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Nach Tod des Altkanzlers:Maike Kohl-Richter ist Alleinerbin

Trauerfeierlichkeiten für Altkanzler Kohl

Maike Kohl-Richter bei der Trauerfeier für Helmut Kohl im Dom in Speyer. Die Witwe ist die Alleinerbin des Altkanzlers.

(Foto: dpa)
  • Alleinerbin von Helmut Kohl ist seine zweite Ehefrau Maike Kohl-Richter. Das geht aus dem Erbschein des Nachlassgerichts in Ludwigshafen hervor, berichtet der Spiegel.
  • Nach einem Bericht der Bild am Sonntag gehen die Söhne und Enkel Kohls aber nicht leer aus - sie wurden noch zu dessen Lebzeiten ausbezahlt.
  • Was mit den Schriftstücken Kohls aus der Zeit seiner Kanzlerschaft geschieht, ist noch unklar.

Nach dem Tod seines Vaters will sich Walter Kohl verabschieden. Er klingelt an der Tür seines Elternhauses in Ludwigshafen-Oggersheim, doch die Tür bleibt verschlossen. Die Witwe und zweite Ehefrau des Kanzlers, Maike Kohl-Richter, bestimmt, wer rein darf und wer nicht. Ein trauriger Höhepunkt des Streits, der die Familie seit Jahren entzweit. Kurz nach dem Tod des Altkanzlers steht deshalb auch schnell die Frage im Raum, wer nun was erben wird. Jetzt ist klar, Maike Kohl-Richter ist die Alleinerbin des im Juni verstorbenen CDU-Politikers. Dies gehe aus dem Erbschein hervor, den das Nachlassgericht in Ludwigshafen am Rhein am 10. August ausgestellt hat, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Einige Wochen nach dem Tod Helmut Kohls hatte Walter Kohl in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" berichtet, dass über das materielle Erbe seines Vaters schon vor einigen Jahren entschieden worden sei. "Das Thema Erbschaft in der Familie ist komplett erledigt." Auf die Initiative seines Bruders Peter hin habe die Familie bereits eine juristische Klärung vom Landgericht Frankenthal erwirkt. Nach einem Bericht der Bild am Sonntag wurden die Söhne und Enkel Kohls noch zu dessen Lebzeiten ausbezahlt. Demnach unterzeichneten die Kohl-Söhne im April 2016 einen Erb-Pflichtteilsverzicht. Sie sollen im Gegenzug jeweils 400.000 Euro erhalten haben, die beiden Enkelkinder jeweils 100.000. Die Gesamtsumme von einer Million Euro habe in etwa ihrem Pflichtanteil entsprochen.

Maike Kohl-Richter hatte in den Wochen nach dem Tod Helmut Kohls deutlich gemacht, dass sie die Fäden in der Hand hält. Sie setzte durch, dass es in Deutschland keinen Staatsakt für den Altkanzler gab, sondern einen Trauerakt in Straßburg. Statt im Familiengrab in Ludwigshafen wurde Kohl anschließend in Speyer beerdigt. Die beiden Söhne nahmen an der Trauerfeier nicht teil.

Zum Nachlass Kohls zählen nicht nur das Vermögen und private materielle Dinge, sondern auch Akten, Terminkalender und Notizbücher. Walter Kohl hatte sich gewünscht, dass diese Schriftstücke seines Vaters an eine Stiftung gehen sollen, die sie neutral, unabhängig und professionell aufbewahrt - ohne, dass ein Familienmitglied darauf Einfluss haben könnte.

Auf diese Akten erhebt das Bundesarchiv Anspruch. Dessen Präsident hatte wenige Tage nach dem Tod des Altkanzlers der Witwe geschrieben und sie um die Herausgabe des staatlichen Schriftguts ihres Mannes gebeten. Aber auch die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) möchte Akten zurück haben, die Kohl einige Jahre im KAS-Archiv lagerte und sich zwischenzeitlich wieder zurück in sein Privathaus in Oggersheim holte. Wie mit den Schriftstücken nun verfahren wird, wird wohl ebenfalls Alleinerbin Maike Kohl-Richter entscheiden.

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