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Ein Anruf bei ...:Sven Trump, Trump-Gegner

In Madrid ist Klimagipfel, doch der mächtigste Mann der Welt fehlt: Donald Trump hat abgesagt. Kein Problem für seinen Namensvetter Sven - der entfernte Verwandte des US-Präsidenten fährt trotzdem hin.

Sven Trump hat eine Mission: Er möchte Donald Trump zum Klimaschutz bewegen. Trump gegen Trump, klingt komisch, ist aber so: Sven, 37, stammt wie die Vorfahren deser US-Präsidenten aus der Pfalz. Nun fährt er zum Klimagipfel, um seine Mission voranzutreiben.

SZ: Sie werden Donald Trump in Madrid nicht treffen. Traurig?

Sven Trump: Och, das hatte ich schon erwartet. Kein Problem - Hauptsache einer von der Familie Trump lässt sich blicken.

Sie sind also wirklich mit dem US-Präsidenten verwandt?

Ich habe keinen historischen Stammbaum, den ich Ihnen vorlegen könnte. Ist alles mehr so mündliche Überlieferung, konnte ja keiner ahnen, dass einer aus der Familie Präsident von Amerika wird. Also wurden keine Dokumente aufgehoben. Aber meine Großmutter war sehr bewandert, sie hat oft erzählt vom "Großgroßcousin, der in New York einen Turm baut".

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Ein Anwalt wollte erwirken, dass Sie nicht behaupten dürfen, verwandt zu sein.

Erfolglos! Aber klar, unsere Verwandtschaft spaltet sich weit. Donald gehört der Kallstadter Linie an, ich der Linie aus dem Nachbarort Bobenheim. Wir sind in der siebten oder achten Generation voneinander getrennt, aber haben den gleichen Nachnamen. Darum geht's.

Ist der Nachname auch eine Bürde?

Ich trage ihn mein ganzes Leben und komme gut zurecht. Natürlich gibt es Leute, die sagen: "Sie Armer!" Aber hier lebt es sich lustig als Trump. So entstehen immer wieder tolle Unterhaltungen.

Gab es Reaktionen aus dem Weißen Haus auf Ihre Kampagne?

Noch nicht. Aber ich bin bereit, ich übe schon fleißig Englisch. Das ist seit meiner Schulzeit ein bisschen eingerostet.

Was halten Sie von Ihrem Namensvetter?

Ein schwieriger Typ. Ich habe ihn zwar noch nie kennengelernt, aber sehe ihn ja täglich in allen möglichen Nachrichten. Er sagt viel und dementiert noch mehr. Und macht eine Menge Blödsinn.

Und deswegen konfrontieren Sie ihn in sozialen Medien und fahren nach Madrid?

Richtig. Ich fahre Samstag früh mit einem Foodtruck hin und werde so nah wie möglich am Klimagipfel vegane Burger anbieten. Kostenlos, als Kostprobe. Da hoffe ich auf viele Gespräche mit Menschen aus der ganzen Welt, mit denen ich dann über das Klima und den US-Präsidenten rede.

Worum geht es Ihnen dabei?

Also, mein Anliegen wäre natürlich komplizierter, hieße ich Müller, Meier oder Schmidt. Aber es geht mir darum, dass jeder für sich nachdenkt, wie groß sein CO2-Fußabdruck ist, dass man überlegt, wo man seinen Konsum einschränken oder wie man ihn kompensieren könnte.

Wie kamen Sie darauf?

Vor etwas mehr als einem Jahr bin ich in den Urlaub geflogen, danach kam in den Medien vermehrt das Thema Flugscham auf. Also habe ich mein eigenes Konsumverhalten reflektiert. Aus beruflicher Erfahrung im Einzelhandel wusste ich, wie oft Kunden unnötig konsumieren und Müll produzieren.

Und aus dieser Überlegung entsteht gleich eine ganze Trump-Kampagne?

Eigentlich aus einer lustigen Weinrunde in einem Weingut, in dem ich gearbeitet habe. Da waren Leute von einer Werbeagentur aus Berlin zu Gast. Die meinten, aus meinem Nachnamen und meinen Überlegungen könnte man was Ernstes machen. Die Klimaschutzorganisation myclimate war auch gleich begeistert. So kam eins zum andern, jetzt fahre ich nach Madrid.

Wie lange bleiben Sie?

Nur bis Sonntag. Im neuen Job bin ich noch in der Probezeit.

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