Explosionen in Treibstofflager:Kuba bangt um seine Stromversorgung

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Explosionen in Treibstofflager: Flammen und Rauch steigen von dem brennenden Treibstofflager in der Nähe des Hafens von Matanzas auf.

Flammen und Rauch steigen von dem brennenden Treibstofflager in der Nähe des Hafens von Matanzas auf.

(Foto: Ismael Francisco/dpa)

Vier Tage nach einer Explosion in einem Treibstofflager im Norden von Kuba ist das Feuer immer noch nicht unter Kontrolle. Nun fällt immer wieder stundenlang der Strom aus.

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

Es ist ein verzweifelter Kampf: Seit Tagen versuchen Soldaten, Feuerwehrleute und extra angereiste Spezialisten einen Großbrand zu löschen, der in in einem Treibstofflager in der kubanischen Küstenstadt Matanzas ausgebrochen ist. Schon am Freitagabend hatte dort während eines Gewitters ein Blitz eingeschlagen. Ein Tank explodierte, meterhohe Flammen schossen in den Himmel. Bald griff das Feuer auch auf andere Teile der Anlage über, ein zweiter Tank fing Feuer und stürzte in der Nacht auf Montag ein und steckte dabei ein drittes Treibstofflager in Brand.

"Die Situation ist enorm kompliziert", sagte der Gouverneur von Matanzas, Mario Sabines, örtlichen Medien. Das Areal, in dem das Feuer ausgebrochen ist, sei riesig. Mit dem Brand in dem dritten Tank habe sich die Lage noch einmal verschlimmert. Dazu erschweren Windböen die Löscharbeiten.

Explosionen in Treibstofflager: Tage nach dem Blitzeinschlag steigt noch immer die Rauchwolke aus dem Treibstofflager auf. Die Behörden warnen vor der Gefahr giftigen Regens.

Tage nach dem Blitzeinschlag steigt noch immer die Rauchwolke aus dem Treibstofflager auf. Die Behörden warnen vor der Gefahr giftigen Regens.

(Foto: Ismael Francisco/dpa)

Einen Treibstoffunfall dieser Größenordnung hat es in Kuba bisher noch nicht gegeben Die kubanische Regierung hat auch deshalb mittlerweile andere Staaten um Hilfe gebeten. Experten aus Mexiko und Venezuela sind vor Ort. Selbst die USA boten Hilfe an, dabei ist man dort seit Jahrzehnten bitter verfeindet mit der sozialistischen Karibikinsel und hat diese mit schweren Sanktionen belegt.

Kubanischen Behörden zufolge wurden bei den Explosionen und den Löscharbeiten schon mehr als 120 Menschen verletzt, es gibt mindestens einen Toten und über ein Dutzend Vermisste. Die Folgen für die Gesundheit und die Umwelt sind noch nicht absehbar. Tausende Anwohner aus umliegenden Gebieten wurden evakuiert. Menschen berichten von Gas- und Brandgeruch, Bilder und Videos zeigen eine riesige, tiefschwarze Rauchfahne, die vom Treibstofflager aus in den Himmel steigt. Laut Umweltministerium sind bei dem Brand Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid freigesetzt worden. Die Behörden warnen vor der Gefahr giftigen Regens und rufen dazu auf, sich keinen Niederschlägen auszusetzen.

Das Öl in dem Treibstofflager dient vor allem der Stromerzeugung

Matanzas liegt nur knapp 100 Kilometer von Havanna entfernt. Nach den Explosionen in dem Treibstofflager ist in Teilen der kubanischen Hauptstadt stundenlang der Strom ausgefallen. Es gab vorerst keine offiziellen Angaben zur Ursache, wahrscheinlich ist aber, dass die Energieprobleme mit dem Brand in Matanzas zusammenhängen. Die dortigen Tanks enthalten zehntausende Liter kubanisches Rohöl und importiertes Schweröl, das vor allem zur Stromerzeugung verwendet wird. Der Brand verschlingt wichtige Energiereserven des sozialistischen Staats, der ohnehin unter einer schweren Wirtschaftskrise und großen Problemen bei der Energieversorgung leidet.

Das thermoelektrische Kraftwerk Antonio Guiteras bei Matanzas war am Montag vorübergehend vom Netz genommen worden - nach Regierungsangaben wegen Wassermangels durch die Löscharbeiten. Das verschärfte weiter die schwierige Lage der Stromversorgung in Kuba.

Erst vergangenen Mittwoch hatten in Havanna kontrollierte Stromausfälle begonnen. Die Provinzregierung hatte neben weiteren Maßnahmen zum Stromsparen angekündigt, dass diese alle drei Tage stattfinden und von 10 bis 14 Uhr dauern sollen.

Im Rest des Landes war es bereits seit Monaten zu Stromausfällen gekommen, die nach Angaben von Betroffenen in sozialen Medien teils mehr als zwölf Stunden am Tag andauerten. Häufige Stromausfälle in der heißesten Zeit des Jahres waren einer der Anlässe für die Anti-Regierungs-Demonstrationen im Juli 2021 in dem sozialistischen Karibikland.

Mit Material von dpa.

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