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SZ-Kolumne "Mitten in ...":Frikadellenwender trifft Bananenbieger

Bei einem Heimatbesuch im Niederbergischen Land erkennt unser Autor die Kernkompetenz seiner Landsleute: das Erfinden liebreizender Spitznamen. Drei Anekdoten aus Deutschland und Europa.

Mitten in ... Wülfrath

Illustration: Marc Herold

"Ah, der Frikadellenwender!" Der Alte, der da auf einer Bank sitzt, lächelt listig unter einer Schirmmütze in die fast schon frühsommerliche Abendsonne. "Wat is, du Bananenbieger", lässt sich der angesprochene Jüngere, die Fußgängerzone von Wülfrath bereits kurzbehost durchschreitend, nicht lumpen und setzt im nächsten Atemzug nach: "Wat machste?" - "Warten." - "Auf wen?" - "Den O-Beinigen", bescheidet der Alte. "Den Torwart?" - "Nee, den Jürgen." - "Wat will der denn hier?" - "Wooohnung!" - "Wie, Wohnung?" Der Jüngere alias Frikadellenwender will mehr wissen: "Bei dir?" - "Nee, da kommt keiner hin!", beendet der Banksitzer das Thema zackig, denn: "Guck ma da: der Jürgen!" - "Wo?" - "Da unten. Den kannste doch am Gang erkennen!" Nach längerer Zeit mal wieder zu Hause im Niederbergischen Land. Auch schön. Jörg Buschmann

Mitten in ... München

Illustration: Marc Herold

Im Haus sind neue Leute eingezogen, sie haben zwei kleine Mädchen, etwa vier und sechs Jahre alt. Sie spielen unter meinem Balkon Indianer. In einer Puppenküche wird Heilkräutertee gekocht, weil die Indianer das auch so gemacht haben. Alles zunächst friedlich im Wigwam unter dem Balkon, doch plötzlich Gebrüll. Ein hinterhältiger Angriff eines feindlichen Stammes aus der Nachbarschaft? Aber da ist niemand. Da schreit die Kleinere: "Indianer haben aber kein iPad!" Das stößt offenbar auf Widerspruch, die große Schwester kräht noch ein bisschen lauter. Es erscheint die Mutter, will in guter Häuptlingstradition schlichten und wendet sich an ihre Tochter: "Aber in der Fantasie deiner Schwester können die Indianer doch alles haben." Stille. Aber nur kurz. Dann wieder die Jüngere: "Aber nicht in meinem Stamm." Howgh, ich habe gesprochen. Christiane Schlötzer

Mitten in ... Brüssel

Illustration: Marc Herold

Der Burgerladen gegenüber verkauft jetzt auch Kaffee zum Mitnehmen, auf der Tafel stehen diverse hippe Varianten. Die erste Bestellung scheint den Mann hinter dem Tresen allerdings herauszufordern: "Einen Flat White, bitte!" Er zögert. "Bei dem ist die Milch nicht so schaumig, oder?" "Doch, schon." Der junge Mann überlegt. "Ist der mit viel oder mit wenig Milch?" "So wie bei einem Cappuccino etwa. Müsstest du nicht wissen, wie man den macht? Immerhin steht er auf deiner Tafel!" Der Mann: "Ich hab ja erst diese Woche angefangen. Kuhmilch?" "Bitte, ja!" Er blickt in den Kühlschrank. "Oh, die ist alle. Hafer auch okay?" "Dann lieber einen Espresso!" "Oder soll ich nicht doch einen Americano machen?" Es heißt, gerade jetzt müsse man die lokale Gastronomie unterstützen. Offenbar ist damit nicht nur Unterstützung mit Geld gemeint. Karoline Meta Beisel

© SZ/nas
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:Zackbummboing

Gibt es ein besseres Lockdown-Hobby, als Apparate zu bauen, die einfache Dinge unnötig verkomplizieren? Über die Faszination sinnloser Kettenreaktionen.

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