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Kriminalität - Chemnitz:Zwei Männer vor Gericht wegen Verabredung zum Mord

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Chemnitz (dpa/sn) - Zwei Männer sollen sich im Internet verabredet haben, einen Teenager in eine Chemnitzer Fabrikruine zu locken, zu missbrauchen und zu töten. Seit Montag stehen sie deswegen vor dem Landgericht Chemnitz wegen Verabredung zum Mord. Einer der beiden sagte zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen aus. "Der Chat, so wie ihn der Staatsanwalt beschrieben hat, hat stattgefunden", räumte der 36-Jährige ein, der viele Jahre als Kinder- und Heilerziehungspfleger gearbeitet und in seiner Freizeit Jugendliche im Fußball trainiert hat. Er habe das Ganze aber nie in die Tat umsetzen wollen. "Ich wollte selber Polizei spielen", erklärte er. So habe er potenzielle Gefährder aufdecken wollen.

Laut Gericht hatte er auf Facebook ein Fake-Profil angelegt, sich als Jugendlicher ausgegeben und dazu ein Foto gestellt von einem halbnackten, auf einem Bett liegenden Jungen. Richterin Simone Herberger las einige wenige Sätze aus den Internetchats vor. Detailreich fachsimpeln die Chatpartner darin, wie sie den Jungen missbrauchen und töten wollen. Er habe an dem Tag der Verabredung im Juni 2019 die Polizei informieren und zusammen mit den Beamten zu dem Treff erscheinen wollen, sagte der 36-Jährige. Auf die Spur kamen die Ermittler den beiden Deutschen durch einen Hinweis von Facebook ans Bundeskriminalamt.

Die Ermittler fanden auf dem Rechner des 36-Jährigen zudem zig kinderpornografische Bilddateien. Die seien ihm bei Chats unaufgefordert geschickt und automatisch gespeichert worden, sagte der Angeklagte. Er selbst finde die Bilder "abartig" und bezeichnete sich als asexuell. Laut Staatsanwaltschaft wurde unter anderem auch eine rechtsmedizinische Dissertation der Universität Münster über Tötungen durch Erdrosseln und Erwürgen gefunden.

Sein Mitangeklagter, ein 27 Jahre alter Berufskraftfahrer, schwieg zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen. Er wolle sich zu einem späteren Zeitpunkt dazu äußern, sagte er.

Polizisten sagten vor Gericht aus, dass sie nach Bekanntwerden des Chats davon ausgegangen sind, dass hier ernsthaft ein Verbrechen geplant sei. Das Gericht plant für den Prozess drei weitere Verhandlungstage bis Ende des Monats.

© dpa-infocom, dpa:210509-99-530895/4

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