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Mailand:Wie neue Palmen vor dem Mailänder Dom zum Politikum wurden

Verkohlter Anblick: Die Palmen gegenüber dem Mailänder Dom wurden angezündet.

(Foto: AFP)
  • Starbucks finanziert einen exotischen Garten vor dem Mailänder Dom.
  • Palmen und Bananenstauden sorgen erst für Kritik von Gartenbau-Experten, dann entdeckt die politische Rechte das Thema für sich.
  • Nach einer Demonstration steht eine der Palmen in Flammen.

Von Lea Kramer

Restaurant- und Café-Ketten aus den USA haben es in Italien schwer. McDonald's in einem vatikanischen Gebäude gleich neben dem Petersplatz? Geht nicht! Ein Starbucks vor dem Mailänder Dom? Ausgeschlossen! Jetzt wollte Starbucks mit dem Sponsoring eines exotischen Gartens auf dem Domplatz sein Image aufbessern - ohne Erfolg. Inzwischen hat die politische Rechte das Thema für sich entdeckt. Nach einer Demonstration am Wochenende stand gar eine Palme in Flammen.

Doch von vorne: Die Mailänder nehmen weniger Anstoß am Engagement des US-Konzerns, sondern mehr an der Art der immergrünen Bepflanzung, die für die Umgestaltung der piazza duomo ausgewählt wurde. Das Gewächs ist etwa zehn Meter hoch, hat einen faserigen Stamm und eine Krone mit grünen Fächern: Trachycarpus fortunei ist ihr botanischer Name, der gemeine Gärtner kennt sie als chinesische Hanfpalme.

42 Exemplare sollten gegenüber der berühmten gotischen Kathedrale angepflanzt werden, hinzu kommen Bananenstauden, Sträucher, Gräser und Blumen der Saison (Begonien, Hortensien, Hibiskus). Das Arrangement wurde von dem Mailänder Landschaftsarchitekten Marco Bay auf Initiative der Stadtverwaltung entworfen. Drei Jahre lang sollte der exotische Garten den Platz schmücken, ihn "erfrischen", wie die Stadt bei der Eröffnung mitteilte.

Die erste Palme konnte noch nicht einmal Wurzeln schlagen, da meldeten sich bereits die ersten Kritiker zu Wort. Aus ökologischer Sicht seien Pflanzen sinnvoller, die in Italien heimisch seien - keine Palmen aus Asien, sagte ein Experte für Gartenbau der Universität in Florenz der Zeitung Corriere della Sera. Mit dem Satz "Mailand ist nicht Miami", wird eine Landschaftsgärtnerin zitiert. Sie argumentiert mit Klimawandel und dem Verlust von Biodiversität in ihrer Heimat, schließlich sollen auch afrikanische Bananenstauden den Platz schmücken.

Afrika und der Schutz von nationalen Interessen - und sei es nur der des Ökosystems - sind das Auftrittsignal für Mailands Rechte. "Da fehlen nur noch die Affen", mischt sich der rechtspopulistische Europa-Politiker Matteo Salvini in die Debatte ein. Der frühere Vize-Bürgermeister von Mailand, Riccardo De Corato, von der nationalkonservativen Partei Fratelli d'Italia, pflichtet ihm bei: "Damit wird die Afrikanisierung Mailands vervollständigt". De Corato ist für seine Stimmungsmache gegen schwarze Migranten bekannt, sieht Mailand auf dem Weg zum "Klein-Afrika". Einen Garten mit Pflanzen aus deren Heimat vor einer europäischen Kathedrale empfindet er als Affront.

Prompt finden sich Anhänger der fremdenfeindlichen Partei Lega Nord sowie der Neofaschisten CasaPound Italia (CPI) am Samstag zu einer Demonstration auf der Piazza ein. Sie haben die italienische Flagge und Transparente mit der Aufschrift "Verteidige Mailand" dabei. Ein paar Stunden später steht eine der neuen Palmen in Flammen. Auf einem Überwachungsvideo ist der Polizei zufolge eine Gruppe von Jugendlichen zu sehen, die versucht mehrere der Bäume anzuzünden. Die Behörde habe die Verdächtigen verhört. Zu weiteren Details macht die Polizei keine Angaben.

Für Sponsor Starbucks ist die Kontroverse alles andere als ein PR-Erfolg, dabei will die Firma die Italiener doch milde stimmen: Im kommenden Jahr will die Kaffeekette 200 Filialen im Land eröffnen und damit auch den Angriff auf Italiens traditionelle Cafés starten. Dann wird sich erweisen, ob die verkohlte Palme ein schlechtes Omen für die Expansionspläne war.

Mit Material von AFP.

© SZ.de/joku
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