Vatikan Die Kirche will "dem Monster in die Augen schauen"

Auf der Pressekonferenz informierten Vertreter des Vatikans über den anstehenden Missbrauchsgipfel.

(Foto: AP)
  • Drei Tage vor Beginn der Missbrauchkonferenz im Vatikan informiert die Kirche über die Ziele des mehrtägigen Treffens.
  • Papst Franziskus will die Glaubwürdigkeit der Kirche wiederherstellen, zugleich aber auch den Bischöfen Handlungsanweisungen geben.
  • Zuvor kritisierten Missbrauchsopfer die Haltung einiger Bischöfe und warfen ihnen Ignoranz vor.

Der Interims-Pressesprecher des Vatikan wählte große Worte, um die Pressekonferenz zu eröffnen, die über die von Papst Franziskus initiierte Konferenz zu sexuellem Missbrauch in der Kirche informieren sollte. "Es bedarf der Anstrengung aller, um diesem Monster in die Augen zu schauen", sagte Alessandro Gisotti, bevor er das Wort an die anderen Anwesenden weitergab. Es soll nicht nur um eine kritische Selbstbetrachtung der größten Religionsgemeinschaft der Welt gehen. Bei dem Treffen sollen vielmehr auch Handlungsanweisungen an Kirchenvertreter erarbeitet werden, um mit neu auftretenden Missbrauchsfällen richtig umzugehen, vor allem aber, um solche Fälle überhaupt zu verhindern.

Bischof Charles Cicluna erläuterte die Ziele für die Konferenz: "Die Betonung der Verantwortung der Kirche, die Rechenschaftspflicht für Missbrauchsfälle und Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit." Die Kirche müsse "wieder zu dem sicheren Ort werden, der sie schon immer sein sollte." Im Rahmen der Konferenz diskutiert die Kirche nicht nur über ihre Haltung, es soll auch Treffen mit Opfern geben.

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Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat zuvor die Vorbereitungen für die Konferenz kritisiert. Es seien weder die Daten noch das "Know-how" der Glaubenskongregation, die für Missbrauchsfälle zuständig ist, abgefragt worden, noch die päpstliche Kinderschutzkommission konsultiert worden. "Ich hoffe, dass es anderweitig gelingt, wissenschaftliche Standards einzuhalten", sagte der ehemalige Chef der Glaubenskongregation der Deutschen Presse-Agentur.

"Man verspielt die Chance eines Neuanfangs, wenn man sich in vagen und verallgemeinerten Schuldzuweisungen an "die" Kirche oder "die" Priester aus der Affäre zieht", betonte Müller. Die wahren Ursachen für Missbrauch von Kindern seien unter anderem "im Niedergang des priesterlichen Ethos in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts" und in der Nichtbeachtung des sechsten Gebotes - du sollst nicht Ehebrechen - zu finden.

Müller sieht die katholische Kirche unter Generalverdacht gestellt. "Das mediale Interesse richtet sich derzeit fast nur auf die katholische Kirche." Missbrauch komme aber in allen gesellschaftlichen Gruppen vor - sowohl bei verheirateten als auch bei unverheirateten Menschen. Der Zölibat - also die Ehelosigkeit von Priestern - trage nicht zu Missbrauch bei.