durch die Hauptstadt Manila fahren.
  • Die Kreuzung zwischen einem Jeep und einem Jitney (öffentlicher Bus) ist das beliebteste Verkehrsmittel auf den Philippinen.
  • Eigens für den Papst wurde - im Gegensatz zu den sonst schreiend bunten Jeepneys - ein weißes Exemplar gebaut.

Wie nimmt man als Papst ein Bad in der Menge, wenn diese mehrere Millionen Menschen umfasst? Franziskus, dem solche Nähe wichtig ist, wird damit seine Mühe haben auf den Philippinen.

Aber es gibt ja auch andere Wege, um zu zeigen, dass man kein abgehobenes Kirchenoberhaupt ist: zum Beispiel in einem Jeepney fahren. Dieses Auto ist hier Legende. Nichts verkörpert das Leben der einfachen Leute besser als das philippinische Sammeltaxi. Hart gefedert, knallbunt bemalt und unverwüstlich. Es sieht so aus, als gehörte es schon längst nicht mehr in diese Welt.

Aber tatsächlich läuft ohne den guten alten Jeepney auf den Philippinen - nichts. Er ist das billigste und meist gebrauchte Verkehrsmittel auf den Inseln, Tickets beginnen, je nach Strecke, bei umgerechnet 16 Euro-Cent. Viele sprechen mit Stolz über dieses Auto, das schon zum Kulturgut gehört. Manchmal löst er nun auch Debatten aus. Denn er raucht und qualmt viel mehr als andere Wagen. Und der Smog, der Tag für Tag den Großraum Manila mit seinen 15 Millionen Bewohnern einnebelt, wird immer unerträglicher.

Jeepneys in Manila, Philippinen

Normalerweise sind Jeepneys kreischbunt.

(Foto: AFP)

Es ist 22 Uhr. Melvin Ladran, der an diesem Abend die Meldung über den Papst und sein neues Auto im Radio gehört hat, sitzt nun schon 17 Stunden am Steuer. "So einen Jeepney durch die Stadt zu fahren, das ist schon harte Arbeit. Aber ich bin froh, dass ich diesen Job habe", sagt der Vater von vier Kindern. Früher war er bei den Wasserwerken angestellt. Als sie dort Stellen abbauten und ihm kündigten, musste er schnell einen neuen Job finden. Also beschloss er, seine Abfindung in den Kauf eines eigenen Jeepneys zu stecken.

Eine halbe Stunde muss er an diesem Tag noch seine Route abfahren, dann kann er nach Hause. Früh um vier Uhr geht es dann schon wieder raus. Aber Ladran klagt nicht. Stoisch schiebt er sich Zentimeter um Zentimeter vorwärts, am Abend vor dem Papstbesuch herrscht totale Verstopfung auf den Straßen.

16 bis 20 Leute. Mindestens

Im Wort Jeepney verschmelzen der legendäre amerikanische Jeep Willys und der Jitney, wie öffentliche Busse in manchen Ländern heißen. Als die US-Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg von den Philippinen abzogen, ließen sie viele ihrer Jeeps zurück. Die Leute bauten sie aus und um, sie nutzen manchmal Eisenbahnschienen, um die Fahrzeuge zu verlängern. Auf zwei parallelen Sitzbänken finden 16 bis 20 Leute Platz. Mindestens.

Was die mit bunten Sprüchen verzierten und mit polierten Chromteilen aufgepeppten Jeepneys verkörpern? Gemeinsinn, Lebensfreude, Einfallsreichtum, Bastlerleidenschaft. Und manchmal auch einen ausgeprägten Sinn fürs Schräge. Wer Glück hat auf seiner Fahrt durch die große Stadt, erwischt einen Jeepney, der als Hupton ständig ein lautes schepperndes Lachen ausstößt, um seine vom Stau genervten Fahrgäste bei Laune zu halten.

Jeepney auf den Philippinen

Papst Franziskus darf alleine in seinem Jeepney fahren. Meistens ist das beliebteste öffentliche Verkehrsmittel der Philippinen aber heillos überfüllt.

(Foto: AFP)

Welchen Hupton sie in den Jeepney für den Papst eingebaut haben, ist nicht bekannt. Das Auto - eines von drei - ist eine Sonderanfertigung und sieht etwas anders aus als der Klassiker. Statt in knalligen Farben zu glänzen, ist er in schlichtem Weiß gehalten. Und hinter dem Führerhaus ist das Verdeck auf beiden Seiten ganz weit offen. So kann Franziskus der Menge besser zuwinken.

Luxuslimousinen mit Panzerglas hat der Papst bereits als unnötige Sardinenbüchsen abgelehnt, das macht es seinen Wächtern zwar nicht leichter. Aber Bischof Ruperto Santos vom Organisationskomitee in Manila verspricht: "Wir tun alles für seine Sicherheit."

© SZ vom 16.01.2015/dayk