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SZ-Kolumne "Mitten in":Omas Plombenzieher

Unser Autor vertilgt die Reste des Weihnachtsgebäcks und gerät dabei an Kekse, die gar nicht für ihn gedacht waren. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in... Schäftlarn

Illustration: Marc Herold

Dattelmakronen, Zimtsterne, Lebkuchen..., die Formenvielfalt und Menge der Plätzchen war dieses Weihnachten besonders groß. Zusätzlich zur innerfamiliären Produktion schickte die Oma ein Best-of-Backofen. Es war eine neue Kreation dabei - eine Art Müsliriegel, jeder einzelne liebevoll in Geschenkpapier eingewickelt. Meine Sorgen, dass die Plätzchen bis Ostern reichen und ich dann zehn Kilo mehr wiege, haben sich inzwischen verkrümelt. Fast alles weg. Nur Omas Spezialstangen sind noch da. Schnell noch mal zugreifen! Autsch. Die Dinger sind hart wie Beton, schmecken überhaupt nicht süß und enthalten getrocknete Karotten. Anruf bei der Oma: "Was ist das für ein extrahartes Gesundheitsgebäck?" Sie lacht schallend. "Das war eigentlich für die Hunde gedacht..." Meine Labradore schauen mich seitdem leicht vorwurfsvoll an. Scherzkekse, alle zusammen! Titus Arnu

Mitten in... Istanbul

Illustration: Marc Herold

Es ist Fischsaison in Istanbul. Auf dem Bosporus legen große Boote ihre schwarzen Schleppnetze aus. So eng stehen sie beieinander, sie machen sich gegenseitig Konkurrenz. Einer bringt mit einem Beiboot den frischen Fang sogar gleich ans Ufer, bietet ihn kiloweise den Passanten an. Daneben, scheinbar ungerührt, stehen die Angler, alle zwei, drei Meter, so dicht, wie es der Corona-Abstand eben erlaubt. Sind sie nicht sauer, dass die Schleppnetzfischer zehn Meter vor ihrer Nase das Meer leer fischen? Meine Freundin Diana fischt auch. Sie wiederholt, was ihr eine türkische Anglerin gesagt hat: "Wo einer satt wird, werden viele satt. Türkisches Sprichwort." Ein Angler zieht neben ihr seine Route hoch, mit gut einem halben Dutzend Haken an der Leine. Und an jedem Haken hängt ein Fisch. "Mashallah!", sagt der Angler. Christiane Schlötzer

Mitten in... Bangkok

Illustration: Marc Herold

Im Lumpini-Park, einer der wenigen grünen Flächen im ansonsten betonlastigen Bangkok, sind die Jogger ewig im Kreis unterwegs. Sie schieben sich laufend und schnaufend aneinander vorbei, der Mund-Nasen-Schutz, den fast alle tragen, macht es nicht einfacher. Man muss durch diesen Laufkreis schreiten, um in den Park zu gelangen, die Rennstrecke führt quasi einmal innen herum. Im Park kann man dann Bodybuilder an verrosteten Hantelstangen oder Wolkenkratzer betrachten, die sich im See spiegeln. Dazu eine Gymnastik-Gruppe, die sich bei Thai-Pop fit hält. Wieder rauskommen ist aber ganz einfach: Man muss nur warten, bis es acht oder 18 Uhr wird. Dann läuft über Lautsprecher die Nationalhymne, und alle, wirklich alle, bleiben wie angewurzelt stehen. In den Sekunden kurz danach kann man ungefährdet raushuschen aus dem Park. David Pfeifer

© SZ/nas
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