SZ-Kolumne "Bester Dinge":Asche zu Strom

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(Foto: Lightwell/Porail)

Wie alte, fest installierte Aschenbechersäulen in den Niederlanden zweckentfremdet wurden - und jetzt E-Bike-Fahrern helfen.

Von Titus Arnu

"Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen", heißt es recht optimistisch beim Propheten Micha im Alten Testament, "kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen." Na ja, schön wär's. Hat nicht ganz geklappt, sorry, Micha.

Aber es sind immer wieder Ansätze zu beobachten. Nach dem Prinzip "Schwerter zu Pflugscharen" wandeln Menschen potenziell tödliche Dinge in nützliche Dinge um: Eine schwedische Firma stellt Uhren aus dem Metall zerstörter Waffen her. In Thüringen werden Panzer verschrottet und zu Kochtöpfen gemacht. Und in Holland werden jetzt Aschenbecher zu E-Bike-Ladestationen umgebaut.

Die Niederlande wollen bis 2040 komplett rauchfrei sein. Rauchen ist an allen Bahnhöfen schon jetzt verboten, die fest installierten, säulenförmigen Aschenbecher an Bahnsteigen und in Wartebereichen sind überflüssig. Die Firma Lightwell aus Amsterdam hat eine Ladestation für E-Bikes entwickelt, die ohne großen Aufwand in die Aschenbecher-Säulen integriert werden kann. Anstatt Nikotin zu saugen, können Menschen dort in Zukunft Strom für ihre Fahrräder saugen. Das ist Upcycling im besten Sinn - und motiviert vielleicht noch mehr Menschen, mit Fahrrad und Bahn zur Arbeit zu pendeln.

Jetzt fehlen nur noch die Wohnungen unter Weinstöcken und Feigenbäumen. Und die ganzen Waffen müssten auch noch zu sinnvollen Sachen recycelt werden.

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