Busunglück auf Madeira 15 Verletzte zurück nach Deutschland gebracht

Ein Airbus der Luftwaffe ist mit 15 Verletzten des Busunglücks auf Madeira auf dem Flughafen Köln-Bonn gelandet.

(Foto: dpa)
  • Rechtsmediziner haben die Autopsie der 29 Todesopfer des Busunglücks auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira abgeschlossen.
  • Bei dem Unfall im Ort Caniço nahe der Hauptstadt Funchal waren am Mittwochabend 29 Urlauber getötet worden.
  • Ein Airbus der Luftwaffe hat am Samstag 15 Verletzte nach Deutschland zurückgebracht.
  • Die Rückkehrer stammen aus vier Bundesländern, darunter drei verschiedene Regionen in NRW.

Drei Tage ist es nun her, dass auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira ein Bus mit Touristen verunglückte. 29 Menschen starben, weitere 28 wurden meist schwer verletzt. Noch ist die Unglücksursache unklar. Mehrere Überlebende haben in portugiesischen TV-Sendern von einem Versagen der Bremsen berichtet, auf Bildern von Überwachungskameras sieht man, dass der Bus viel zu schnell fuhr, bevor er in einer abschüssigen Linkskurve von der Fahrbahn abkam und die Böschung hinabschoss. Doch die Polizei auf Madeira will sich nicht an Spekulationen beteiligen. Erste Ergebnisse der Untersuchungen sollen in der Woche nach Ostern vorliegen, heißt es.

Noch sind auch nicht alle Leichen endgültig identifiziert. Das portugiesische Justizministerium gab am Freitagabend zwar bekannt, dass die Autopsie der 29 Todeopfer inzwischen abgeschlossen sei. Im Laufe des Samstags würden aus Deutschland aber noch Akten mit Fingerabdrücken und zahnärztlichen Daten erwartet. Erst dann gibt es Gewissheit. Und erst dann werden die Behörden vermutlich Einzelheiten zu den Opfern und ihrer Herkunft mitteilen. Bisher hieß es öffentlich lediglich, dass die überwiegende Mehrzahl der Opfer wahrscheinlich Deutsche aus verschiedenen Landesteilen seien.

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Die Urlauber wollten am Mittwoch vom Hotel Quinta Splendida in dem Ort Caniço zu einem traditionellen Abendessen in die Inselhauptstadt Funchal fahren. Madeira, auch als Blumeninsel bekannt, liegt knapp 1000 Kilometer südwestlich von Lissabon entfernt im Atlantik. Die überwiegend bergige Insel ist neben der Algarve an der Südküste des Festlandes das beliebteste Gebiet deutscher Portugal-Touristen. Nach Madeira kommen insbesondere Rentner, Familien und Naturliebhaber, weniger Partytouristen. Der Ort Caniço, wo der Bus verunglückte, gehört zu den wichtigsten Touristenzentren des Landes.

Von ursprünglich 28 Menschen, die das Unglück verletzt überlebten, lagen bis Samstagmorgen noch 16 in der Klinik, unter ihnen waren auch der Busfahrer und die Reiseleiterin, beides Portugiesen. Die anderen Verletzten waren bereits zuvor entlassen worden.

Die meisten Überlebenden der Buskatastrophe von Madeira landeten am Karsamstag mit einer Sondermaschine der Bundeswehr in Köln. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte die Verletzten nach Angaben der Staatskanzlei im militärischen Teil des Flughafens in Köln-Wahn. Die 15 Verletzten an Bord der Maschine stammen aus dem nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis, dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein sowie aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg, wie die Stadt Köln mitteilte.

Laschet dankte den Rettungssanitätern, Ärzten und der Besatzung der fliegenden Intensiv-Station des Airbus "MedEvac". Das Luftwaffen-Flugzeug ist eine Art fliegendes Krankenhaus: An Bord können sechs Patienten intensivmedizinisch versorgt werden, weitere 16 Plätze sind mit Monitoren ausgestattet, so dass die Vitalfunktionen ständig kontrolliert werden können. Insgesamt kann das Flugzeug 44 liegende Patienten aufnehmen. Die Luftwaffe hält den sogeannten MedEvac-Airbus auf dem Flughafen Köln-Wahn stets in 24-Stunden-Bereitschaft.

Am Karfreitag hatten Überlebende und ihre Angehörigen in Funchal an einem Gedenkgottesdienst teilgenommen. Zu der Trauerfeier hatte Ilse Everlien Berardo, die Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Kirche auf Madeira, eingeladen. Einige der Gäste hätten deutliche Verletzungen am Körper und im Gesicht gehabt, berichtete die Zeitung Correio da Manhã. Die 45-minütige Veranstaltung, an der auch Portugals Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa teilnahm, fand hinter verschlossenen Türen statt. "Portugal trauert, Deutschland trauert, und die Solidarität kommt aus dem Herzen beider Nationen, und nicht nur dieser beiden Nationen", sagte Berardo vor Beginn der Trauerfeier. "Wir sind dankbar für alle tröstlichen Worte."

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