Niedersachsen Trauriges Ende eines Problemwolfs

Wurde als Welpe wohl von Menschen angefüttert: Kurti Anfang März auf einem Feld in Niedersachsen.

(Foto: dpa)

Kurti ließ in Niedersachsen "die nötige Distanz vermissen" und wurde "gemanagt", also erschossen. Daran sind Rotkäppchen und Asterix nicht ganz unschuldig.

Von Martin Zips

Kurti ist tot. Im Heidekreis erschossen. Als Kurti noch Wolfswelpe war, da sollen ihn angeblich Zweibeiner angefüttert haben, von da an hatte Kurti keine Angst mehr vor Menschen.

Aber die Menschen hatten immer mehr Angst vor ihm. Am vergangenen Wochenende soll sich Kurti dann Spaziergängern bis auf wenige Zentimeter genähert haben. Er soll Frauen mit Kinderwagen gefolgt sein und einen Hund gebissen haben. Deshalb wurde Kurti am Mittwochabend gegen 20 Uhr "letal entnommen", wie es im niedersächsischen Amtsdeutsch heißt.

Im Auftrag des Umweltministeriums war er zuvor von einem schwedischen Wolfsexperten mit Gummiknüppeln beschossen worden. "Vergrämungsmaßnahme" nennt man so was. Kurti sollte lernen: Menschen sind gar nicht so nett.

Hat er aber nicht gelernt. Und nun ist Kurti der erste deutsche Wolf seit mehr als hundert Jahren, dem die Staatsgewalt höchstselbst den Garaus machte.

Pressekonferenz zu Kurtis Tod

Eigentlich hieß Kurti MT6. Eine Kennung, die man ihm verpasste, weil er aus einem Rudel stammte, das im Jahr 2011 erstmals am Munster-Truppenübungsplatz wahrgenommen wurde. 2012 wurde er als Tier Nr. 6 geboren. Und da irgendjemand seinen Vater mal Kurt genannt hatte, war "Kurti" als Zweitname nur logisch.

Doch ab 2015 war rund um den Truppenübungsplatz irgendwie jedem klar, dass Kurti "die nötige Distanz vermissen lässt", wie es der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) jetzt auf der Pressekonferenz zu Kurtis Tod formulierte.

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Ein zerrüttetes Verhältnis

Die Beziehung des Menschen zum Wolf gilt schon seit Jahrhunderten als angespannt. Märchen und Filme belegen das völlig zerrüttete Verhältnis, man spricht vom "Rotkäppchen-Syndrom". Von Sachsen bis NRW organisieren Behörden mittlerweile bunte Informationsabende, um das Image des Raubtiers aufzupolieren.

Doch die Wolfsangst sitzt tief. Selbst wer kein einziges Schaf besitzt, glaubt oft, der Wolf habe immer nur Böses im Sinn. Und durch Kurtis kleine Verhaltensstörung hatte dieses Vorurteil zuletzt wieder neue Nahrung erhalten.