Kurz vor Prozessauftakt:19 weitere Beschuldigte im Missbrauchsfall Münster ermittelt

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Der Missbrauchsfall in Münster weitet sich immer mehr aus: Die Staatsanwaltschaften gehen nun von insgesamt 30 Beschuldigten aus. In zwei Tagen beginnt der Prozess.

Zwei Tage vor dem Prozessbeginn um den Missbrauchskomplex Münster gehen die Staatsanwaltschaften von 30 Beschuldigten mit Bezug zu dem ausufernden Fall aus. Zusätzlich zu den bereits von der Staatsanwaltschaft Münster angeklagten Fällen haben Ermittler in Köln in den vergangenen Wochen inzwischen 19 zunächst unbekannte Beschuldigte aus mehreren Bundesländern identifiziert, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln am Dienstag sagte. Der WDR hatte zuvor berichtet.

Nach Angaben des Sprechers waren ihnen Spezialisten der Ansprechstelle Cybercrime in Köln auf die Spur gekommen, nachdem sie im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall Münster eine große Menge Datenmaterial mit zunächst unbekannten Tatverdächtigen ausgewertet hatten. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt zudem gegen einen im Saarland festgenommenen Franzosen sowie gegen einen Kölner. Genaue Angaben zu den einzelnen Verfahren machte die Staatsanwaltschaft am Dienstag nicht. Die Ermittlungen dauerten an, zum Teil seien noch Durchsuchungen geplant, sagte der Sprecher.

Der Hauptangeklagte ist der 27-jährige Lebensgefährte der Mutter

Nach der Identifizierung der Tatverdächtigen übernehmen in der Regel die Ermittler vor Ort die weiteren Verfahren, wie der Sprecher erklärte. Ihren Ausgangspunkt haben die umfangreichen Ermittlungen in Münster. Dort war im Frühsommer 2020 ein 27-Jähriger aufgeflogen, der immer wieder den Sohn seiner Lebensgefährtin vergewaltigt und ihn über das Internet anderen Männern für schwere sexuelle Gewalttaten überlassen haben soll. Die Staatsanwaltschaft Münster hat acht Männer sowie die Mutter des mutmaßlichen Haupttäters angeklagt.

Am Donnerstag beginnt das Gerichtsverfahren gegen den Hauptangeklagten und vier mutmaßliche Mittäter. Der Prozess wird sich vor allem um Taten in einer Gartenlaube drehen. Die drei angeklagten Männer sollen dort im April über Tage hinweg zwei Jungen mehrfach betäubt und immer wieder schwer missbraucht haben. Auf der Anklagebank sitzt auch die Mutter des Hauptangeklagten: Ihr gehört die Gartenhütte. Sie soll von dem Geschehen dort gewusst haben.

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