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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Ordnung muss nicht sein

(Foto: Martin Dehof)

Wie die Stadt Germersheim in Rheinland-Pfalz Weihnachtseinkäufer mit einem kuriosen Strafzettel überrascht.

Von Moritz Geier

Das rheinland-pfälzische Städtchen Germersche liegt am linken Rheinufer zwischen Mannheim und Karlsruhe, hat 20 000 Einwohner, eine alte Festung, das Weißenburger Tor des Architekten Friedrich von Gärtner und zwei Rumpelmannschaften in der B-Klasse Südpfalz Ost. Germersche heißt eigentlich Germersheim, aber so nuschelt man das eben hin im Pfälzischen. In der ersten Liga spielt Germersche im Straßenwesen, denn hier und nirgendwo sonst steht das Deutsche Straßenmuseum. Das nur als Hintergrund für folgende Geschichte aus der museumsreifen Gegenwart.

Bürgermeister Marcus Schaile macht sich Sorgen um die Gewerbetreibenden der Stadt, so hat er es der Bild-Zeitung erzählt. Es sind ja harte Zeiten. Und dass die Menschen jetzt lieber online kaufen, das fand der Bürgermeister eher so B-Klasse Südpfalz Ost. Also hat er sich überlegt, wie man die Menschen in die Geschäfte bringen könnte, und da ist ihm ein besonderer Anreiz eingefallen: Kulanz.

Jedenfalls finden Autofahrer, die bei der Parkzeit überzogen haben, jetzt einen ungewöhnlichen Strafzettel an der Frontscheibe: "Ho Ho Ho ... das war knapp!", steht darauf, darunter der Hinweis, dass die Straßenverkehrsordnung auch zur Weihnachtszeit gelte. "Sie haben bestimmt nur nicht daran gedacht und Ihr Kfz nicht entsprechend der StVO geparkt / abgestellt. Heute sehen wir von einer Anzeige bzw. einem Verwarngeld ab." Ja, wirklich, eine freundliche Spielerei mit der Straßenverkehrsordnung, Milde von einem deutschen Ordnungsamt. Und jetzt ab damit ins Straßenmuseum.

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