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Schiffsunglück:Helfer versuchen Ölkatastrophe auf Mauritius abzumildern

Frachter vor Mauritius verliert Öl

Die Wakashio vor Mauritius. Rund ein Viertel der 4000 Tonnen Öl sollen bereits ausgelaufen sein.

(Foto: dpa)

Die Behörden kämpfen mit den Folgen eines Schiffsunglücks, schlechtes Wetter könnte die Arbeiten behindern. Das austretende Öl droht 20 Jahre Bemühungen um ein Naturschutzgebiet auf einen Schlag zunichte machen.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Behörden und Helfer auf Mauritius versuchen, die Ölkatastrophe abzumildern, die sich nach einem Schiffsunglück vor zwei Wochen in den vergangenen Tagen verschärft hat. Bislang sei ein Tank des auf Grund gelaufenen Frachters gerissen, sagte Vikash Tatayah von der Mauritian Wildlife Foundation (MWF), der bei der Bewältigung der Krise mithilft, der Deutschen Presse-Agentur.

Das Schiff hatte etwa 4000 Tonnen Öl in seinen Tanks, am Donnerstag begann es auszutreten. Es könne zu weiteren Rissen und größeren Ölaustritten kommen, sagte Tatayah: "Ich befürchte, dass es schlimmer wird."

Derzeit bemühen sich Behörden und Helfer, das bereits ausgelaufene Öl zu entfernen und das restliche Öl im Frachter abzupumpen, wie Tatayah von der MWF erklärte. Dies gehe aber nur langsam voran: "Die Aufgabe ist enorm."

Frachter vor Mauritius verliert Öl

Taucher kämpfen vor Mauritius gegen das Öl.

(Foto: Georges De La Tremoille/dpa)

Die Wakashio war ohne Fracht auf dem Weg nach Brasilien und ging bereits am 25. Juli vor Mauritius auf Grund. Die Ursache ist bislang unklar. Zunächst habe man versucht, das 300 Meter lange Schiff wieder flott zu bekommen, erklärte Nagashiki Shipping, der Besitzer des Frachters. Doch wegen der schlechten Wetterbedingungen habe man wenige Fortschritte machen können. "Wir entschuldigen uns zutiefst bei den Menschen in Mauritius und bei den Betroffenen dafür, dass wir ihnen so viele Probleme bereitet haben", teilte das japanische Unternehmen mit.

Am Sonntag soll sich die Wetterlage verschärfen

Ministerpräsident Pravind Jugnauth warnte, das Leck stelle eine Gefahr für sein Land mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern dar. Es sei massiv auf den Tourismus angewiesen und schon von den Folgen der Corona-Krise stark gebeutelt. "Unser Land hat nicht die Fähigkeiten und die Expertise, um gestrandete Schiffe wieder flottzumachen", sagte Jugnauth. Schlechtes Wetter habe ein Handeln unmöglich gemacht. Ihn treibe die Sorge um, was am Sonntag passieren könnte, wenn sich die Wetterlage verschärfe.

Mauritius' Umweltminister Kavy Ramano hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass ein Team zwar zu einem Einsatz am Schiff entsandt, jedoch wieder abgezogen worden sei, nachdem Risse am Rumpf entdeckt wurden. Es seien aber 400 Ölsperren errichtet worden, um die Verschmutzungen zu unterbinden.

Ölsperren sollen verhindern, dass sich der Ölteppich weit ausbreitet.

(Foto: Georges de La Tremoille/AP)

Nachdem Regierungschef Pravind Jugnauth einen Umwelt-Notstand ausgerufen und um Hilfe aus dem Ausland gebeten hatte, sicherte unter anderem Frankreich Unterstützung zu. "Wenn die biologische Vielfalt gefährdet ist, besteht dringender Handlungsbedarf", schrieb Präsident Emmanuel Macron auf Twitter. "Frankreich ist da." Man werde ein Flugzeug und ein Marineschiff mit Experten und Material aus La Réunion schicken, teilte der Präfekt der Insel mit. La Réunion gehört zu Frankreich und liegt etwa 230 Kilometer südwestlich von Mauritius.

Umweltschützer sind sehr besorgt über die Auswirkungen des Desasters. Der Frachter liegt auf einem Riff inmitten einer Lagune auf der Südostseite von Mauritius. Eine kleine, nahe gelegene Insel - ein Naturschutzgebiet - sei direkt von dem Öl-Austritt betroffen, erklärte Tatayah. "Ich habe tote Fische gesehen und Krabben, die von dem Öl bedeckt sind." Die Lagune sei in den vergangenen Jahren mit viel Arbeit wiederhergestellt worden. Die Katastrophe mache "20 Jahre der Restauration zunichte".

Frachter vor Mauritius verliert Öl

Das ausgelaufene Öl könnte einige der gerade bei Touristen so beliebten Strände verdrecken.

(Foto: dpa)

Es wurden Ermittlungen in die Wege geleitet, um die Ursache des Unglücks zu finden. Tatayah zufolge hätte das Schiff nie so nah an das Festland herankommen dürfen. Demnach ist es in den vergangenen fünf Jahren bereits zu vier Schiffsunglücken gekommen, zwei davon in der Nähe des jetzigen. Der Inselstaat Mauritius liegt vor der Küste Madagaskars im Indischen Ozean. Er ist bei Touristen wegen seiner Strände, Korallenriffe und reichhaltigen Tierwelt sehr beliebt.

© SZ.de/dpa/ap/che
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